{"id":513,"date":"2014-07-18T11:49:17","date_gmt":"2014-07-18T11:49:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kant-online.ru\/en\/?p=513"},"modified":"2014-07-18T11:51:27","modified_gmt":"2014-07-18T11:51:27","slug":"carola-hantsch-kant-und-die-postmoderne-vernunft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kant-online.ru\/en\/carola-hantsch-kant-und-die-postmoderne-vernunft\/","title":{"rendered":"Carola H\u00e4ntsch. Kant und die postmoderne Vernunft"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_515\" style=\"width: 235px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.kant-online.ru\/en\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/Virpi.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-515\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-515\" alt=\"OLYMPUS DIGITAL CAMERA\" src=\"http:\/\/www.kant-online.ru\/en\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/Virpi-225x300.jpg\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/kant-online.ru\/en\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/Virpi-225x300.jpg 225w, https:\/\/kant-online.ru\/en\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/Virpi.jpg 480w\" sizes=\"(max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-515\" class=\"wp-caption-text\">Carola H\u00e4ntsch<\/p><\/div>\n<p>Dass die Philosophie Immanuel Kants die moderne, aufgekl\u00e4rte Vernunft in Europa in entscheidendem Ma\u00dfe beeinflusst und gepr\u00e4gt hat unterliegt kaum einem Zweifel. Dass sein Denken dar\u00fcber hinaus gerade auch f\u00fcr das, was wir heute \u201epostmoderne\u201c Philosophie nennen, von grundlegender Bedeutung sein k\u00f6nnte, ist bislang weniger Gegenstand des Forschungsinteresses gewesen. Diese These will jedoch der vorliegende Artikel verfolgen und dabei einige m\u00f6gliche Grundlinien der \u201epostmodernen Kant-Rezeption\u201c skizzieren, deren vertiefte Darstellung aber umf\u00e4nglicheren Forschungen zum Thema vorbehalten bleiben mu\u00df.<\/p>\n<p>Zur Plausibilisierung dieser These beginne ich im ersten Teil mit einer kurzen Darstellung der Ausgangs-Differenz Moderne \u2013 Postmoderne (1), frage nach Kants Stellung in dieser Differenz und schlie\u00dfe einen empirisch-historischen Befund zur Auseinandersetzung einiger der franz\u00f6sischen Philosophen, die zur postmodernen Philosophie gerechnet werden k\u00f6nnen, mit Kant an (2).<\/p>\n<p>In einem zweiten Teil zeige ich einige systematische Verkn\u00fcpfungen zwischen Kant und der \u201epostmodernen Vernunft\u201c an: die kritische Perspektive (3), die Auseinandersetzung mit der Metaphysik (4), das Primat des Ethischen (5) und die Bedeutung der Urteilskraft (6).<\/p>\n<p align=\"center\"><b><i>\u00a0<\/i><\/b><\/p>\n<p align=\"center\"><b><i>1. Zur Differenz Moderne \u2013 Postmoderne in der Philosophie<\/i><\/b><\/p>\n<p align=\"center\"><b><i>\u00a0<\/i><\/b><\/p>\n<p>Unter Philosophie der Moderne verstehen wir bekanntlich die Philosophie der Neuzeit, die sp\u00e4testens seit Francis Bacon und Ren\u00e9 Descartes den Menschen als vern\u00fcnftiges Wesen und denkendes Subjekt in den Mittelpunkt stellte. Die moderne Philosophie ist Denken aus der Identit\u00e4t und Einheit. Die moderne Vernunft ist Rationalit\u00e4t, deren Normen des Denkens und Kriterien der Wahrheit f\u00fcr alle Menschen gleicherma\u00dfen gelten und nachfolgend universal g\u00fcltige Handlungsmaximen f\u00fcr Moral und Recht begr\u00fcnden sollen, die ihrerseits das friedliche Zusammenleben der Menschen in einem Staat und der Staaten untereinander gew\u00e4hrleisten. Die Moderne gipfelt in der Aufkl\u00e4rung. Unser gegenw\u00e4rtiges Denken steht in der \u00dcberlieferung der Moderne und der Aufkl\u00e4rung und setzt diese fort.<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite hat die aufgekl\u00e4rte Vernunft die historischen Katastrophen des 20. Jahrhunderts nicht verhindern k\u00f6nnen und auch am Beginn des 21. Jahrhunderts bietet die Welt l\u00e4ngst nicht das Bild einer friedlich zusammenlebenden Kosmopolis, pr\u00e4gen politische und \u00f6konomische Krisen das Zeitgeschehen. Das hat zu einer erneuten kritischen Hinterfragung der menschlichen Vernunft in ihrem modernen Verst\u00e4ndnis als normative Rationalit\u00e4t gef\u00fchrt, die seit den 1980er Jahren insbesondere in Frankreich zum Tragen kam und unter dem Begriff der Postmoderne zusammengefasst wurde.