{"id":505,"date":"2014-07-16T14:24:30","date_gmt":"2014-07-16T14:24:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kant-online.ru\/en\/?p=505"},"modified":"2014-07-16T18:46:25","modified_gmt":"2014-07-16T18:46:25","slug":"vadim-vasilyev-kant-und-idealismus-realitat-und-illusionen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kant-online.ru\/en\/vadim-vasilyev-kant-und-idealismus-realitat-und-illusionen\/","title":{"rendered":"Vadim Vasilyev. Kant und Idealismus: Realit\u00e4t und Illusionen"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_507\" style=\"width: 273px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.kant-online.ru\/en\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/logosfera_Vadim_Vasilyev.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-507\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-507\" alt=\"Vadim Vasilyev\" src=\"http:\/\/www.kant-online.ru\/en\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/logosfera_Vadim_Vasilyev-263x300.jpg\" width=\"263\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/kant-online.ru\/en\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/logosfera_Vadim_Vasilyev-263x300.jpg 263w, https:\/\/kant-online.ru\/en\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/logosfera_Vadim_Vasilyev.jpg 337w\" sizes=\"(max-width: 263px) 100vw, 263px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-507\" class=\"wp-caption-text\">Vadim Vasilyev<\/p><\/div>\n<p>Vor zwei Monaten hat bei uns, d. h. an der philosophischen Fakult\u00e4t der Moskauer Lomonosov-Universit\u00e4t, eine Telebr\u00fccke zwischen unserer Fakult\u00e4t und dem Lehrstuhl f\u00fcr Philosophie der Universit\u00e4t Albany stattgefunden. Das Thema war: Der Fortschritt in der Philosophie w\u00e4hrend der letzten 50 Jahren. Unter den Referenten war der hier in Kaliningrad nicht unbekannte amerikanische Kantforscher Howell. Er referierte zum Thema \u201e\u00dcber die Fortschritte in der Kantforschung\u201c. Er entwarf ein sehr optimistisches Bild. Ich habe ihm widersprochen, indem ich darauf hinwies, dass einige grundlegende Probleme der Rezeption der Kantischen Philosophie immer noch ihrer L\u00f6sung harren. Zu ihnen geh\u00f6rt beispielsweise der Umstand, dass es unter den Kantforschern kein Einvernehmen dar\u00fcber besteht, wie Kant den Unterschied zwischen den objektiven und subjektiven Seiten seiner Deduktion der Kategorien auffasste. Auch bis jetzt bleibt es dahingestellt, wann genau Kant \u201evom dogmatischen Schlaf\u201c erwachte, wie er sich in den \u201eProlegomena\u2026\u201c ausdr\u00fcckt. Auch was den Idealismus anbetrifft, bleibt Manches unklar. Das wird eben das Thema meines Referates heute sein.<\/p>\n<p>Die Intrige einer solchen Fragestellung besteht auch darin, dass Kant einerseits den Idealismus in Person Descartes und Berkeleys kritisierte, aber andererseits seine eigene idealistische Doktrin entwickelte. Dabei ist es von Belang zu verstehen, worin sich eigentlich sein transzendentaler Idealismus vom \u201edogmatischen Idealismus\u201c Berkeleys und \u201edem problematischen Idealismus\u201c von Descartes unterscheidet. Es gibt hier aber auch eine andere Intrige. Ich meine dabei den Umstand, dass sich die Kantische Auffassung des Idealismus mit der Zeit wandelte. Es handelt sich nicht nur darum, dass er in