{"id":457,"date":"2014-07-01T12:06:35","date_gmt":"2014-07-01T12:06:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kant-online.ru\/en\/?p=457"},"modified":"2014-07-01T12:07:46","modified_gmt":"2014-07-01T12:07:46","slug":"457","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kant-online.ru\/en\/457\/","title":{"rendered":"Ulrich F. Wodarzik. Dreiwertige Vernunft als Kants Testament"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><b><a href=\"http:\/\/www.kant-online.ru\/en\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/kant1.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-458 alignleft\" alt=\"kant1\" src=\"http:\/\/www.kant-online.ru\/en\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/kant1-300x175.jpg\" width=\"300\" height=\"175\" srcset=\"https:\/\/kant-online.ru\/en\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/kant1-300x175.jpg 300w, https:\/\/kant-online.ru\/en\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/kant1.jpg 918w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/b>Es ist unm\u00f6glich, da\u00df ein Mensch ohne Religion seines Lebens froh werde.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\" align=\"right\"><i>Reflexion 8106<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Der Begriff eines Noumenon ist also blo\u00df ein Grenzbegriff, um die Anma\u00dfung der Sinnlichkeit einzuschr\u00e4nken.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\" align=\"right\"><i>KrV B 311<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\" align=\"center\"><b><i>I. Exposition und platonische Bez\u00fcge<\/i><\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit Kants Testament meine ich neben seinen postum ver\u00f6ffentlichen Arbeiten auch Elemente aus den Positionen seiner Nachfolger, die sich im Prinzip alle auf die Transzendentalphilosophie<a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%90%D0%BB%D0%B5%D0%BA%D1%81%D0%B5%D0%B9\/Desktop\/Ergo\/Wodarzik.docx#_ftn1\"><sup><sup>[1]<\/sup><\/sup><\/a> berufen. Vor allem hat der religionsphilosophisch denkende Hegel trotz seiner Kritik an der <i>Kritik<\/i> die transzendentale Dialektik, in der Kant seine drei Hauptst\u00fccke, d.\u00a0h. die <i>Paralogismen der reinen Vernunft<\/i>, die <i>Antinomie der reinen Vernunft <\/i>und das <i>Ideal der einen Vernunft<\/i> darlegte<a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%90%D0%BB%D0%B5%D0%BA%D1%81%D0%B5%D0%B9\/Desktop\/Ergo\/Wodarzik.docx#_ftn2\"><sup><sup>[2]<\/sup><\/sup><\/a>, immer wieder lobend hervorgehoben. Kant hatte die Absicht, wie aus der Einleitung zur <i>Kritik der Urteilskraft<\/i> hervorgeht, die beiden Gebiete der theoretischen Vernunft (Naturbegriffe) und der praktischen Vernunft (Freiheitsbegriffe) durch die Urteilskraft zu \u00fcberbr\u00fccken. Der Gedanke einer m\u00f6glichen Vollendung seiner Systemarchitektur der Transzendentalphilosophie verfolgte ihn so lange er lebte, wie aus seinem <i>Opus postumum<\/i> hervorgeht. \u201eTranszendentalphilosophie ist Erkenntnis des Menschen von sich <i>selbst<\/i> der <i>Welt<\/i> und <i>Gott<\/i>\u201c [AA, XXI, S. 81]<a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%90%D0%BB%D0%B5%D0%BA%D1%81%D0%B5%D0%B9\/Desktop\/Ergo\/Wodarzik.docx#_ftn3\"><sup><sup>[3]<\/sup><\/sup><\/a>. Neben diesen drei Begriffen ist die Frage nach deren Grund und Einheit zeitgem\u00e4\u00df. Jedes philosophische System ist durch die philosophische Tradition gepr\u00e4gt. Die Transzendentalphilosophie ist in dominanter Weise durch platonische und neoplatonische Gedankenelemente beeinflusst. Das zeigen u. a. die dialektisch-triadischen Gedankenfiguren und die Triplizit\u00e4t<a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%90%D0%BB%D0%B5%D0%BA%D1%81%D0%B5%D0%B9\/Desktop\/Ergo\/Wodarzik.docx#_ftn4\"><sup><sup>[4]<\/sup><\/sup><\/a> bei Hegel; sie reichen bis zu Plotin und Proklos zur\u00fcck [4].<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kant versuchte sein Philosophiesystem als unvermeidliche metaphysische Aufgabe durch die Vernunft zum Abschluss zu bringen. \u201eTranszendentalphilosophie ist das subjektive Prinzip sich selbst zu einem System konstituierender Ideen von Objekten der reinen Vernunft und ihrer Autonomie nach den Begriffen: ens summum, summa intelligentia, summum bonum \u2014 <i>Welt, Menschenpflicht<\/i> und <i>Gott<\/i>\u201c zu machen, schreibt der alte Kant [AA, XXI, S. 79]<a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%90%D0%BB%D0%B5%D0%BA%D1%81%D0%B5%D0%B9\/Desktop\/Ergo\/Wodarzik.docx#_ftn5\"><sup><sup>[5]<\/sup><\/sup><\/a>. Diese leitende systematische Gedankenfigur, also das dreifaltige Schema der Vernunftideen Welt, Mensch und Gott besch\u00e4ftigten Kant noch im hohen Alter. \u201eGott \u00fcber uns, die Welt au\u00dfer mir und der menschliche Geist in mir\u201c [AA, XXI, S. 39]. Es geht Kant erstens um die Grenzen des Erkennens, zweitens um die Imperative des Handelns und drittens um die Postulate des Glaubens. Der Mensch ist daher eine entzweite Einheit, er steht immer im doppelten Verh\u00e4ltnis, erstens gegen\u00fcber den Erscheinungen der Natur und zweitens gegen\u00fcber Gott.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Begriff der dreiwertigen Vernunft im Titel bedeutet die Differenzierung der unbedingten Vernunft, die sich in den drei Fragen nach dem Menschen offenbart [AA, III, S. 522]. Was kann ich wissen? \u2014 Theoretische Vernunft. Was soll ich tun? \u2014 Praktische Vernunft. \u2014 Was darf ich hoffen? \u2014 Religi\u00f6se Vernunft<a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%90%D0%BB%D0%B5%D0%BA%D1%81%D0%B5%D0%B9\/Desktop\/Ergo\/Wodarzik.docx#_ftn6\"><sup><sup>[6]<\/sup><\/sup><\/a>. M\u00f6gliche Antworten auf die Kantische Fragetrias stecken alle in der Macht der Vernunft und in der vollen Gr\u00f6\u00dfe der Daseinsbew\u00e4ltigung des Menschen, w\u00e4hrend er sein individuelles Leben f\u00fchren muss. Der Mensch ist seiner Existenz und Essenz nach das, was er auf Grund seiner Vernunft zu leisten imstande ist. Das dreieinheitliche regulative Vernunftinteresse in der Form Welt, Mensch und Gott ist isomorph zur Trias theoretische Vernunft, praktische Vernunft und religi\u00f6se Vernunft. Dreiwertige Vernunft ist ferner eine begriffliche Synthese der drei transzendentalen Ideen, die aus den drei Vernunftschl\u00fcssen folgen. Diese bilden ein Ideengef\u00fcge, das ich metaphysische Dreieinigkeit nenne. [19; 21]. Welt ist die Idee der Totalit\u00e4t \u00e4u\u00dferer Erfahrung, d.