<\/p>\n<p>Das<i> postmoderne Wissen<\/i>, das Jean-Fran\u00e7ois Lyotard 1979 unter der Parole vom Ende der \u201egro\u00dfen Erz\u00e4hlungen\u201c ins Spiel brachte [13], hat sich seither in verschiedene Entw\u00fcrfe und Richtungen ausdifferenziert, so dass man kaum von \u201eder\u201c postmodernen Philosophie sprechen kann. Was die postmodernen Denker eint, lie\u00dfe sich vielleicht am ehesten beschreiben als ein Denken aus der Differenz und Heterogenit\u00e4t, als Verzicht auf Welterkl\u00e4rungsmodelle, die das Ganze zu fassen meinen und eine universal g\u00fcltige Wahrheit postulieren und als Infragestellung der Dominanz eines philosophischen Diskurses. Vielmehr geht es stattdessen um die Ber\u00fccksichtigung verschiedener Perspektiven der Weltinterpretation und die Betonung der individuellen Verantwortung im Umgang mit den Regeln und Maximen des Denkens und Handelns.<\/p>\n<p>Ich verwende den Begriff also nicht etwa zur Charakterisierung einer auf die Moderne folgenden Epoche des Denkens, sondern vielmehr als Begriff zur Bezeichnung einer anderen Weise des Philosophierens, einer Denkweise, die den modernen Diskurs kritisch auf seine Voraussetzungen und seine wissenschafts- und philosophiepolitischen Motive hin befragt. Die postmoderne Vernunftkritik steht damit ihrerseits in einer Reihe mit kritischen Gegenpositionen, die die Aufkl\u00e4rung von Anbeginn an herausgefordert hat, angefangen von der \u201eSchw\u00e4rmerei\u201c der Sturm und Drang-Bewegung \u00fcber die Romantik bis hin zur \u201eDialektik der Aufkl\u00e4rung\u201c.<\/p>\n<p>Der moderne Diskurs hat empfindlich auf diese kritische Attit\u00fcde reagiert. Symptomatisch daf\u00fcr erscheint insbesondere die rigide Polemik von J\u00fcrgen Habermas gegen das postmoderne Denken [9]. Die von Habermas vorgetragenen massiven Vorw\u00fcrfe der \u201eNeuen Un\u00fcbersichtlichkeit\u201c und Beliebigkeit, des Relativismus und Konservatismus, \u201eAntimodernismus\u201c etc. richten sich dabei in ihrem Kern gegen die Verabschiedung des autonomen Subjekts und der Vernunft (\u00fcber die Kritik an der Reduktion auf instrumentelle Vernunft hinaus). Nach Ansicht von Habermas verbindet die Postmoderne \u201edie Kritik der Subjektphilosophie mit einer Vernunftkritik, bei der die Vernunft nur noch im genitivus objectivus auftritt \u2013 und bei der es auf paradoxe Weise offen bleibt, wer oder was den Platz des genitivus subjectivus einnehmen soll (wenn schon nicht mehr die Vernunft selbst)\u201c [9, S.\u00a0134]. Mit dieser \u201etotalen Vernunftkritik\u201c einher geht nach Habermas auch die Verabschiedung moderner Tugenden: \u201evon methodischem Denken, von theoretischer Verantwortlichkeit und jenem Egalitarismus des wissenschaftlichen Denkens, das mit jedem privilegierten Zugang zur Wahrheit gebrochen hatte\u201c [9, S. 134]. Seiner Ansicht nach steigt die postmoderne Philosophie damit aus \u201edem der Moderne von Anbeginn innewohnenden <i>Gegen<\/i>diskurs\u201c [9, S. 222] aus und bietet \u201eals einzige Affirmation die der Ausweglosigkeit\u201c [9, S. 223] an.<\/p>\n<p>Habermas und seine Nachdenker \u00fcbersehen dabei aber zweifelsohne, dass die Postmoderne philosophische Perspektiven er\u00f6ffnet hat, die neue kritische und zugleich produktive Zug\u00e4nge zum Denken und Handeln der j\u00fcngeren Geschichte erm\u00f6glichen und dabei gerade bei der Verantwortlichkeit des Individuums ansetzen. Entscheidende Impulse f\u00fcr diesen Ansatz liefert Kants Philosophie.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"center\"><b><i>2. Kant zwischen Moderne und Postmoderne<\/i><\/b><\/p>\n<p align=\"center\"><b><i>\u00a0<\/i><\/b><\/p>\n<p>Kants Philosophie wird in der Regel \u2013 und nat\u00fcrlich v\u00f6llig zu Recht \u2013 im Kontext der Moderne und der Aufkl\u00e4rung verortet<a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%93%D0%BB%D0%B5%D0%B1\/AppData\/Local\/Microsoft\/Windows\/INetCache\/Content.Outlook\/AUHKXAKD\/Carola%20Haentsch.docx#_ftn1\"><sup><sup>[1]<\/sup><\/sup><\/a>. Er wird vielfach<b> \u2013 <\/b>unter dem Einflu\u00df der traditionellen neukantianisch-erkenntnistheoretisch gepr\u00e4gten Kant-Interpretationen des sp\u00e4ten 19. Jahrhunderts \u2013 als <b>Philosoph der Vernunft<\/b> verstanden, dem die Grundlegung einer normativen Rationalit\u00e4t zu verdanken ist.