die zweite Auflage seiner \u201eKritik der reinen Vernunft\u201c den Paragraph \u201eWiderlegung des Idealismus\u201c brachte, in dem Kant ein Argument ins Feld r\u00fcckte, welches in der ersten Auflage fehlte. Er setzte auch nach der zweiten Ausgabe der ersten Kritik weiter fort, seine Argumentation zu vervollkommnen. Davon zeugen seine zahlreichen nachfolgenden Notizen. Die Frage ist: Was bewegte Kant dazu, seine Stellung zum Idealismus immer zu pr\u00e4zisieren? Und hier entsteht eine Gefahr, n\u00e4mlich: man kann diese nachfolgenden Berichtigungen als Antwort auf die Kritik von au\u00dfen ansehen. Gerade solch eine Interpretation findet sich in einer der ausschlaggebendsten Monographien zu diesem Thema von D. H. Heidemann [2]. Heidemann unterliegt der Versuchung, die Ursachen der nachfolgenden Pr\u00e4zisierungen Kants in den \u00e4u\u00dferen Umst\u00e4nden zu suchen. Dazu hat ihn bestimmt der Umstand verleitet, dass die Kantischen nachfolgenden Berichtigungen in der zweiten Auflage der ersten Kritik und in den \u201eProlegomena\u201c wirklich von der G\u00f6ttingener Rezension der ersten Kritik von Garve und Feder verursacht waren, in der Kant mit Berkeley verglichen wurde. Aber ich werde mir M\u00fche geben zu zeigen, dass eine Analogie zwischen diesen Berichtigungen und denen, welche Kant nachher in seinen Notizen der 80-er und der 90-er Jahre unternommen hat, nicht haltbar ist. Die sp\u00e4teren Berichtigungen waren n\u00e4mlich durch die innere Logik seiner Einstellung zum Idealismus bedingt. Das Verst\u00e4ndnis dieser inneren Logik wird es erm\u00f6glichen, das wahre Verh\u00e4ltnis des Kantischen Idealismus zu Konzeptionen von Berkeley und Descartes zu verstehen<a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%93%D0%BB%D0%B5%D0%B1\/AppData\/Local\/Microsoft\/Windows\/INetCache\/Content.Outlook\/AUHKXAKD\/Vasiliev%20%20KK2009.docx#_ftn1\">[1]<\/a>.<\/p>\n<p>Ich werde also zuerst die innere Logik der Transformation der Ansichten Kants in Bezug auf den Idealismus umrei\u00dfen und danach zeigen, wie das sich daraus ergebene Bild dazu beitragen kann, die Stellung des Kantischen Idealismus im Rahmen der Konzeptionen von Berkeley und Descartes zu kl\u00e4ren und sie zu bestimmen. Ich beginne mit einer vorl\u00e4ufigen Definition. Im 18-en Jahrhundert fasste man den Idealismus durchgehend als eine Doktrin auf, nach der in der Welt nur lauter Geister existieren, die \u00fcber bestimmte Vorstellungen verf\u00fcgen, darunter auch \u00fcber die Vorstellungen von den K\u00f6rpern.<\/p>\n<p>In der Geschichte der Einstellung Kants zum Idealismus kann man mehrere Etappen markieren. In der ersten Etappe hielt es Kant f\u00fcr m\u00f6glich, die Existenz der K\u00f6rper zu beweisen, dabei fasste er sie als Dinge an und f\u00fcr sich auf [AA, I, S. 411]. In der zweiten (\u201eVorlesungen Herders\u201c der 60-er Jahre), da er mit seiner Argumentation in der \u201eEine neue Beleuchtung der ersten Prinzipien der metaphysischen Erkenntnis\u201c (1755) unzufrieden war<a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%93%D0%BB%D0%B5%D0%B1\/AppData\/Local\/Microsoft\/Windows\/INetCache\/Content.Outlook\/AUHKXAKD\/Vasiliev%20%20KK2009.docx#_ftn2\">[2]<\/a>, ist er zum Schluss gekommen, dass die Existenz der Dinge an sich nicht zu beweisen