\u00a0h. aller Vorstellungen. Mensch oder Seele ist die Idee der lebendigen Ich-Totalit\u00e4t innerer Erfahrung. Gott ist die Idee der einen Totalit\u00e4t und Grund f\u00fcr alles. \u201e<i>Gott \u00fcber mir, Welt au\u00dfer mir, Moral in mir<\/i>\u201c [AA, XXI, S.\u00a083]. Alle drei Vernunftmomente sind unabh\u00e4ngig voneinander und durchdringen sich zu ein und der selben einen Vernunft, \u201eweil es doch am Ende nur eine und dieselbe Vernunft sein kann, die blo\u00df in der Anwendung unterschieden werden mu\u00df\u201c [AA, IV, S. 391]. Diese <i>eine Vernunft <\/i>erlaube ich mir mit dem <i>Einen<\/i> des Plotins \u00e4quivalent zu setzen Das System der Vernunfttrias ist ein nach Vernunftarten bzw. Vernunftgebrauch vermittelndes System bestehend aus drei verschiedenen aber sich jeweils erg\u00e4nzenden Vernunftverm\u00f6gen. Alle drei bilden eine Vernunfteinheit oder besser Vernunftdreieinheit, wobei alle drei Verm\u00f6gen als gleichwertig gedacht seien.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Philosophie hat die Aufgabe sich den Herausforderungen unserer modernen Zivilisation zu stellen. Im Zeitalter der Globalisierung wird ein alter Anspruch der Philosophie h\u00f6chst aktuell. N\u00e4mlich, der nach einer universal g\u00fcltigen, \u00fcber alle unterschiedlichen Kulturen und politischen Entw\u00fcrfe \u00fcberragende inter- und trankskulturellen g\u00fcltigen Denkungsart. Was m\u00f6gen die Grundprinzipien eines interkulturellen Diskurses sein? Was ist der Zweck und Sinn des Menschen, wohin soll oder wird die Menschheit hinsteuern? Das Vernunftkonzept der Transzendentalphilosophie<a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%90%D0%BB%D0%B5%D0%BA%D1%81%D0%B5%D0%B9\/Desktop\/Ergo\/Wodarzik.docx#_ftn7\"><sup><sup>[7]<\/sup><\/sup><\/a> in seinen Gliederungen ist den heutigen Problemen in Ansehung einer m\u00f6glichen Weltordnung f\u00fcr alle B\u00fcrger, V\u00f6lker und Staaten dieser Erde gewachsen. Die Kritik der allgemeinen Menschenvernunft, von der sinnlichen Erkenntnis durch die Wissenschaften bis zur gl\u00e4ubigen Gewissheit eines jenseitigen Daseins ist \u201ef\u00fcr jedermann g\u00fcltig [&#8230;], sofern er nur Vernunft hat\u201c [AA, III, S. 531]. Der Weltweise aus K\u00f6nigsberg hat uns eine Weltphilosophie hinterlassen, deren Erbe wir immer noch anzutreten haben. Nat\u00fcrlich haben die Werke Fichtes, Hegels und viele andere bis zu Jaspers, Heidegger, Habermas und Sloterdijk die Kantischen Ideen teilweise modifiziert und weitergetrieben. Doch das Kantische System der Transzendentalphilosophie bildet in seiner Systematik wohl f\u00fcr alle Zeiten, \u00e4hnlich den platonischen und neuplatonischen Schriften, den Urgrund philosophischen Argumentierens und Denkens.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Fichte sagte einmal: \u201eDer Idealismus nie <i>Denkart<\/i> seyn, sondern er ist nur <i>Speculation<\/i>\u201c [8, S. 455]. Genauso m\u00f6chte ich hier und jetzt meine Ausf\u00fchrungen zur dreiwertigen Vernunft verstanden wissen. Fassen sie daher meine Versuche \u00fcber Kant und seine Nachfolger im Lichte einer <i>Dreiwertigen Vernunft<\/i> zu reden, als meine Zeit in Gedanken gefasst. Weil das Motto dieser 10. Kant Konferenz in Kaliningrad <i>Klassische Vernunft und Herausforderungen der modernen Zivilisation<\/i> hei\u00dft, sei einiges Grunds\u00e4tzliches zum Vernunftbegriff gesagt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Platonismus wie auch im Neoplatonismus hat die Trias Sein \u2014 Ich \u2014 Idee eine vorherrschende Bedeutung [1, S. 49]<a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%90%D0%BB%D0%B5%D0%BA%D1%81%D0%B5%D0%B9\/Desktop\/Ergo\/Wodarzik.docx#_ftn8\"><sup><sup>[8]<\/sup><\/sup><\/a>. Isomorphe Triaden sind <i>on \u2014 zoe \u2014 nous<\/i>, d.\u00a0h. Sein \u2014 Leben \u2014 Geist [14, 248E]. Diesen Triaden liegt in einem nicht weiter zu erkl\u00e4renden Grund ein reiner Vernunftbegriff zu Grunde, und den betrachte ich als das <i>Eine<\/i> im Sinne Plotins<a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%90%D0%BB%D0%B5%D0%BA%D1%81%D0%B5%D0%B9\/Desktop\/Ergo\/Wodarzik.docx#_ftn9\"><sup><sup>[9]<\/sup><\/sup><\/a>. Die eine Vernunft entfaltet sich in ihrem Gebrauch in drei Vernunftarten. Kant spricht auch von drei Prinzipien: \u201eGott, die Welt und der Begriff des sie vereinigen Subjekts welches in diese Begriffe synthetische Einheit bringt [&#8230;]. Gott, die Welt, und Ich, [&#8230;] [AA, XXI, S. 23]. Wir erkennen, dass das System der Transzendentalphilosophie durch die metaphysische Trinit\u00e4t Welt, Mensch und Gott ausgedr\u00fcckt werden kann. Das scheint ein abendl\u00e4ndisches Ordnungsprinzip des Geistes zu sein. Wie aus der einen Vernunft die Dreiwertigkeit folgt, l\u00e4sst sich nicht weiter begr\u00fcnden. Es ist ein Mysterium der einen menschlichen Vernunft und geht auf Griechentum und Christentum als die historischen M\u00e4chte zur\u00fcck, die unser Denken vom Menschsein geformt haben. Eine zur platonischen Trias <i>on<\/i>, <i>zoe<\/i> <i>nous<\/i> analoge ist die Trias <i>noeton<\/i> (Denkobjekt, Sein, Welt), <i>noesis<\/i> (Denkakt, Leben, Ich, Mensch) und <i>nous<\/i> (Intellekt, Geist, Gott). Auf diese Weise bringt der Neoplatonismus die dynamische Dreieinheit des menschlichen Geistes zum Ausdruck<a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%90%D0%BB%D0%B5%D0%BA%D1%81%D0%B5%D0%B9\/Desktop\/Ergo\/Wodarzik.docx#_ftn10\"><sup><sup>[10]<\/sup><\/sup><\/a>. Der R\u00fcckgang von Kant zu Plotin meint das Denken des <i>Einen<\/i> oder die <i>eine Vernunft<\/i>. \u201eNeuplatonische Metaphysik ist darum in einem pr\u00e4gnanten Sinne Denken des Einen\u201c [5, S. 11]. Der neoplatonische Glaube gr\u00fcndet sich nicht auf Gottes Offenbarung, sondern nimmt seinen Anfang in der Erkenntnis des Menschen von der g\u00f6ttlichen Geordnetheit des welthaft Seienden [5, S. 324]. Man denke an das Heiligtum der Mathematik zu Zeiten der Vorsokratiker, oder einfach an das Erkennen der Ordnungen der Natur als solche. Bei Kant dr\u00fcckt sich das religi\u00f6se Bewusstsein im Sinne des moralischen Gewissens aus, denn \u201e[&#8230;] wir haben kein anderes Richtma\u00df unserer Handlungen, als das Verhalten des g\u00f6ttlichen Menschen in uns, womit wir uns vergleichen, beurteilen, und dadurch uns bessern, obgleich es niemals erreichen k\u00f6nnen\u201c [AA, III, S. 384].