<a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%93%D0%BB%D0%B5%D0%B1\/AppData\/Local\/Microsoft\/Windows\/INetCache\/Content.Outlook\/AUHKXAKD\/Carola%20Haentsch.docx#_ftn2\"><sup><sup>[2]<\/sup><\/sup><\/a><\/p>\n<p>Auf der anderen Seite stehen wir vor dem Ph\u00e4nomen, da\u00df die postmodernen Denker sich nicht nur auf Nietzsche und seine philosophischen Vorv\u00e4ter und Nachfolger, sondern in einem Ma\u00dfe auch auf Kant beziehen, das angesichts von dessen traditioneller (moderner) Lesart nicht zu erwarten w\u00e4re. Es ist eigentlich gerade der Spannungsbogen Kant \u2013 Nietzsche, der sich als ein zentraler Referenzrahmen f\u00fcr die postmoderne Philosophie erweist. Einige Beispiele seien an dieser Stelle \u2013 sozusagen als empirisch-historischer Ausgangs-Befund \u2013 erw\u00e4hnt.<\/p>\n<p>F\u00fcr Emmanuel Levinas (1906\u20131995) werden sowohl Kant als auch Nietzsche wegen ihrer Begrenzung des Theoretischen und Allgemeinen durch das Ethische zu Anhaltspunkten seines Philosophierens. \u201eLevinas hat sich auf beide, auf Kant emphatisch, auf Nietzsche zur\u00fcckhaltender bezogen\u201c [17, S. 153]<a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%93%D0%BB%D0%B5%D0%B1\/AppData\/Local\/Microsoft\/Windows\/INetCache\/Content.Outlook\/AUHKXAKD\/Carola%20Haentsch.docx#_ftn3\"><sup><sup>[3]<\/sup><\/sup><\/a>.<\/p>\n<p>Auch Jacques Derrida (1930\u20132004) nimmt \u2013 insbesondere in seinen Texten zur Politischen Philosophie \u2013 immer wieder Bezug auf Kant, so z.B. wenn er die Gerechtigkeit als Dekonstruktion bestimmt [7] oder ausgehend von der Differenz des Eigenen und des Fremden M\u00f6glichkeiten der Gastfreundschaft er\u00f6rtert.<\/p>\n<p>Jean-Fran\u00e7ois Lyotard (1924\u20131998) ver\u00f6ffentlichte seine <i>Kant-Lektionen<\/i> unter dem Titel <i>Die Analytik des Erhabenen<\/i> 1991 als Resultat jahrelanger Vorlesungen. Er analysierte in ihnen unter Bezugnahme auf die gesamte <i>Kritik der Urteilskraft <\/i>und weitere zentrale Kant-Werke (<i>KrV, KpV, Orientierungsschrift, Anthropologie<\/i>) die Paragraphen 23-29 der dritten Kritik Kants, die sich mit dem Erhabenen besch\u00e4ftigen [12]. Auch in seinem zentralen Werk <i>Der Widerstreit <\/i>[14] von 1983 ist Kant neben Aristoteles, Hegel und Wittgenstein eine zentrale Referenzgr\u00f6\u00dfe.<\/p>\n<p>Michel Foucault (1926\u20131984) besch\u00e4ftigte sich mit Kants Philosophie u.a. 1978 in einem Vortrag mit dem Titel <i>Was ist Kritik<\/i>? [8], der 1990 posthum ver\u00f6ffentlicht wurde. Er untersuchte hier den Beitrag der \u201eerhabene(n) Unternehmung Kants\u201c zur Herausbildung einer \u201ekritische(n) Haltung als Tugend im allgemeinen\u201c [8; 9] und die Frage nach dem Verh\u00e4ltnis von Kritik und Aufkl\u00e4rung.<\/p>\n<p>Pierre Bourdieus (1930\u20132002) Denken erweist sich bis in die Titel seiner Schriften hinein als sehr Kantisches Unternehmen, man denke nur an solche Titel wie <i>Die feinen Unterschiede. Kritik der gesellschaftlichen Urteilskraft<\/i> 1979 [1], <i>Sozialer Sinn. Kritik der theoretischen Vernunft<\/i> 1987 [2]<a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%93%D0%BB%D0%B5%D0%B1\/AppData\/Local\/Microsoft\/Windows\/INetCache\/Content.Outlook\/AUHKXAKD\/Carola%20Haentsch.docx#_ftn4\"><sup><sup>[4]<\/sup><\/sup><\/a> oder<i> Praktische Vernunft. Zur Theorie des Handelns<\/i> 1994 [4].<\/p>\n<p>Gilles Deleuze (1925\u20131995) schrieb bereits 1963 <i>Kants kritische Philosophie. Die Lehre von den Verm\u00f6gen<\/i>. Er schrieb das Buch in kritischer Attit\u00fcde, \u201eals Buch \u00fcber einen Feind, von dem ich zu zeigen versuchte, wie er funktioniert \u2013 was seine Zahnr\u00e4der sind \u2013 Tribunal der Vernunft, angemessener Gebrauch der Verm\u00f6gen, Unterwerfung, die um so heuchlerischer ist, da man uns den Titel des Gesetzgebers verleiht\u201c [5].<\/p>\n<p>Diese Hinweise m\u00f6gen an dieser Stelle als empirischer Ausgangsbefund gen\u00fcgen, der jedoch keinerlei Anspruch auf Vollst\u00e4ndigkeit erhebt und im Einzelnen auszuarbeiten w\u00e4re.