ist<a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%93%D0%BB%D0%B5%D0%B1\/AppData\/Local\/Microsoft\/Windows\/INetCache\/Content.Outlook\/AUHKXAKD\/Vasiliev%20%20KK2009.docx#_ftn3\">[3]<\/a>. Die dritte (\u201eVorlesungen zur Metaphysik\u201c der 70-er Jahre) setzte ein, als er zwischen den Erscheinungen und den Dingen an sich zu unterscheiden begann und die K\u00f6rper f\u00fcr Erscheinungen erkl\u00e4rte, d. h. f\u00fcr etwas, was nur in den Sinnen liegt. Mit anderen Worten: als Kant zum Idealisten geworden war. Kein Wunder, dass er eben in dieser Etappe es versuchte, die Stellung seines Idealismus unter den anderen Konzeptionen zu konkretisieren. Dazu f\u00fchrte er einige neue Begriffe ein. Er nannte den problematischen Idealismus eine Doktrin, in deren Rahmen es unm\u00f6glich ist, zu beweisen, dass hinter den Erscheinungen \u00e4u\u00dfere Gegenst\u00e4nde als Dinge an und f\u00fcr sich stehen. Den dogmatischen Idealismus definierte er als eine Doktrin, laut der \u00e4u\u00dfere Gegenst\u00e4nde, welche hinter den Erscheinungen stecken, nichts weiter als Geister sind. Deshalb lehnte er den dogmatischen Idealismus ab und akzeptierte den problematischen [AA, XXVIII, S. 206\u2014208].<\/p>\n<p>Die vierte Etappe der idealistischen Epop\u00f6e Kants f\u00e4llt mit der Ver\u00f6ffentlichung der \u201eKritik der reinen Vernunft\u201c (1781) zusammen. Ihre Eigent\u00fcmlichkeit besteht darin, dass Kant begann, die epistemologischen Wurzeln der Konzeptionen von Berkeley und Descartes zu erforschen. Er kommt zum Schluss, dass die einzige ernst zu nehmende Grundlage der Lehre des dogmatischen Idealismus dar\u00fcber, dass die Existenz nur den Geistern zukommen kann, k\u00f6nnte die These von der Widerspr\u00fcchlichkeit des Begriffs der Materie selbst sein. Wenn dem so ist, so kann die Materie nur als Illusion existieren, welche Produkt unserer Einbildungskraft ist. Kant war \u00fcberzeugt, dass er in dem Abschnitt \u00fcber die Antinomie der reinen Vernunft in der \u201eKritik\u201c zeigte, dass in der Wirklichkeit der Begriff der Materie frei vom Widerspruch ist. Dementsprechend sind wir imstande, von den Objekten (Gegenst\u00e4nden) nicht nur zu phantasieren, sondern sie auch wahrzunehmen. Denn das, was unsere Sinne affiziert, existiert auch objektiv. Der Preis daf\u00fcr war allerdings die Reduktion des Begriffs der Materie auf die Erscheinungen. Interessant ist es trotzdem, dass dieser Umstand in die Hand Kants ein Argument gegen eine der Versionen des dogmatischen Idealismus (gegen den \u201eskeptischen\u201c Idealismus) gegeben hatte. Es besteht keine Gefahr, dass wir nicht beweisen k\u00f6nnen, dass die Erscheinungen der K\u00f6rper von den Dingen an sich verursacht werden. Denn die K\u00f6rper bestehen an sich selbst einfach nicht. Eine andere Sache, betont Kant, ist, dass wir nichts Bestimmtes dar\u00fcber sagen k\u00f6nnen, von welcher Art die Gegenst\u00e4nde sind, die bei uns Empfindungen von K\u00f6rpern hervorrufen; wir wissen nicht einmal, ob diese transzendentalen Dinge etwas sind, was unabh\u00e4ngig von uns besteht, und in diesem Sinne bleibt Kant in der 4. Etappe ein problematischer Idealist [A 372, 253, 288, 251]. Also, Kant hebt in der 4. Etappe das Hauptargument zugunsten des dogmatischen Idealismus auf und zeigt, dass der Zweifel an der M\u00f6glichkeit, das Bestehen von K\u00f6rpern zu beweisen, grundlos ist. Doch liefert er in dieser Etappe noch keinen strikten Beweis daf\u00fcr, dass die uns in der Erfahrung gegebenen Gegenst\u00e4nde tats\u00e4chlich sinnliche Ph\u00e4nomene und keine Einbildungs- oder Phantasiegebilde sind.