<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Dreiwertigkeit der Vernunft folgt, einer klassischen Lesart vorausgesetzt, aus der Architektur der Transzendentalphilosophie,<a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%90%D0%BB%D0%B5%D0%BA%D1%81%D0%B5%D0%B9\/Desktop\/Ergo\/Wodarzik.docx#_ftn11\"><sup><sup>[11]<\/sup><\/sup><\/a> siehe den folgenden Text. Kant spricht von der Metaphysik der Natur und der Metaphysik der Sitten, nicht aber von der Metaphysik der Religion. Die Kantische Fragetrias definiert die Begriffstrias Sein (Wissen), Sollen (Handeln) und Hoffen (Glauben) und sei durch das folgende Kantzitat expliziert: \u201eDa\u00df der Mensch sich bewusst ist, er k\u00f6nne dieses, weil er es soll: das er\u00f6ffnet in ihm eine Tiefe g\u00f6ttlicher Anlagen, die ihn gleichsam einen heiligen Schauer \u00fcber die Gr\u00f6\u00dfe und Erhabenheit seiner wahren Bestimmung f\u00fchlen l\u00e4sst\u201c [AA, VII, S.\u00a0287]. Jene drei Ideenkorrelate sind eine Notwendigkeit der Vernunft in ihrem Gebrauch und in ihren interessierenden Erkenntnisformen, d.\u00a0h. induktives Wissen, apriorisches Wissen und religi\u00f6ses Wissen. Durch die Postulierung der Gleichurspr\u00fcnglichkeit aus der \u00fcberseienden <i>einen Vernunft<\/i> wird jede Anma\u00dfung einer der drei Vernunftarten begrenzt. Auch schon Martin Heidegger schreibt in seinem Nietzsche Band: Die Titel Kosmologie, Psychologie und Theologie \u2014 oder die Dreiheit Natur, Mensch, Gott umschreiben den Bereich, darin alles abendl\u00e4ndisches Vorstellen sich bewegt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\" align=\"center\"><b><i>II. Die Anma\u00dfung der Sinnlichkeit und das Denkmodell der transzendentalen Trinit\u00e4t<\/i><\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\" align=\"center\"><b>\u00a0<\/b><i>A. Phaenomenon, Homo Phaenomenon und Homo Noumenon<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"center\">Durch Einf\u00fchrung des Begriffs Noumenon<a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%90%D0%BB%D0%B5%D0%BA%D1%81%D0%B5%D0%B9\/Desktop\/Ergo\/Wodarzik.docx#_ftn12\"><sup><sup>[12]<\/sup><\/sup><\/a> im Gegensatz zum Phaenomenon leistet Kant in der Philosophiegeschichte Einmaliges. Dieser Begriff wurde einzig und allein gesetzt, um die Anma\u00dfung der Sinnlichkeit zur\u00fcckzuweisen bzw. einzuschr\u00e4nken. \u201eDer Begriff eines Noumenon ist also blo\u00df ein Grenzbegriff, um <i>die Anma\u00dfung der Sinnlichkeit einzuschr\u00e4nken<\/i>, und also nur von negativem Gebrauche. Er ist aber gleichwohl nicht willk\u00fcrlich erdichtet, sondern h\u00e4ngt mit der <i>Einschr\u00e4nkung der Sinnlichkeit<\/i> zusammen, ohne doch etwas Positives au\u00dfer dem Umfange derselben setzen zu k\u00f6nnen\u201c [AA, III, S. 211] (Kursiv von U.\u00a0F.W.) Die Natur in ihrer furchtbaren Macht \u2014 als nat\u00fcrliches oder moralisches \u00dcbel betrachtet \u2014 provoziert in uns ein \u00fcbersinnliches Denken einer g\u00f6ttlichen Macht in uns. Es gibt noch ein weiteres Argument, warum das Subjekt als Noumenon aufgefasst wird. In <i>Die Metaphysik der Sitten<\/i> er\u00f6rtert Kant die Pflicht gegen sich selbst<a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%90%D0%BB%D0%B5%D0%BA%D1%81%D0%B5%D0%B9\/Desktop\/Ergo\/Wodarzik.docx#_ftn13\"><sup><sup>[13]<\/sup><\/sup><\/a>. Die Aussage, Pflicht gegen sich selbst, l\u00e4sst sich nur dann nicht als Widerspruch auffassen, wenn man sich neben dem lebenden und rationalen Sinneswesen Mensch (Homo Phaenomenon) noch einen zweiten Menschen als Person denkt (Homo Noumenon). Der Mensch als Subjekt der Freiheit ist ein Homo Noumenon. Es \u201eist ein der Verpflichtung f\u00e4higes Wesen, und zwar gegen sich selbst (die Menschheit in seiner Person) betrachtet: so da\u00df der Mensch, ohne in Widerspruch zu geraten eine Pflicht gegen sich selbst anerkennen kann\u201c [AA, VI, S. 418]. Der Mensch wird hier also in zweierlei Bedeutung betrachtet, ohne in Wiederspruch zu geraten. Das Noumenon, das hier im positiven Verstande<a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%90%D0%BB%D0%B5%D0%BA%D1%81%D0%B5%D0%B9\/Desktop\/Ergo\/Wodarzik.docx#_ftn14\"><sup><sup>[14]<\/sup><\/sup><\/a> gemeint ist, spielt im Rahmen der Erfahrungsbildung und Erkenntnis der Natur gar keine Rolle. Der Begriff Homo Noumenon bildet das Zentrum f\u00fcr die praktische Vernunft und die Theologie. Damit l\u00e4sst sich der Mensch als ein Doppeltes, n\u00e4mlich als ein Mensch hier und jetzt und gleichzeitig als eine w\u00fcrdige Person mit allen Menschenrechten und \u2014 pflichten in Ansehung der Menschheit als Idee denken. Ein Mensch ist Homo Phaenomenon und Homo Noumenon zugleich, d.\u00a0h. er ist ein Subjekt der Natur und ein Subjekt der Freiheit in der Welt der Erscheinungen (Phaenomena). Ich f\u00fchre nun die folgende Abk\u00fcrzung ein. Phaenomenon sei P, Homo Phaenomenon sei HP und Homo Noumenon sei HN. Die drei Begriffe sind nicht linear geordnet sondern zyklisch und bilden drei Substanzen P, HP und HN<a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%90%D0%BB%D0%B5%D0%BA%D1%81%D0%B5%D0%B9\/Desktop\/Ergo\/Wodarzik.docx#_ftn15\"><sup><sup>[15]<\/sup><\/sup><\/a>. Drei Knoten implizieren genau drei Kanten<a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%90%D0%BB%D0%B5%D0%BA%D1%81%D0%B5%D0%B9\/Desktop\/Ergo\/Wodarzik.docx#_ftn16\"><sup><sup>[16]<\/sup><\/sup><\/a>, diese stellen Verh\u00e4ltnisse dar. Unser Denkmodell ist also ein Graph bestehend aus drei Subtanzen (P, HP und HN) und drei Relationen: 1. P-HP sei relational die theoretische Vernunft, mit \u201eWissen\u201c bezeichnet. 2. HP-HN sei relational die religi\u00f6se Vernunft, mit \u201eUrteilen\u201c<a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%90%D0%BB%D0%B5%D0%BA%D1%81%D0%B5%D0%B9\/Desktop\/Ergo\/Wodarzik.docx#_ftn17\"><sup><sup>[17]<\/sup><\/sup><\/a> bezeichnet. 