<\/p>\n<p>Ernsthaftes Philosophieren kommt an Kant nicht vorbei \u2013 das mu\u00df gerade hier in Kaliningrad, an der Wirkungsst\u00e4tte Kants, nicht extra betont werden. Dennoch \u00fcbersteigt die Intensit\u00e4t, mit der sich die postmodernen Denker immer wieder auf den Philosophen aus K\u00f6nigsberg beziehen, das dem gew\u00f6hnlichen akademischen Diskurs geschuldete Pflichtpensum.<\/p>\n<p>Wie l\u00e4sst sich die erstaunliche Intensit\u00e4t der postmodernen R\u00fcckgriffe auf Kant erkl\u00e4ren? Warum orientiert sich die philosophische Denkweise, der man sogar die Destruktion der europ\u00e4ischen Rationalit\u00e4t vorgeworfen hat, in solchem Ma\u00dfe an Kant, der ja gemeinhin (in der traditionellen modernen Lesart) als der \u201eErzphilosoph\u201c der europ\u00e4ischen Rationalit\u00e4t gelesen wird?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"center\"><b><i>3. Systematische Verkn\u00fcpfungen: Kant als Kritiker der Vernunft<\/i><\/b><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die europ\u00e4ische Philosophie ist am Ausgang des 20. Jahrhunderts (u.a. im Kontext\/ als Folge der Auseinandersetzung mit heideggerianisch-hermeneutisch gepr\u00e4gten Kant-Interpretationen des 20. Jahrhunderts) offensichtlich verst\u00e4rkt darauf aufmerksam geworden, dass Kant vor allem als <b>Kritiker der Vernunft<\/b> zu verstehen ist. Kants \u201eklassische Vernunft\u201c erweist sich vor allem als kritische Vernunft, vor deren Richterstuhl sich Religion, Staat und die Vernunft selbst zu verantworten haben. Kant ist nicht der Philosoph der (reinen) Vernunft, sondern ihr Kritiker. Josef Simon hat das in seiner Kant-Interpretation nachhaltig deutlich gemacht [15].<\/p>\n<p>Es scheint zun\u00e4chst diese vernunftkritische Perspektive Kants einschlie\u00dflich ihrer radikalen Konsequenzen f\u00fcr das Denken des Ethischen, \u00c4sthetischen und Politischen zu sein, die ihn neben Nietzsche f\u00fcr die franz\u00f6sischen Denker am Ausgang des 20. Jahrhunderts so attraktiv macht und systematische Zug\u00e4nge f\u00fcr eine postmoderne Kant-Lekt\u00fcre er\u00f6ffnet.<\/p>\n<p>Foucault bestimmt diese \u201ekritische Haltung\u201c als \u201eTugend im allgemeinen\u201c, als \u201edie Kunst, nicht derma\u00dfen regiert zu werden\u201c [8, S.\u00a012]. F\u00fcr Foucault verschiebt sich die Kritik hin zu den politischen Dimensionen des Vernunftgebrauchs, sie wird zur \u201eBewegung, in welcher sich das Subjekt das Recht herausnimmt, die Wahrheit auf ihre Machteffekte hin zu befragen und die Macht auf ihre Wahrheitsdiskurse hin.\u201c [8, S. 15]. Was er als Kritik charakterisiert ist das, was \u201eKant als <i>Aufkl\u00e4rung<\/i> beschrieben hat\u201c: ein \u201eAppell an den Mut\u201c, eine kritische Haltung gegen\u00fcber dem \u201egro\u00dfen historischen Proze\u00df der Regierbarmachung der Gesellschaft\u201c [8, S. 16].<\/p>\n<p>Daraus folgt f\u00fcr ihn die Frage, wie Kant die \u201eeigentliche Kritik\u201c im Verh\u00e4ltnis zu jener Aufkl\u00e4rung definiert, die er wie folgt beantwortet: \u201eDie Kritik also wird sagen: um unsere Freiheit geht es weniger in dem, was wir mit mehr oder weniger Mut unternehmen als vielmehr in der Idee, die wir uns von unserer Erkenntnis und ihren Grenzen machen\u201c [8, S. 17]. Kants Vorhaben ist es, die Grenzen der Reichweite der menschlichen Vernunft, ihre Begrenztheit und ihre Perspektivit\u00e4t aufzuzeigen. Die \u201eErkenntnis der Erkenntnis\u201c geht \u201eals Prolegomenon zu jeder gegenw\u00e4rtigen und k\u00fcnftigen Aufkl\u00e4rung\u201c vorher [8, S. 18]. Dieses Vorhaben richtet sich zun\u00e4chst auf die Vernunft in ihrem theoretischen Gebrauch, die Metaphysik.<b><\/b><\/p>\n<p><b>\u00a0<\/b><\/p>\n<p align=\"center\"><b><i>4. Die Auseinandersetzung mit der Metaphysik<\/i><\/b><\/p>\n<p align=\"center\"><b><i>\u00a0<\/i><\/b><\/p>\n<p>Gilles Deleuze hat die Leitthemen der \u201ekantischen Revolution\u201c anhand von vier Dichter-Spr\u00fcchen veranschaulicht, von denen sich die ersten beiden auf die <i>Kritik der reinen Vernunft<\/i>, der dritte auf die <i>Kritik der praktischen Vernunft<\/i> und der vierte auf die <i>Kritik der Urteilskraft<\/i> beziehen. Ich folge hier den Grundlinien seiner Kant-Lekt\u00fcre [5, S. 7\u201415].<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><i>1. Hamlet: The time is out of joint! Die Zeit ist aus den Angeln.