<\/p>\n<p>Die Notwendigkeit eines solchen Beweises wurde Kant erst nach der G\u00f6ttinger Rezension bewusst, in der seine philosophische Konzeption mit dem Idealismus Berkeleys verglichen wurde, der \u2014 daran war Kant fest \u00fcberzeugt \u2014 die Gegenst\u00e4nde zu einer blo\u00dfen Illusion herabsetzte.<\/p>\n<p>Kant sah ein, dass er seine Thesen verst\u00e4rken muss. Und in der 5. Etappe, die durch den Text der \u201eProlegomena\u201c (1783) vertreten ist, identifizierte er den problematischen und den dogmatischen Idealismus mit Descartes und Berkeley und nahm offen Stellung zu ihnen. Einer der Hauptunterschiede seiner Position von der Berkeleys besteht nach \u201eProlegomena\u201c darin, dass hinter den Erscheinungen die Dinge an sich stehen, an deren Existenz zu zweifeln, so Kant, \u201eihm nie einfallen w\u00fcrde\u201c[AA IV, S. 293]. Wenn wir diesen Gedanken in dem oben umrissenen Kontext betrachten, so war Kant der Meinung, dass die Gegenst\u00e4nde uns durch die Affizierung unserer Sinne von Dingen an sich gegeben werden, welche vom Menschen unabh\u00e4ngig existieren.<\/p>\n<p>Aber das sollte man noch beweisen. In der 6. Etappe, die zeitlich mit der Vorbereitung der 2. Ausgabe der \u201eKritik der reinen Vernunft\u201c zusammenf\u00e4llt, hat Kant ein Argument vorgelegt, welches im Minikapitel \u201eWiderlegung der Idealismus\u201c zum Ausdruck kommt, welches unz\u00e4hlige Male in der Fachliteratur besprochen wurde, und welches demonstrieren sollte, dass die Gegenst\u00e4nde ein Produkt unserer Sinnlichkeit und keine imagin\u00e4ren Gebilde sind. Kant versucht sein Ziel zu erreichen, indem er zeigt, dass beim Nichtbestehen der Gegenst\u00e4nde der \u00e4u\u00dferen Sinne wir nicht imstande w\u00e4ren, die Gegebenheiten des inneren Sinnes wahrzunehmen, denn die Realit\u00e4t der Gegenst\u00e4nde des inneren Sinnes ist nicht zu bezweifeln, dementsprechend sollen auch die Gegenst\u00e4nde des \u00e4u\u00dferen Sinnes etwas Reales sein.<\/p>\n<p>Wenn wir die Kantischen Schlussfolgerungen akzeptieren, so ergibt sich, dass in der 2. Ausgabe der \u201eKritik der reinen Vernunft\u201c Kant zeigt, dass wenigstens einige von unseren Vorstellungen der Gegenst\u00e4nde Ergebnis unseres Affizierens sind. Wenn man aber diese These n\u00e4her betrachtet, so wird es ersichtlich, dass sie an und f\u00fcr sich unzureichend ist, um die Aufgabe zu bew\u00e4ltigen, die vor Kant steht, n\u00e4mlich, um zu beweisen, dass die Gegenst\u00e4nde uns durch die unserem Subjekt gegen\u00fcber \u00e4u\u00dferen Dinge an und f\u00fcr sich gegeben werden.<\/p>\n<p>Damit sein Beweis vollkommen stichhaltig w\u00e4re, sollte Kant die M\u00f6glichkeit der Selbstaffizierung des Subjekts ausschlie\u00dfen, d.\u00a0h. die Variante widerlegen, dass die Wahrnehmungen Ergebnis eines dem Subjekt nicht bewussten Affizierens seiner selbst sind<a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%93%D0%BB%D0%B5%D0%B1\/AppData\/Local\/Microsoft\/Windows\/INetCache\/Content.Outlook\/AUHKXAKD\/Vasiliev%20%20KK2009.docx#_ftn4\">[4]<\/a>.