3. HN-P sei die praktische oder handelnde Vernunft, mit \u201eSollen\u201c bezeichnet. Weil damit wieder der Ausgangsknoten P (die Welt) erreicht ist, liegt in diesem Modell ein trinitarisch geschlossener Zyklus vor. Alle drei Vernunftarten wirken zusammen, jeweils zwei sind komplement\u00e4r zueinander, stehen einer dritten vermittelnden gegen\u00fcber und sind durch diese verschr\u00e4nkt. Alle drei Vernunftarten sind gleichberechtigt und bilden systemisch die <i>eine<\/i> reine Vernunft. Diese <i>eine<\/i> absolute Vernunft ist unbegriffen und f\u00fcr uns unerreichbar.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Damit kommen wir zu drei Betrachtungsweisen oder Charakterisierungen des Menschen. 1. Phaenomenon (P), d.\u00a0h. er ist ein sinnliches oder physikalisches Objekt in mitten anderer Objekte. 2. Homo Phaenomenon (HP), d.\u00a0h. er ist ein lebendes und mit Verstand ausgebildetes denkendes und pflichtbegabtes Wesen. 3. Homo Noumenon (HN), d.\u00a0h. der Mensch in seiner Person ist ein reines Geistwesen, das die Idee der Menschheit oder Gott in sich tr\u00e4gt und \u00fcber alle Natur erhaben ist. HN ist und hat Welt, d.\u00a0h. es besitzt \u201eein \u00fcbersinnliches Verm\u00f6gen (die Freiheit) und sogar das Gesetz der Kausalit\u00e4t, [&#8230;]\u201c [AA, V, S. 435], sich selbst Zwecke oder Ereignisse zu setzen auf die es hofft oder an die es glaubt. Die Erkenntnis der Zwecke der Natur aus einer obersten Ursache oder Grundes stammt vom Menschen als HN betrachtet. Wissenschaft, Technik, Wirtschaft und Politik, d.\u00a0h. die diversen Verstandesleistungen \u2014 ich meine damit das Denken in Informatik und Kybernetik \u2014 stammt vom Menschen als HP, d.\u00a0h. als rationales Naturwesen betrachtet. Der Mensch als reines Phaenomenon ist ein physisches Ding in der Raumzeit wie jedes andere. Das Dasein des Menschen \u201ehat den h\u00f6chsten Zweck selbst in sich, dem, soviel er vermag, er die ganze Natur unterwerfen kann [&#8230;]\u201c [AA, V, S. 435].<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die drei Relationen haben noch eine weiter wichtige Interpretation, denn Kant spricht von verschiedenen Kausalit\u00e4tsarten: die Kausalit\u00e4t durch Natur (KdN), Kausalit\u00e4t durch Gott (KdG)<a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%90%D0%BB%D0%B5%D0%BA%D1%81%D0%B5%D0%B9\/Desktop\/Ergo\/Wodarzik.docx#_ftn18\"><sup><sup>[18]<\/sup><\/sup><\/a> und Kausalit\u00e4t durch Freiheit<a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%90%D0%BB%D0%B5%D0%BA%D1%81%D0%B5%D0%B9\/Desktop\/Ergo\/Wodarzik.docx#_ftn19\"><sup><sup>[19]<\/sup><\/sup><\/a> (KdF). Diese drei Kausalit\u00e4ten gliedern sich v\u00f6llig zwanglos in die Dreiwertigkeit meines Vernunftmodells ein. Im Denkmodell bilden diese Kausalit\u00e4tsarten die drei Relationen, in derselben Reihenfolge, P-HP = KdN, HP-HN = KdG und HN-P = KdF. Wir erkennen, dass der Beginn von KdN (in P) formal mit dem Ende von KdF (in P) zusammenf\u00e4llt<a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%90%D0%BB%D0%B5%D0%BA%D1%81%D0%B5%D0%B9\/Desktop\/Ergo\/Wodarzik.docx#_ftn20\"><sup><sup>[20]<\/sup><\/sup><\/a>. Damit ist gezeigt, dass diese beiden Kausalit\u00e4ten, die auch relational mit Sein und Sollen bezeichnet werden, idealiter konvergieren k\u00f6nnen oder nicht. Der Mensch erweist sich demnach als ein Wesen, von dem wir annehmen m\u00fcssen, \u201eda\u00df es seine Wirkungen in der Sinnenwelt von selbst anfange\u201c, ohne dass \u201edie Wirkungen in der Sinnenwelt darum von selbst anfangen d\u00fcrfen\u201c. Deshalb werden in und durch den Menschen \u201eFreiheit und Natur, jedes in seiner vollst\u00e4ndigen Bedeutung, bei eben denselben Handlungen\u201c [AA, III, S. 368]. ohne Widerspruch vereinigt. Wenn ich mir die Freiheit nehme aus Freiheit nicht zu l\u00fcgen, kann ein Sollzustand leicht in einem Seinszustand in der Welt transformiert werden. Also werden bestimmte Ereignisse je nachdem geschehen, weil sie geschehen sollten. Die Geburt der L\u00fcge oder des Wohlwollens, wenn ich so sagen darf, erfolgt im Rahmen der g\u00f6ttlichen Vernunft<a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%90%D0%BB%D0%B5%D0%BA%D1%81%D0%B5%D0%B9\/Desktop\/Ergo\/Wodarzik.docx#_ftn21\"><sup><sup>[21]<\/sup><\/sup><\/a>, nicht im Rahmen der theoretischen oder handelnden Vernunft.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\" align=\"center\"><i>B. Kants zweifaches Ich als Grund der dreiwertigen Vernunft<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Anschluss an Abschnitt A, ist es nun wesentlich auf Kants <i>zweifaches Ich<\/i> hinzuweisen. Es kursiert heute im Begriff der \u201etranszendentalen Differenz\u201c<a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%90%D0%BB%D0%B5%D0%BA%D1%81%D0%B5%D0%B9\/Desktop\/Ergo\/Wodarzik.docx#_ftn22\"><sup><sup>[22]<\/sup><\/sup><\/a> und ist eine bedeutsame Hinterlassenschaft Kants, die von der Einf\u00fchrung des Noumenon herr\u00fchrt. Ich gebe hier wegen der Bedeutung das ganze Zitat wieder:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eIch bin mir meiner selbst bewusst, ist ein Gedanke, der schon ein <i>zweifaches Ich<\/i> enth\u00e4lt, das Ich als Subjekt, und das Ich als Objekt. Wie es m\u00f6glich sei, dass ich, der ich denke, mir selber ein Gegenstand (der Anschauung) sein, und so mich von mir selbst unterscheiden k\u00f6nne, ist schlechterdings unm\u00f6glich zu erkl\u00e4ren, obwohl es ein unbezweifeltes Faktum ist; [&#8230;]. Es wird dadurch aber nicht eine doppelte Pers\u00f6nlichkeit gemeint, sondern nur Ich, der ich denke und anschaue, ist eine Person, das Ich aber des Objektes, was von mir angeschaut wird, ist gleich anderen Gegenst\u00e4nden au\u00dfer mir, die Sache. Von dem <i>Ich in der ersteren Bedeutung<\/i> (dem Subjekt der Apperzeption), dem logischen Ich, als Vorstellung a priori, ist schlechterdings nichts weiter zu erkennen m\u00f6glich, was es f\u00fcr ein Wesen, und von welcher Naturbeschaffenheit es sei; es ist gleichsam, wie das Substantiale, was \u00fcbrig bleibt, wenn ich alle Akzidenzien, die ihm inh\u00e4rieren, weggelassen habe [&#8230;]. Das <i>Ich aber in der zweiten<\/i> <i>Bedeutung<\/i> (als Subjekt der Perzeption), das psychologische Ich, als empirisches Bewusstsein, ist mannigfaltiger Erkenntnis f\u00e4hig [&#8230;]\u201c [AA, XX, S. 270]. [Kursiv von U.