<\/i><\/p>\n<p>Die \u201eerste gro\u00dfe kantische Umkehrung in der KrV\u201c ist \u201edie Umkehrung der Beziehung zwischen Bewegung und Zeit\u201c [5, S. 12]. Solange die Zeit in ihren Angeln bleibt, ist sie das Ma\u00df der Bewegung. Nun aber bezieht sich die Zeit nicht mehr auf die Bewegung, sondern die Bewegung ordnet sich der Zeit unter, \u201edie Bewegung bezieht sich auf die Zeit, die sie bedingt.\u201c Zeit wird zur \u201eForm all dessen, was sich \u00e4ndert und bewegt\u201c, \u00e4ndert sich selbst aber nicht, sie wird \u201eunwandelbare Form des Wechsels\u201c [5, S. 8\u20149].<\/p>\n<p><i>2. Rimbaud: Ich ist ein anderer. <\/i><\/p>\n<p>Diesen Satz verwendet Deleuze, um einen \u201eanderen Aspekt der kantischen Revolution, wiederum in der KrV\u201c zu verdeutlichen: das Eingehen der Zeit in das Innere des Subjekts (als <i>Form des Inneren<\/i>, innerer Sinn), \u201eum in ihm das <i>Ich<\/i> und das <i>ich<\/i> zu unterscheiden\u201c [5, S.\u00a011]. Das <i>Ich<\/i>, das \u201ein der Zeit\u201c, sich ver\u00e4ndernd, passiv, rezeptiv, ph\u00e4nomenal ist und das <i>ich<\/i> als Akt der \u201eSynthese der Zeit und dessen, was in der Zeit geschieht\u201c, sind durch die Zeitlinie getrennt und zugleich verschr\u00e4nkt; die sich st\u00e4ndig verschiebende Differenz zwischen <i>Ich<\/i> und <i>ich<\/i> konstituiert die Zeit.<\/p>\n<p>F\u00fcr Kant war das denkende Ich bekanntlich eine \u201ef\u00fcr sich selbst an Inhalt g\u00e4nzlich leere Vorstellung: [\u2026], von der man nicht einmal sagen kann, da\u00df sie ein Begriff sei, sondern ein blo\u00dfes Bewu\u00dftsein, das alle Begriffe begleitet. Durch dieses Ich, oder Er, oder Es (das Ding), welches denkt, wird nun nichts weiter als ein transzendentales Subjekt der Gedanken vorgestellt = x, welches nur durch die Gedanken, die seine Pr\u00e4dikate sind, erkannt wird, und wovon wir, abgesondert, niemals den mindesten Begriff haben k\u00f6nnen;\u201c [AA 346]. Wir haben es bei Kant also nicht mit einem transzendentalen Subjekt im Sinne irgendeiner ontologischen Entit\u00e4t zu tun, sondern vielmehr im Sinne einer Voraussetzung, die ich machen mu\u00df, wenn ich das Denken denken will. Ich kann davon ebenso wenig sagen wie von der Freiheit, die ich aber voraussetzen mu\u00df, wenn ich den Menschen als moralisches Wesen denken will. Diesem \u201eSubjekt der Gedanken = x\u201c entspr\u00e4che bei Deleuze das <i>ich<\/i> als Akt der Synthese.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus und zug\u00e4nglich bleibt nur die Erscheinung, das Ich \u201ein der Zeit\u201c, eine \u201eunendliche Abwandlung (Modulation)\u201c [5, S. 11], dessen Denken und Handeln an die Zeit und an den Standort gebunden ist und immer nur aus dem \u201ePrivathorizont\u201c, der Perspektive der \u201eeigenen Vernunft\u201c heraus erfolgen kann, der immer eine andere, \u201efremde Vernunft\u201c gegen\u00fcbersteht, die sich nicht ohne weiteres erschlie\u00dft. Dieses <i>Ich<\/i> \u201ein der Zeit\u201c stellt sich die Aktivit\u00e4t seines eigenen Denkens vor als <i>ich<\/i>, \u201eein Anderer, der es affiziert\u201c [5, S. 10].<\/p>\n<p>Deleuze verweist damit im Ausgang von Kant einerseits auf die Temporalit\u00e4t des Denkens, das Denken des Denkens und des Seins, des Subjekts und der Substanz, von der Zeit her und andererseits auf die Individualit\u00e4t des Denkens. Der vielfach beklagte Verlust des Subjekts erweist sich so vielmehr als Wiedergewinnung des Individuums als unhintergehbaren Ausgangspunktes des Philosophierens (Denkens des Denkens); eines Individuums allerdings, dessen Identit\u00e4t sich in einem fortlaufenden Proze\u00df von Selbst- und Fremdwahrnehmung, Selbstidentifikationen und Zuschreibungen von Identit\u00e4ten st\u00e4ndig neu konstituiert. Damit r\u00fccken insbesondere die ethischen und politischen Implikationen des Denkens in das Blickfeld und zugleich die Betonung der individuellen Verantwortung im Umgang mit den Regeln des Denkens und Handelns (im Unterschied zur Betonung einer universalen normativen Rationalit\u00e4t, die universale Handlungsmaximen vorschreiben k\u00f6nnte).