<\/p>\n<p>Da diese Aufgabe von Kant in der 2. Ausgabe der \u201eKritik der reinen Vernunft\u201c nicht gel\u00f6st wurde, setzte er weiter fort, daran zu arbeiten. Und erst in der 7. Etappe gelingt es ihm, ein Argument zu finden, welches das Projekt der Widerlegung des Idealismus bis zum Ende f\u00fchren l\u00e4sst. Dar\u00fcber sprach er mit seinem Sch\u00fcler J. Kiesewetter w\u00e4hrend dessen Aufenthaltes in K\u00f6nigsberg im Herbst 1790.<\/p>\n<p>Die Entdeckung Kants ist in seinen Notizen Ende der 80- Anfang der 90-Jahre verankehrt, einen Teil davon hatte er an Kiesewetter \u00fcbergeben. In diesen Notizen best\u00e4tigt Kant erstens den Umstand, dass zur Widerlegung des Idealismus es notwendig ist, die Existenz der Dinge an und f\u00fcr sich zu beweisen [AA, XVIII, S. 612]<a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%93%D0%BB%D0%B5%D0%B1\/AppData\/Local\/Microsoft\/Windows\/INetCache\/Content.Outlook\/AUHKXAKD\/Vasiliev%20%20KK2009.docx#_ftn5\">[5]<\/a>, die unabh\u00e4ngig von uns oder \u2014 was dasselbe ist- \u2014 au\u00dferhalb \u201eunserer urspr\u00fcnglichen Passivit\u00e4t\u201c existieren [AA, XVIII, S. 307]. Zweitens, er verweist darauf, dass im Falle der Einr\u00e4umung des Selbstaffizierens wir zugeben m\u00fcssten, dass der Raum eine Form des inneren Sinnes, d.\u00a0h. der Zeit w\u00e4re. \u201eWenn wir ausgerechnet durch uns selbst affiziert w\u00fcrden, ohne jedoch dieser Spontaneit\u00e4t bewusst zu sein, w\u00fcrde in unserem Bewusstsein nur die Form der Zeit vorkommen und wir nicht imstande w\u00e4ren, uns irgend einen Raum au\u00dfer uns (ein Dasein au\u00dferhalb unser) vorzustellen\u201c [AA, XVIII, S. 308].<\/p>\n<p>Es ergibt sich daraus, dass die urspr\u00fcnglichen Vorstellengen der ausgedehnten Objekte in unserer Seele durch unser Affizieren von au\u00dfen, d.\u00a0h. bei uns von \u00e4u\u00dferen Objekten im strikten Sinne des Wortes bewirkt werden. Es ist gerade das, was Kant als ein neues Argument ins Feld r\u00fcckt, welches seiner Auseinandersetzung mit dem Idealismus ein Ende bereitet.<\/p>\n<p>Wir sehen also, dass die Evolution der Ansichten Kants bez\u00fcglich des Idealismus sowohl durch die innere Logik seiner Philosophie als auch durch \u00e4u\u00dfere Anregungen, namentlich der G\u00f6ttinger Rezension zu erkl\u00e4ren ist. Die Zulassung anderer Einfl\u00fcsse w\u00e4re meines Erachtens \u00fcberfl\u00fcssig. Die Ermittlung der inneren Logik der Auseinandersetzung Kants mit dem Idealismus erm\u00f6glicht es, die tats\u00e4chlichen Unterschiede seines eigenen transzendentalen (kritischen) Idealismus von den Positionen des skeptischen, oder des problematischen sowie des dogmatischen Idealismus zu pr\u00e4zisieren.<\/p>\n<p>In der Tat, wir haben oben gesehen, dass eine der Hauptaufgaben Kants in seiner Auseinandersetzung mit dem Idealismus der Nachweis dessen war, dass den \u00e4u\u00dferen Erscheinungen (die keine eigene Existenz aufweisen und also ideal sind) die transzendentalen Objekte als Dinge an sich zugrunde liegen.