\u00a0F.W.] Die transzendentale Differenz dr\u00fcckt den Unterschied des empirischen Ich (HP) von dem transzendentalen (HN) Ich aus. Der originelle Gedanke Kants ist die Einsicht, dass \u201eIch\u201c mehr ist als blo\u00df die Gegen\u00fcberstellung zur kausalen Natur. Dadurch ist das Denken oder die Idee m\u00e4chtiger als das Sein und die Anma\u00dfung der Sinnlichkeit ist in ihre Schranken verwiesen. Dieses Faktum dr\u00fcckt sich in dem <i>zweifachen Ich<\/i> aus. Das nat\u00fcrliche Recht wird der Sinnlichkeit selbstverst\u00e4ndlich nicht abgesprochen, wohl aber jede unrechtm\u00e4\u00dfige Machtergreifung. Die beiden Ich-Bedeutungen Kants bilden zwei Formen der Subjektivit\u00e4t. Ich bezeichne sie mit Ich<sub>1<\/sub> in der ersten Kantischen Bedeutung und mit Ich<sub>2<\/sub> in der zweiten Bedeutung. Demnach ist Ich<sub>1<\/sub> das absolute und substantielle transzendentale Bewusstsein (HN). Es ist der formale Teil des Subjekts. Das empirische Bewusstsein ist das Ich<sub>2<\/sub>, es ist der materiale Teil des Ich (NP), das empirisch oder psychologisch von einem anderen Ich wahrgenommen werden kann. Ich<sub>1<\/sub> wei\u00df nur von sich selbst und ist von anderen so unerreichbar, wie das Jenseits oder Gott. Ich<sub>1 <\/sub>verh\u00e4lt sich zu Ich<sub>2<\/sub> wie Subjekt zu Objekt oder wie Substantialit\u00e4t zu Akzidenzialit\u00e4t. Ich<sub>1<\/sub> wirkt durch Kausalit\u00e4t aus Freiheit (KdF) auf die Welt und Ich<sub>2<\/sub> durch Kausalit\u00e4t aus Natur (KdN). Mit dem obigen Denkmodells eines Dreiecks erkennt man, wie aus den beiden Ich-Zentren<a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%90%D0%BB%D0%B5%D0%BA%D1%81%D0%B5%D0%B9\/Desktop\/Ergo\/Wodarzik.docx#_ftn23\"><sup><sup>[23]<\/sup><\/sup><\/a> die beiden grundverschiedenen Kausalit\u00e4ten auf die eine Welt wirken. KdN geht auf Naturbegriffe und KdF auf Freiheitsbegriffe. KdN und KdF m\u00f6gen ihre gemeinsamen Wurzeln in der polaren Urteilskraft (Ich<sub>1<\/sub>-Ich<sub>2<\/sub>) besitzen. Nur diese, so Kant, kann die endlichen Naturbegriffe mit den unendlichen Freiheitsbegriffen verbinden<a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%90%D0%BB%D0%B5%D0%BA%D1%81%D0%B5%D0%B9\/Desktop\/Ergo\/Wodarzik.docx#_ftn24\"><sup><sup>[24]<\/sup><\/sup><\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Ich verh\u00e4lt sich reflexiv zu sich selbst und macht sich zum eigenen Thema. Fichte entwickelte daraus die \u201eDuplizit\u00e4t oder doppelte Reihe\u201c der Subjektivit\u00e4t, die seine Wissenschaftslehre strukturiert. Und Hegel schlie\u00dflich entwickelte daraus u. a. seine triadische Methode, etwa in der Form: \u201eSein, Wesen und Begriff. Isomorph dazu ist die Hegelsche Geisttrinit\u00e4t objektiver, subjektiver und absoluter Geist<a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%90%D0%BB%D0%B5%D0%BA%D1%81%D0%B5%D0%B9\/Desktop\/Ergo\/Wodarzik.docx#_ftn25\"><sup><sup>[25]<\/sup><\/sup><\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\" align=\"center\"><b><i>III. Religi\u00f6se Vernunft und das Verh\u00e4ltnis Moral \u2014 Religion<\/i><\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Rede von einer religi\u00f6sen Vernunft ist nicht unproblematisch. Kant behauptet wir k\u00f6nnen Moral nicht selbst begr\u00fcnden. Daher denken wir uns einen Gott mit \u00fcbersinnlichen Eigenschaften und betrachten seine theonomen Gebote als unsere moralischen Pflichten. Kants Ethiktheologie besteht in der Einsicht, dass der Mensch als moralisches Wesen (HN), d.\u00a0h. als Subjekt der Freiheit, sich die Welt als ein nach Zwecken zusammenh\u00e4ngendes Ganzes ohne die Vorstellung, dass ein Gott ist, nicht denken kann. Die religi\u00f6se Vernunft bildet den Vernunfthorizont des Menschen. Die transzendentale Sinnstiftung, d.\u00a0h. der Sinn von allem f\u00fchrt automatisch zur Gottesfrage, weil die Vernunft immer das Unbedingte sucht. \u201eOhne also einen Gott, und eine f\u00fcr uns jetzt nicht sichtbare, aber gehoffte Welt, sind die herrlichen Ideen der Sittlichkeit zwar Gegenst\u00e4nde des Beifalls und der Bewunderung, aber nicht Triebfedern des Vorsatzes und der Aus\u00fcbung, weil sie nicht den ganzen Zweck, der einem jeden vern\u00fcnftigen Wesen nat\u00fcrlich und durch eben dieselbe reine Vernunft a priori bestimmt und notwendig ist, erf\u00fcllen\u201c [AA, V, S. 527].<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Interesse der Vernunft besitzt demnach auch spekulativ-religi\u00f6ses Denken mit der Idee Gottes als Weltensch\u00f6pfer und moralischer Gesetzgeber. Nur der Mensch erf\u00e4hrt sich als gottsetzendes Bewusstsein sagt der alte Schelling, mit der M\u00f6glichkeit der totalen Leugnung der Existenz Gottes. Kirkegaard nennt den Menschen ein gottbezogenes Wesen. Spricht der Mensch von Gott, so spricht er immer auch von sich selbst. \u201eGott ist nicht ein Wesen au\u00dfer mir, sondern blo\u00df ein Gedanke in mir\u201c [AA, XXI, S. 145]. Was der Mensch als Gott verehrt, ist sein eigenstes Inneres herausgekehrt, so Goethe. Gott ist ein transzendenter Begriff als eine Idee der Vernunft und mit dem Verstand (HP) nicht zu fassen. Der Mensch tritt heraus als Herr der Natur, aber gleichzeitig f\u00fchlt er, dass sich in der geordneten und zweckm\u00e4\u00dfigen Natur etwas H\u00f6heres manifestiert. Diesem will sich der Mensch beugen, er f\u00fchlt, dass er es durch sein Gewissen soll, und er empfindet ein inneres Bed\u00fcrfnis sich jener Macht hinzugeben, die das Ganze lenkt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es stellt sich nun die Frage, ob die religi\u00f6se Vernunft nicht blo\u00df eine Implikation oder nur ein Epiph\u00e4nomen der praktischen Vernunft ist. Denn Kant behauptet: \u201eDie Frage ob ein Gott sei mu\u00df blo\u00df aus Prinzipien der moralisch praktischen Vernunft abgeleitet werden\u201c [AA, XXII, S. 62]. Ferner f\u00fchrt die Moral, wie es an anderer Stelle hei\u00dft, unausbleiblich zur Religion. Im System des Kritizismus erscheint die Religion daher nicht als eigenst\u00e4ndiger Vernunftgebrauch im Sinne einer religi\u00f6sen Vernunft, sondern tats\u00e4chlich blo\u00df als Zubeh\u00f6r der Ethik [AA, XI, S. 169]. Ist das wahr? Schon Kants