<\/p>\n<p>Dem tr\u00e4gt ein Denken aus der Differenz Rechnung. Hier kann man den Ansatz sehen f\u00fcr Foucaults kritische Hinterfragung des traditionellen Subjektbegriffs, Lyotards Inkommensurabilit\u00e4t der Diskurse oder Derridas Analysen des Fremden. Dieser Orientierung folgt auch Bourdieu mit seiner relationalen Auffassung der (sozialen) Welt, die die soziale Bedingtheit von Wahrnehmungs-, Erkenntnis- und Wissensformen einschlie\u00dft und mit der These \u00fcber die Identit\u00e4t des Menschen als Resultat einer sozialen Konstruktion.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"center\"><b><i>5. Primat der Praktischen Philosophie \u2013<br \/>\nEthik als \u201eerste Philosophie\u201c<\/i><\/b><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die ethischen und politischen Motive erweisen sich als eigentlich letzte Ausgangspunkte f\u00fcr die kritische Analyse der bisherigen abendl\u00e4ndischen Metaphysik durch die Postmoderne und unterscheiden sie von fr\u00fcheren Versuchen der Metaphysik-Kritik im 20. Jahrhundert, die bei wissenschaftstheoretischen Grundlegungsfragen ansetzen. Das Primat des Ethischen und die Thematisierung der politischen und ethischen Dimensionen des theoretischen Vernunftgebrauchs bilden zugleich einen weiteren Akzent der Kantischen Philosophie, den Deleuze mit einem dritten Dichterspruch andeutet, mit dem \u201ekafkaesken Satz\u201c [5, S. 12] n\u00e4mlich:<\/p>\n<p><i>3. Das Gute ist das, was das Gesetz sagt.<\/i><\/p>\n<p>Dieser dritte Aspekt der kantischen Revolution betrifft die Vernunft in ihrem praktischen Gebrauch. F\u00fcr Platon sind die Gesetze eine \u201eImitation des Guten\u201c, das Gute dient ihnen als h\u00f6chster Grundsatz. \u201eKant f\u00fchrt die Umkehrung der Beziehung zwischen dem Gesetz und dem Guten ein, die genauso wichtig ist wie die Umkehrung der Beziehung zwischen Bewegung und Zeit.\u201c Bei Kant ist das Gesetz die \u201eh\u00f6chste Instanz\u201c, das Gute h\u00e4ngt vom Gesetz ab. [5, S. 12] Das moralische Gesetz bestimmt sich als reine (\u201eleere\u201c) Form von Allgemeinheit; es sagt, \u201ewelche Form er [der Wille] annehmen mu\u00df, um moralisch zu sein\u201c [5, S. 13].<\/p>\n<p>Deleuze erinnert hier an den kategorischen Imperativ als Verweis auf die Verantwortung des Individuums. F\u00fcr Kant ging es bekanntlich darum, das Wissen zu begrenzen, um f\u00fcr den Glauben Platz zu bekommen [B XXX], nicht in erster Linie f\u00fcr Glauben im religi\u00f6sen Sinne, sondern f\u00fcr den Handlungsglauben, dasjenige F\u00fcrwahrhalten, auf das der Mensch seine Handlungen gr\u00fcndet. Dieses F\u00fcrwahrhalten steht niemals auf der Grundlage vollst\u00e4ndigen \u00dcberblicks, der Kenntnis aller Bedingungen \u2013 es ist immer ein F\u00fcrwahrhalten im Flu\u00df der Zeit und in einem komplexen Bedingungsgef\u00fcge. Und dennoch mu\u00df der Mensch davon ausgehend seine praktischen Entscheidungen treffen und diese Entscheidungen verantworten, auch auf die Gefahr hin, seinem Gegen\u00fcber damit nicht in jedem Falle gerecht zu werden. \u201eDie Schuld ist so etwas wie der Faden der Moral, der den Faden der Zeit verdoppelt.\u201c [5, S. 14]<\/p>\n<p>Der Mensch allein mu\u00df entscheiden, ob die Maxime <span style=\"text-decoration: underline;\">seiner<\/span> Handlungen als allgemeines Gesetz <span style=\"text-decoration: underline;\">denkbar<\/span> w\u00e4re. Und er mu\u00df dabei in Rechnung stellen, da\u00df diese Entscheidungen immer nur aus dem eigenen Horizont heraus getroffen werden k\u00f6nnen, dem der Horizont des Anderen, der Horizont einer \u201efremden Vernunft\u201c gegen\u00fcbersteht. Aus dem kategorischen Imperativ sind keine allgemeinen Inhalte (Handlungsnormen) abzuleiten \u2013 er ist die \u201eleere\u201c Form der Allgemeinheit [5, S. 13] \u2013 und es geht gerade nicht darum, dem anderen vorzuschreiben, wie er handeln soll. \u201eWas konkret moralisch ist, kann sich jedem nur selbst zeigen, und es kann sich f\u00fcr ihn unter Umst\u00e4nden \u00e4ndern. Bestimmte Handlungen k\u00f6nnen aus dem Gesichtspunkt des einen moralisch sein, aus dem eines anderen nicht. Es kann nach Kant darum nur Sache des Rechts sein, bestimmte Handlungen allgemein zu verbieten oder zu erlauben.\u201c [16, S. 70].