<\/p>\n<p>Das ist eben die Kantische Position. Indem wir diese Einstellung Kants mit der Position des skeptischen (problematischen) Idealismus vergleichen, m\u00fcssen wir feststellen, dass der Unterschied darin besteht, dass der skeptische Idealist behauptet, dass wir nicht davon wissen k\u00f6nnen, welcher Art Gegenst\u00e4nde es sind, die uns affizieren, d. h. ob es \u00e4u\u00dfere Objekte als Dinge an sich oder wir sind es, die unsere eigene Sinnlichkeit affizieren<a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%93%D0%BB%D0%B5%D0%B1\/AppData\/Local\/Microsoft\/Windows\/INetCache\/Content.Outlook\/AUHKXAKD\/Vasiliev%20%20KK2009.docx#_ftn6\">[6]<\/a>. Der Unterschied zwischen der Ansicht Kants und der des skeptischen Idealisten besteht also darin, dass Kant mit Zuversicht behauptet, dass die Wahrnehmung der Gegenst\u00e4nde kein Ergebnis des Selbstaffizierens des Subjektes sei. Berkeley aber nimmt nur die Existenz der Geister an. Berkeley verneint das \u00e4u\u00dfere Affizieren nicht, aber er ist \u00fcberzeugt, dass dieses ein Werk Gottes ist. Mit anderen Worten, wenn Kant das Wesen der Objekte, die unsere Sinnlichkeit affizieren, weiter nicht konkretisieren l\u00e4sst, indem er meint, dass so was au\u00dferhalb unserer Erkenntnissph\u00e4re liegt, so identifiziert der dogmatische Idealist diese Objekte mit dem Gott.<\/p>\n<p>Also, es besteht die M\u00f6glichkeit des \u00dcbergangs des skeptischen Idealismus zum transzendentalen und von diesem letzten zum dogmatischen Idealismus. Wenn wir skeptische Idealisten sind, so wissen wir nicht, was den \u00e4u\u00dferen Erscheinungen zugrunde liegt. Um aber vom skeptischen Idealismus zum transzendentalen zu wechseln, muss man zugeben, dass den \u00e4u\u00dferen Erscheinungen Dinge an sich zugrunde liegen, nicht unser eigenes Subjekt. Aber damit ein transzendentaler Idealist zum dogmatischen Idealisten werde, muss er zugeben, dass die objektive Quelle unserer Gegenst\u00e4nde kein anderer als der Gott ist.<\/p>\n<p>Das Ergebnis lautet: Kant nimmt mit seinem kritischen Idealismus die Stelle im Zentrum, d. h. zwischen dem \u201edogmatischen\u201c und dem \u201eskeptischen\u201c Idealismus ein. Also, in einem speziellen Falle des Idealismus, so wie es auch in der Philosophie \u00fcberhaupt zugeht, bewegt sich der Kritizismus auf dem mittleren Weg zwischen dem Dogmatismus und dem Skeptizismus. Und das best\u00e4tigt noch einmal das kritische Wesen der Kantischen Ideen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"center\"><b>Literaturverzeichnis<\/b><\/p>\n<p align=\"center\"><b>\u00a0<\/b><\/p>\n<p>1.Guyer P. Kant and the Claims of Knowledge. Cambridge, 1987.<\/p>\n<p>2.Heidemann D.\u00a0H. Kant und das Problem des metaphysischen Idealismus. Berlin, 1998.<\/p>\n<p>_______________________________________________________________<\/p>\n<p align=\"left\"><b><i>\u00a0<\/i><\/b><\/p>\n<p align=\"left\"><b><i>Die erste Ver\u00f6ffentlichung des Aufsatzes:<\/i><\/b><\/p>\n<p>Vasilyev, Vadim. Kant und Idealismus: Realit\u00e4t und Illusionen\/\/ 10. Internationale Kant Konferenz. Klassische Vernunft und die Herausforderungen der modernen Zivilisation: Materialien der internationalen Konferenz: in 2 Bd. Hrsg. W.N. Brjuschinkin. \u2013 Kaliningrad: Verlag der Immanuel Kant Universit\u00e4t Kaliningrad, 2010. Band. 1, S. 134 \u2013 141.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr align=\"left\" size=\"1\" width=\"33%\" \/>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%93%D0%BB%D0%B5%D0%B1\/AppData\/Local\/Microsoft\/Windows\/INetCache\/Content.Outlook\/AUHKXAKD\/Vasiliev%20%20KK2009.docx#_ftnref1\">[1]<\/a> Kant selbst spricht viel dar\u00fcber, aber aus seinen Ausf\u00fchrungen ergibt sich kein einheitliches Bild.