Verweis auf die Gebote Gottes zeigt, dass Moral und Religion nicht zusammenfallen. Sie sind wechselseitig verbunden und dennoch unabh\u00e4ngig von einander. Kant hat oft betont, dass unsere Pflichten ganz unabh\u00e4ngig sind von den Hoffnungen auf ein jenseitiges Leben und dass daher auch die Moral ganz unabh\u00e4ngig von der Religion ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu dem von mir eingef\u00fchrten Begriff der religi\u00f6sen Vernunft greife ich auf einem Brief Kants vom 4. Mai 1793 an K. F. St\u00e4udlin zur\u00fcck: \u201eMein schon seit geraumer Zeit gemachter Plan der mir obliegenden Bearbeitung des Feldes der reinen Philosophie ging auf die Aufl\u00f6sung der Aufgaben: [&#8230;] welcher zuletzt die vierte folgen sollte: Was ist der Mensch? [&#8230;] Mit beikommender Schrift: Religion innerhalb der Grenzen [&#8230;] habe die dritte Abteilung meines Plans zu vollf\u00fchren gesucht, in welcher Arbeit mich Gewissenhaftigkeit und wahre Hochachtung f\u00fcr die christliche Religion [&#8230;] geleitet hat [&#8230;]\u201c [AA, XI, S. 429]. Dieser Brief verdeutlicht, dass Kant die \u201edritte Abteilung\u201c seiner Philosophie auszuf\u00fchren gedachte. Meint Kant damit, ob eine dritte Vernunftkritik im Sinne des Vernunftgebrauchs einer religi\u00f6sen Vernunft erforderlich ist? Nimmt man die Religionsschrift mit der <i>Kritik der Urteilkraft<\/i> zusammen, so m\u00fcsste es m\u00f6glich sein, zu zeigen, dass diese beiden gro\u00dfen Werke zusammengenommen eine Kritik der religi\u00f6sen Vernunft bedeuten k\u00f6nnten. Es gibt viele Hinweise, z. B. geht die \u00e4sthetische Ethik in Religion \u00fcber. \u201eDas Christentum ist die einzige \u00e4sthetische Religion\u201c<a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%90%D0%BB%D0%B5%D0%BA%D1%81%D0%B5%D0%B9\/Desktop\/Ergo\/Wodarzik.docx#_ftn26\"><sup><sup>[26]<\/sup><\/sup><\/a>. Zu diesem Vernunftbereich geh\u00f6rt das Sch\u00f6ne, das Erhabene, das Gute, die Wahrheit und die Teleologie. Im Grunde sind das alles Begriffe, die nicht auf erkenntnistheoretische oder moralische Diskurse zu reduzieren sind. Das Numinose, d.\u00a0h. die zugleich Vertrauen und Schauer hervorrufende Macht geh\u00f6rt auch zur religi\u00f6sen Vernunft. Die teleologischen Verm\u00f6gen der Urteilskraft haben eine konnotativ zuk\u00fcnftige Bedeutung n\u00e4mlich das Hoffen neben dem Sein und Sollen. Teleologisches Denken findet seine Vollendung nur in einer Theologie<a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%90%D0%BB%D0%B5%D0%BA%D1%81%D0%B5%D0%B9\/Desktop\/Ergo\/Wodarzik.docx#_ftn27\"><sup><sup>[27]<\/sup><\/sup><\/a>. Und Kant sagt auch, dass der Rechtsbegriff \u00fcber das moralische Subjekt hinaus geht und daher nicht der praktischen Vernunft angeh\u00f6rt. So spricht er von Gott als Idee des Rechts und weiter: \u201eAlle Macht des Himmel steht auf der Seite des Rechts\u201c [AA, XIX, S. 224]. Ein moralischer Glaube an das unbedingte Zutrauen auf die g\u00f6ttliche Hilfe in Ansehung alles Guten und Wahrhaftigen, das bei unseren aufrichtigen Bem\u00fchungen doch nicht in unserer Macht steht, ist nichts weiter als religi\u00f6ser Vernunftgebrauch. Unsere Zwecke sind als g\u00f6ttliche Gebote moralischer Natur und praktisch ist alles, was durch Freiheit m\u00f6glich ist. F\u00fcr Kant war die Willensfreiheit das Hauptagens des Menschen, d. h. die treibende Kraft, das volitiv handelnde Wesen im Menschen. Die Ideen Welt, Willensfreiheit und Gott sind Regularien der Vernunft, sie garantieren uns logische, seelische und moralische Gewissheit<a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%90%D0%BB%D0%B5%D0%BA%D1%81%D0%B5%D0%B9\/Desktop\/Ergo\/Wodarzik.docx#_ftn28\"><sup><sup>[28]<\/sup><\/sup><\/a>. Kant schreibt: \u201eReligion ist Gewissenhaftigkeit\u201c [AA, XXI, S. 81]<i> <\/i>und: \u201eDer Wille Gottes enth\u00e4lt wohl die gr\u00f6\u00dften <i>motiva obligantia, <\/i>aber nicht den Grund der Form des moralischen Gesetzes\u201c [AA, XIX, S. 35]. Die Bedingung der M\u00f6glichkeit von Moral ist der freie Wille im Menschen. Die Welt ist moralisch blind und die Idee Gottes greift nicht in den Primat der praktischen Vernunft ein; so ist der Mensch auf seine eigene Heautonomie, n\u00e4mlich seinen eignen gesetzgebenden Willen allein angewiesen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Mensch als eine philosophisch-anthropologische Einheit gesehen, ist demnach ein dreieinheitliches Subjekt, bestehend aus seiner nat\u00fcrlichen K\u00f6rperlichkeit oder Welthaftigkeit (P), seinem volitiven und individuellen Bewusstsein (HP) und seiner F\u00e4higkeit \u00fcber die Grenzen seiner Vernunft zu transzendentieren und sich einen Gott zu denken \u201eals ob\u201c er existiert (HN). Welt, Mensch und Gott sind f\u00fcr Kant \u201eidealische Wesen\u201c [AA, III, S. 445], die man als drei Momente der <i>einen Vernunft<\/i> ansehen kann. Es sind drei verschiedene, sich umgreifende und bedingende Geiststrukturen, die im Menschen eine einzige unzerrei\u00dfbare trinitarische Metastruktur darstellen. Ihren Ursprung hat diese Struktur in dem <i>Einen<\/i>, was ich als das Vernunftgeheimnis bezeichne.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\" align=\"center\"><b><i>IV. Transzendentalphilosophie ist Erkenntnis des Menschen von sich selbst der Welt und Gott.<\/i><\/b><b><i> Zusammenfassung und Ausblick zum dreiwertigen Denken<\/i><\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kritik der Vernunft bedeutet Besinnung auf die systematische Bestimmung der Vernunftgebrauchs in seinem prinzipiellen Vollzuge oder des kulturellen Vernunftlebens des Menschen als ein teilnehmendes Glied an der Idee der Menschheit. Nur so zeigen sich Funktionen und Grenzen der sinnlichen Erfahrung in Ansehung des \u00dcbersinnlichen. Der Mensch steht immer zwischen Erfahrung und Metaphysik, dazwischen erledigt er seine Lebensaufgaben durch Verstand und Anschauung. Wie und was sind die systematisch-strukturellen Wissensgrundlagen der Naturwissenschaften, der Sittlichkeit, des Rechts, der Politik, der Kunst und Religion die f\u00fcr alle Menschen gleicherma\u00dfen als ein Ganzes zu gelten haben? Hierauf gibt es keine endg\u00fcltige Antworten, nur systematische Umschreibungen, Untersuchungen oder Analogien in Ansehung der metaphysischen Trinit\u00e4t Welt, Mensch und Gott.