<\/p>\n<p>Das Moment der individuellen Verantwortung in der Moral \u2013 ankn\u00fcpfend an Kants Unterscheidung von eigener und fremder Vernunft \u2013 thematisiert z.B. Derrida immer wieder in seinen kleineren politischen Schriften, so wenn er nach der M\u00f6glichkeit einer europ\u00e4ischen Identit\u00e4t aus der Antinomie zwischen Kapitalisierung und\u00a0 Zerstreuung fragt. \u201eIm voraus \u00fcber die Allgemeinheit einer Regel [\u2026] zu verf\u00fcgen, dar\u00fcber wie ein (vor)gegebenes Verm\u00f6gen oder ein vorhandenes Wissen, wie \u00fcber ein <i>Wissen<\/i> oder eine <i>Macht<\/i> zu verf\u00fcgen, die der Besonderheit jeder Entscheidung, jeden Urteils, jeder Erfahrung vorausgehen, um sie mit Normen zu re\u00adgeln und sich auf sie wie auf einzelne F\u00e4lle zu beziehen &#8211; damit w\u00e4re die sicherste, die beruhigendste Bestimmung der <i>Verantwor\u00adtung<\/i> als <i>Unverantwortlichkeit<\/i> gegeben, die Moral mit dem juridi\u00adschen Kalk\u00fcl verwechselt, die Politik in Gestalt einer Techno-Wissenschaft eingerichtet\u201c [6, S. 53]. Moralisch handeln hie\u00dfe hier vielmehr, Entscheidungsinhalte (Handlungsmaximen) immer neu darauf hin zu pr\u00fcfen, ob sie als allgemeines Gesetz denkbar w\u00e4ren, sich immer neu f\u00fcr eine Regel zu entscheiden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"center\"><b><i>6. Urteilskraft \u2013 \u00e4sthetische Differenz<\/i><\/b><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der vierte Dichterspruch, auf den Deleuze zur\u00fcckgreift, um Kants Revolution in der Philosophie zu beschreiben, betrifft die <i>Kritik der Urteilskraft<\/i>, eine\u00a0 \u201eau\u00dfergew\u00f6hnliche Unternehmung\u201c eines \u201ezutiefst ro\u00adman\u00adtischen Kant\u201c, zu der er sich hinrei\u00dfen l\u00e4\u00dft , \u201eals er ein Alter erreicht hat, in dem die gro\u00dfen Autoren sich selten erneuern\u201c [5, S. 14, 15].<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><i>4. Rimbaud: \u201eEine Entgrenzung aller Sinne\u201c <\/i><\/p>\n<p>So wie f\u00fcr Rimbaud\u00a0 die \u201eEntgrenzung aller Sinne\u201c die\u00a0 zu\u00adk\u00fcn\u00adf\u00adti\u00adge Poesie bestimmen sollte, w\u00fcrde die \u201eungeregelte\u201c, \u201eentregelte \u00dcbung aller Verm\u00f6gen\u201c die zuk\u00fcnftige Philosophie bestimmen [5, S.\u00a017]. Der disharmonische Einklang der Verm\u00f6gen wird nicht mehr von einem Verm\u00f6gen dominiert, sie sind f\u00e4hig \u201ezu freien Beziehungen <i>ohne Regeln<\/i>\u201c [5, S. 15], zu freiem Spiel und Kampf [5, S. 16]. Deleuze betrachtet die Kritik der Urteilskraft als\u00a0 \u201eGr\u00fcndung der Romantik\u201c [5, S. 15].<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es kann auf die Bedeutung dieser Kant-Lekt\u00fcre von der Urteilskraft her an dieser Stelle nur kurz hingewiesen werden, sie ist in ihrer ganzen Tragweite bei weitem nicht erschlossen. Diese Perspektive ver\u00e4ndert den Blick auf das Gesamtunternehmen Kants jedoch entscheidend.<\/p>\n<p>Josef Simon fa\u00dft das in die These, da\u00df die \u201e\u00e4sthetische Differenz\u201c zwischen Personen zur Hauptsache der Philosophie wird: \u201dDie nicht in gemeinsame Begriffe (conceptus communis) zu fassende (\u00e4sthetische) <i>Differenz<\/i> der Personen unterhalb des untersten Begriffs von \u00b4dem\u00b4 Menschen wird damit zur Sache und zur eigentlichen Hauptsache der Philosophie\u201d [15, S. VII]. Philosophie hat es danach vorrangig mit dem Verh\u00e4ltnis von Individuen jenseits eines Begriffs vom transzendentalen Subjekt und einer definitiven Bestimmung \u201ddes\u201d Menschen zu tun, deren Vernunft nicht unabh\u00e4ngig vom jeweiligen Ort und der Zeit ihres Denkens und Handelns zu verstehen ist. Das Individuum in seiner jeweiligen Besonderheit sowie seine Kommunikation und sein Zusammenleben mit anderen Individuen in religi\u00f6s, kulturell, politisch und rechtlich unterschiedlich verfa\u00dften Gemeinschaften und in verschiedenen Zeithorizonten r\u00fccken in den Mittelpunkt der Philosophie.<\/p>\n<p>Eine wesentlich detailliertere Analyse der systematischen Ankn\u00fcpfungen der postmodernen Philosophen an Kant als sie hier m\u00f6glich war k\u00f6nnte uns neue Perspektiven auf Kants Denken selbst er\u00f6ffnen, die unter dem Einflu\u00df der traditionellen neukantianisch gepr\u00e4gten Kant-Interpretationen bislang wenig sichtbar geworden sind.<b>\u00a0<\/b><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"center\"><b>Literaturverzeichnis<\/b><\/p>\n<p align=\"center\"><b>\u00a0<\/b><\/p>\n<p>1.\u00a0<i>Bourdieu P.