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%93%D0%BB%D0%B5%D0%B1\/AppData\/Local\/Microsoft\/Windows\/INetCache\/Content.Outlook\/AUHKXAKD\/Vasiliev%20%20KK2009.docx#_ftnref2\">[2]<\/a> Kant vertrat die Ansicht, dass die Ver\u00e4nderung der von Objekten isolierten Substanz unm\u00f6glich ist, weil der Zustand, in dem sie sich befindet, zusammen mit seiner Grundlage gesetzt wird, mit der \u201eAusschlie\u00dfung des Entgegengesetzten\u201c. Aber die Ver\u00e4nderung erfordert gerade einen entgegengesetzten Grund [AA, I, S. 410] und dieser soll von den K\u00f6rpern bewirkt werden. Aber er scheint nicht ber\u00fccksichtigt zu haben, dass ein Zustand der Substanz selbst die Ursache f\u00fcr einen anderen ihren Zustand sein kann.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%93%D0%BB%D0%B5%D0%B1\/AppData\/Local\/Microsoft\/Windows\/INetCache\/Content.Outlook\/AUHKXAKD\/Vasiliev%20%20KK2009.docx#_ftnref3\">[3]<\/a> \u201eDer Idealismus kann logisch nicht widerlegt werden\u201c [AA, XXVIII, S. 43].<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%93%D0%BB%D0%B5%D0%B1\/AppData\/Local\/Microsoft\/Windows\/INetCache\/Content.Outlook\/AUHKXAKD\/Vasiliev%20%20KK2009.docx#_ftnref4\">[4]<\/a> Wenn diese Variante nicht ausgeschlossen ist, so ist nicht nur der Idealismus nicht ausgeschlossen, sondern auch sogar der \u201eEgoismus\u201c als \u00e4u\u00dferste Grenze des Idealismus, welcher einr\u00e4umt, dass es in der Welt nur ausschlie\u00dflich ein Geist existiert, der alle seine Vorstellungen bewirkt.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%93%D0%BB%D0%B5%D0%B1\/AppData\/Local\/Microsoft\/Windows\/INetCache\/Content.Outlook\/AUHKXAKD\/Vasiliev%20%20KK2009.docx#_ftnref5\">[5]<\/a> Auf der Suche nach den Varianten der Legitimation der Urteile \u00fcber die Dinge an sich selbst versuchte Kant sogar von der Idee \u201eder intellektuellen Anschauung\u201c Gebrauch zu machen, deren Existenz die Gegebenheit der Dinge an sich unserem Bewusstsein erkl\u00e4ren k\u00f6nnte. Sieh auch: [AA, XVIII, S.\u00a0306]. Wenn er eine solche L\u00f6sung akzeptiert h\u00e4tte, so k\u00f6nnte man denen Recht geben, welche meinen, dass Kant in seinen sp\u00e4teren Notizen von den Prinzipien seines Kritizismus abweicht [2, p. 320].<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%93%D0%BB%D0%B5%D0%B1\/AppData\/Local\/Microsoft\/Windows\/INetCache\/Content.Outlook\/AUHKXAKD\/Vasiliev%20%20KK2009.docx#_ftnref6\">[6]<\/a> Kant war \u00fcberzeugt, dass Descartes ein problematischer Idealist sei, obwohl Desartes nat\u00fcrlich eine andere Position vertrat, indem er es f\u00fcr m\u00f6glich hielt, zu beweisen, dass unsere Wahrnehmungen von den ausgedehnten Objekten bewirkt werden.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor zwei Monaten hat bei uns, d. h. an der philosophischen Fakult\u00e4t der Moskauer Lomonosov-Universit\u00e4t, eine Telebr\u00fccke zwischen unserer Fakult\u00e4t und dem Lehrstuhl f\u00fcr Philosophie der Universit\u00e4t Albany stattgefunden. Das Thema war: Der Fortschritt in der Philosophie w\u00e4hrend der letzten 50 Jahren. Unter den Referenten war der hier in Kaliningrad nicht unbekannte amerikanische Kantforscher Howell. 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