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Architektur der Kantischen Philosophie hat eine triadische Struktur. In dem Abschnitt <i>Vom letzten Zwecke der reinen Vernunft<\/i> in der <i>Kritik <\/i>hei\u00dft es<i>,<\/i> \u201eDie ganze Zur\u00fcstung also der Vernunft, [&#8230;], die man reine Philosophie nennen kann, ist in der Tat nur auf die drei gedachten Probleme gerichtet\u201c [AA, III, S. 520]. Und im <i>Opus postumum<\/i> schreibt der alte Kant eindringlich deutlich: \u201eGott, die Welt und das beide Objekte verkn\u00fcpfende Subjekt, das denkende Wesen in der Welt\u201c [AA, XXI, S. 34]. Aus den drei Kantischen Fragen ergibt sich die systematische Gliederung der Philosophie, in der auch antike Traditionen enthalten sind: 1. Theoretische Philosophie (Wissen der Natur, <i>on<\/i>) 2. Praktische Philosophie (lebendiges Handeln aus Freiheit, <i>zoe<\/i>) 3. Religi\u00f6se Philosophie (Glauben und Hoffen vor Gott, <i>nous<\/i>). Theoretische, praktische und religi\u00f6se Vernunft als irreduzible Vernunftmomente bilden eine heterarchische Dreieinheit (unitas-trinitas). Die Kantische <i>eine Vernunft<\/i> als das Plotinische <i>Eine<\/i>, zeigt sich in ihrer \u00dcberf\u00fclle selbst in den drei Vernunftideen Welt, Mensch und Gott. In Analogie dazu kann auch die Vernunfttrias theoretische Vernunft, praktische Vernunft und urteilende Vernunft betrachtet werden. Den letzten dritten Begriff f\u00fchre ich hier ein. Er folgt zwanglos aus der <i>Kritik der Urteilskraft<\/i> als subjektives Prinzip mit bestimmenden und reflexiven Verm\u00f6gen. Denn so denke ich, ist religi\u00f6ses Verm\u00f6gen \u00e4quivalent mit der Urteilskraft, genauer mit der teleologischen Urteilskraft. Es ist n\u00fctzlich an dieser Stelle auf einen Brief Kants vom 28. Dezember 1787 an Reinhold hinzuweisen. Kant schreibt von den drei Gem\u00fctskr\u00e4ften im Menschen und stellt begeistert fest, dass er nun \u201edrei Teile der Philosophie erkenne deren jede ihre Prinzipien a priori hat die man abz\u00e4hlen und den Umfang der auf solche Art m\u00f6glichen Erkenntnis sicher bestimmen kann \u2014 theoretische Philosophie, Teleologie und praktische Philosophie von denen freilich die mittlere als die \u00e4rmste an Bestimmungsgr\u00fcnden a priori befunden wird\u201c [AA, X, S.\u00a0514\u2014515].<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Welt ver\u00e4ndert sich immer rasanter durch die Naturwissenschaften und Technik und der Mensch degradiert sich selbst zur technischen Existenz. Durch die technisch-wissenschaftliche globale Vernetzung ist die Weltgemeinschaft zu einer Schicksals-gemeinschaft geworden, in der jeder nur frei ist, wenn alle frei sind. Jeder Mensch sollte wissen, dass er die Menschheit in seiner Person enth\u00e4lt, allerdings setzt dieses Wissen dreiwertiges Denken voraus. H\u00f6chst bedrohlich stellte schon Nietzsche 1888 die Fragen, die uns in Zukunft umtreiben werden: \u201eEs naht sich, unabweislich, z\u00f6gernd, furchtbar wie das Schicksal, die gro\u00dfe Aufgabe und Frage: wie soll die Erde als Ganzes verwaltet werden? Und wozu soll \u201eder Mensch\u201c als Ganzes \u2014 und nicht mehr ein Volk, eine Rasse \u2014 gezogen und gez\u00fcchtet werden?\u201c [13, S. 959]. Reichen die klassischen Vernunftkonzepte aus, um auf diese Frage angemessen zu reagieren?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Deutsche Idealismus setzt die spekulative Einsicht voraus, dass das Denken m\u00e4chtiger ist als das Sein. Und daher f\u00fchrt die Frage: woraus, wozu und wohin wir leben, zur Rede von Gott. Deutlich bringt es Hegel auf den Punkt, in dem er sagt: \u201eVon der Gr\u00f6\u00dfe und Macht des Geistes kann er [der Mensch, U.F.W.] nicht gro\u00df genug denken; das verschlossene Wesen des Universums <i>hat<\/i><b> <\/b><i>keine<\/i><b> <\/b><i>Kraft<\/i><b> <\/b><i>in<\/i><b> <\/b><i>sich<\/i><b>,<\/b> welche dem Mute des Erkennens Widerstand leisten k\u00f6nnte; es mu\u00df sich vor ihm auftun und seinen Reichtum und seine Tiefen ihm vor Augen legen und zum Genusse bringen\u201c [10, S. 404]<a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%90%D0%BB%D0%B5%D0%BA%D1%81%D0%B5%D0%B9\/Desktop\/Ergo\/Wodarzik.docx#_ftn29\"><sup><sup>[29]<\/sup><\/sup><\/a>. Jede naturalistische Auffassung<a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%90%D0%BB%D0%B5%D0%BA%D1%81%D0%B5%D0%B9\/Desktop\/Ergo\/Wodarzik.docx#_ftn30\"><sup><sup>[30]<\/sup><\/sup><\/a>, die sich in den Bio-Wissenschaften, der Hirnforschung und der weltweiten Technik objektiviert und damit f\u00fcr die drohende \u00f6kologische wie \u00f6konomische Katastrophe mit verantwortlich ist, setzt das zweiwertige Denken in Form der zweiwertigen Logik voraus. Mit den obigen Abk\u00fcrzungen bedeutet das, es gibt nur P und HP, d.\u00a0h. die Welt und Ich. Diese Vernunftzweiwertigkeit setzt eben blo\u00df zweiwertiges Denken voraus. Religi\u00f6se Vernunft, \u00c4sthetik oder Metaphysik hat hier keinen Platz, ist sinnlos im Rahmen des zweiwertigen Denkens<a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%90%D0%BB%D0%B5%D0%BA%D1%81%D0%B5%D0%B9\/Desktop\/Ergo\/Wodarzik.docx#_ftn31\"><sup><sup>[31]<\/sup><\/sup><\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Prinzipien der Transzendentalphilosophie erweitern das zweiwertige Denken durch die dreiwertige Vernunft, definieren die doppelte Subjektivit\u00e4t (Ich<sub>1 <\/sub>und Ich<sub>2<\/sub>) und weisen jedes dogmatische zweiwertige Denken zur\u00fcck. Aus der Dreiwertigkeit der Vernunft folgt das dreiwertige Denken, das eine Transklassische Logik begr\u00fcndet [18; 20]. Antagonistisches Denken schlie\u00dft die dreiwertige Vernunft absolut aus. Das bedeutet, dass der ganze Mensch zu jeder Zeit sich seines dreifachen Vernunftgebrauches bewusst sein mu\u00df. Das Denken in Wahr- und Falschaussagen im Sinne der zweiwertigen Aristotelischen Logik greift zu kurz, geht es um den ganzen Menschen. \u201eDie m\u00f6rderischen Ideologien des 20. Jahrhunderts sind aus der Perspektive der transklassischen Logik nichts anderes als krampfhafte Endspiele der Zweiwertigkeit, militante Verweigerungen des Komplexit\u00e4tsdenken\u201c [16, S. 354].