<\/i> La distinction. Critique sociale du jugement. Paris, 1979.<\/p>\n<p>2.\u00a0<i>Bourdieu P.<\/i> Le sens pratique. Esquisse d\u00b4une th\u00e9orie de la pratique. Paris, 1980.<\/p>\n<p>3.\u00a0<i>Bourdieu P.<\/i> Meditationen. Zur Kritik der scholastischen Vernunft. FaM: Suhrkamp, 2001.<\/p>\n<p>4.\u00a0<i>Bourdieu P.<\/i> Raisons pratiques. Sur la th\u00e9orie de l\u00b4action. Paris, 1994.<\/p>\n<p>5.\u00a0<i>Deleuze G.<\/i> Kants kritische Philosophie. Die Lehre von den Verm\u00f6gen, Berlin: Merve, 1990.<\/p>\n<p>6.\u00a0<i>Derrida J.<\/i> Das andere Kap. Die aufgeschobene Demokratie. Zwei Essays. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1992.<\/p>\n<p>7.\u00a0<i>Derrida J.<\/i> Force de loi. Le \u201efondement mystique de l\u00b4autorit\u00e9\u201c. New York, 1990.<\/p>\n<p>8.\u00a0<i>Foucault M.<\/i> Was ist Kritik? Berlin: Merve, 1992.<\/p>\n<p>9.\u00a0<i>Habermas J.<\/i> Die Neue Un\u00fcbersichtlichkeit. Kleine Politische Schriften V. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1985.<\/p>\n<p>10.\u00a0<i>Kant I.<\/i> Kritik der reinen Vernunft. AA.<\/p>\n<p>11.\u00a0<i>Levinas E.<\/i> Die radikale Frage: Kant contra Heidegger sowie Kant-Lekt\u00fcre, in: ders., Gott, der Tod und Zeit, hg. von Peter Engelmann. Wien: Passagen, 1996.<\/p>\n<p>12.\u00a0<i>Lyotard J-F<\/i>. Die Analytik des Erhabenen. Kant-Lektionen. Paris, 1991.<\/p>\n<p>13.\u00a0<i>Lyotard J-F. <\/i>La Condition postmoderne: Rapport sur le savoir. Paris, 1979.<\/p>\n<p>14.\u00a0<i>Lyotard J-F.<\/i> Le Diff\u00e9rend. Paris, 1983.<\/p>\n<p>15.\u00a0<i>Simon J.<\/i> Kant. Die fremde Vernunft und die Sprache der Philosophie, Berlin, New York: de Gruyter, 2003.<\/p>\n<p>16.\u00a0<i>Stegmaier W.<\/i> Hauptwerke der Philosophie. Von Kant bis Nietzsche. Stuttgart: Reclam, 1997.<\/p>\n<div>\n<p>17.\u00a0<i>Stegmaier W.<\/i> Levinas, Freiburg, Basel. Wien: Herder, 2002.<\/p>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b><i>Die erste Ver\u00f6ffentlichung des Aufsatzes:<\/i><\/b><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>H\u00e4ntsch, Carola. Kant und die postmoderne Vernunft\/\/ 10. Internationale Kant Konferenz. Klassische Vernunft und die Herausforderungen der modernen Zivilisation: Materialien der internationalen Konferenz: in 2 Bd. Hrsg. W.N. Brjuschinkin. \u2013 Kaliningrad: Verlag der Immanuel Kant Universit\u00e4t Kaliningrad, 2010. Band. 1, S. 429 \u2013 441.<\/p>\n<div>\n<hr align=\"left\" size=\"1\" width=\"33%\" \/>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%93%D0%BB%D0%B5%D0%B1\/AppData\/Local\/Microsoft\/Windows\/INetCache\/Content.Outlook\/AUHKXAKD\/Carola%20Haentsch.docx#_ftnref1\">[1]<\/a> Siehe z.B. die Tagung <i>Kant und die Zukunft der europ\u00e4ischen Aufkl\u00e4rung<\/i> im Krupp-Wissenschaftskolleg Greifswald im Oktober 2007.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%93%D0%BB%D0%B5%D0%B1\/AppData\/Local\/Microsoft\/Windows\/INetCache\/Content.Outlook\/AUHKXAKD\/Carola%20Haentsch.docx#_ftnref2\">[2]<\/a> Dieses Kant-Verst\u00e4ndnis spiegelt sich z.B. auch in der Themenstellung unserer Kaliningrader Konferenz wider, die Kants Vernunftkonzeption als \u201eBeispiel f\u00fcr die <i>klassische Auffassung der Vernunft<\/i>, mit der die Epoche der Aufkl\u00e4rung zu Ende ging\u201c, den \u201eHerausforderungen der modernen Zivilisation\u201c gegen\u00fcberstellt.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%93%D0%BB%D0%B5%D0%B1\/AppData\/Local\/Microsoft\/Windows\/INetCache\/Content.Outlook\/AUHKXAKD\/Carola%20Haentsch.docx#_ftnref3\">[3]<\/a> Vgl. u.a. [11, S. 67\u201377].<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%93%D0%BB%D0%B5%D0%B1\/AppData\/Local\/Microsoft\/Windows\/INetCache\/Content.Outlook\/AUHKXAKD\/Carola%20Haentsch.docx#_ftnref4\">[4]<\/a> Siehe auch [3].<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dass die Philosophie Immanuel Kants die moderne, aufgekl\u00e4rte Vernunft in Europa in entscheidendem Ma\u00dfe beeinflusst und gepr\u00e4gt hat unterliegt kaum einem Zweifel. Dass sein Denken dar\u00fcber hinaus gerade auch f\u00fcr das, was wir heute \u201epostmoderne\u201c Philosophie nennen, von grundlegender Bedeutung sein k\u00f6nnte, ist bislang weniger Gegenstand des Forschungsinteresses gewesen. 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