<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Mensch mit seinem Welt-, Selbst- und Gottesbewusstsein<a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%90%D0%BB%D0%B5%D0%BA%D1%81%D0%B5%D0%B9\/Desktop\/Ergo\/Wodarzik.docx#_ftn32\"><sup><sup>[32]<\/sup><\/sup><\/a> muss eine Konvergenz von profanen Weltdingen und religi\u00f6sen Glaubens\u00fcberzeugungen anstreben<a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%90%D0%BB%D0%B5%D0%BA%D1%81%D0%B5%D0%B9\/Desktop\/Ergo\/Wodarzik.docx#_ftn33\"><sup><sup>[33]<\/sup><\/sup><\/a>. Das religi\u00f6se Bewusstsein<a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%90%D0%BB%D0%B5%D0%BA%D1%81%D0%B5%D0%B9\/Desktop\/Ergo\/Wodarzik.docx#_ftn34\"><sup><sup>[34]<\/sup><\/sup><\/a> ist Voraussetzung f\u00fcr das Anerkennungsprinzip<a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%90%D0%BB%D0%B5%D0%BA%D1%81%D0%B5%D0%B9\/Desktop\/Ergo\/Wodarzik.docx#_ftn35\"><sup><sup>[35]<\/sup><\/sup><\/a>, das einem anderen Menschen seine Freiheit garantiert. Wir sp\u00fcren wie religi\u00f6ses Bewusstsein, als eines der drei Grundmomente des Menschen neben dem theoretischen und praktischen Bewusstsein anzusetzen ist. Alle drei Vernunftarten bilden ein Ganzes, n\u00e4mlich die \u201eeine Vernunft\u201c Kants<a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%90%D0%BB%D0%B5%D0%BA%D1%81%D0%B5%D0%B9\/Desktop\/Ergo\/Wodarzik.docx#_ftn36\"><sup><sup>[36]<\/sup><\/sup><\/a>. Nur ein dreiwertiges Denken, dass in seinem Wesen dialektisch ist, kann die Menschheitsprobleme der Zukunft sinnvoll begegnen. So ist der Mensch ein dreiwertig, d.\u00a0h. ein ontologisches, egologisches und theologisches denkendes Gesch\u00f6pf der Mitte, aber nicht eines, das in der Mitte beschlossen und endg\u00fcltig ruht.<a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%90%D0%BB%D0%B5%D0%BA%D1%81%D0%B5%D0%B9\/Desktop\/Ergo\/Wodarzik.docx#_ftn37\"><sup><sup>[37]<\/sup><\/sup><\/a> Sondern es oszilliert als dynamische Grenze zwischen dem unbefriedigt-endlichen Faktischen und dem unendlich m\u00f6glichen Besseren hin und her. Lassen wir uns durch die Zuversicht des Kantischen Denkens leiten, n\u00e4mlich durch seine These von der Unm\u00f6glichkeit des totalen Irrtums: \u201eNie kann der Mensch ganz und gar irren. Scheint es uns bisweilen, so haben wir den Menschen nicht verstanden\u201c [AA, XXIV, S. 825].<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\" align=\"center\"><b>Literaturverzeichnis<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1.\u00a0<i>Anzenbacher A. <\/i>Einf\u00fchrung in die Philosophie \/\/ Freiburg, 2002.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">2.\u00a0Aristoteles\u2019 Physik, Erster Halbband, Buch II \u2014 Kapitel 7, 198a \/\/ Hamburg, 1987.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">3.\u00a0<i>Beierwaltes W. <\/i>Platonismus und Idealismus \/\/ Frankfurt, 2004.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">4.\u00a0<i>Beierwaltes W.<\/i> Procliana, Sp\u00e4tantikes Denken und seine Spuren \/\/ Frankfurt a. M., 2007.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">5.\u00a0<i>Beierwaltes W. <\/i>Proklos \u2014 Grundz\u00fcge seiner Metaphysik \/\/ Frankfurt a.\u00a0M., 1979.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">6.\u00a0<i>Br\u00f6cker W.<\/i> Kant \u00fcber Metaphysik und Erfahrung \/\/ Frankfurt a. M., 1970.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">7.\u00a0Christlicher Platonismus, Die theologischen Schriften des Marius Victorinus. \u00dcbersetzt von <i>P. Hadot<\/i> u. <i>U. Brenke<\/i> \/\/ Artemis, 1967.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">8.\u00a0<i>Fichte J. G. <\/i>Werke, Zur theoretischen Philosophie \/\/ I. H. Fichte (Hrsg.) Berlin, 1971. Bd. I.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">9.\u00a0<i>Halfwassen J.<\/i> Plotin und der Neuplatonismus \/\/ Heidelberg, 2004.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">10.\u00a0<i>Hegel G.\u00a0W.\u00a0F. <\/i>Werke in 20 B\u00e4nden, Bd. 10, Berliner Antrittsvorlesung vom 22.10.1918 <i>\/\/<\/i> Red. E. Moldenhauer und K. M. Michel, Frankfurt, 1970.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">11.\u00a0<i>Heintel E. Gesammelte Abhandlungen<\/i>, z.\u00a0B \/\/ Stuttgart, 1996. Bd. 5.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">12.\u00a0<i>Kant I.<\/i> \u00dcber den Gemeinspruch: Das mag in der Theorie richtig sein taugt aber nicht f\u00fcr die Praxis \/\/ Weischedel-Ausgabe, 1977. Bd. XI.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">13.\u00a0<i>Nietzsche F. <\/i>Werke Taschenbuch-Ausgabe, Bd. X, Der Wille zur Macht, IV Buch: Zucht und Z\u00fcchtung, 4. Die Herren der Erde \/\/ Leipzig, 1919.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">14.\u00a0<i>Platon<\/i>, Der Sophist (Sophistes) 248 E. \u00dcbersetzt von F. Schleiermacher \/\/ Berliner Ausgabe von 1940, Heidelberg, 1982.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">15.\u00a0<i>Rosenkranz K. <\/i>Georg Wilhelm Friedrich Hegels Leben. \/\/ Darmstadt 1963.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">16.\u00a0<i>Sloterdijk P., Heinrichs J. <\/i>Die Sonne und der Tod \u2014 Dialogische Untersuchungen \/\/ Frankfurt, 2001.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">17.\u00a0<i>Vorl\u00e4nder K.<\/i> Immanuel Kant \u2014 Der Mann und das Werk \/\/ Fourier-Verlag, 2003.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">18.\u00a0<i>Wodarzik U. F.<\/i> Fichte als Begr\u00fcnder der dreiwertigen Logik \u2014 Zur transklassischen Reflexionslogik und G\u00fcnthers Ich-Du-Es Trinit\u00e4t (Halle 2006) \/\/ Fichte-Studien. Beide Arbeiten befinden sich im Druck.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">19.\u00a0<i>Wodarzik U. F. <\/i>Objektivit\u00e4t, Leben und Normativit\u00e4t. Zwischen Naturgesetz und Sittengesetz, Moskauer Kant-Kongress 2004 \/\/ Motroschilova N. (Hrsg.) Moskau, 2007.<i><\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">20.\u00a0<i>Wodarzik U. F. <\/i>Transklassische Logik und Hegels politische Philosophie \u2014 Wende zum dreiwertigen Zeitalter (Poznan 2006) \/\/ Hegeljahrbuch, 2008.<\/p>\n<div style=\"text-align: justify;\">\n<p>21.\u00a0<i>Wodarzik U. F.<\/i>: \u00dcber die metaphysische Trinit\u00e4t Welt, Mensch und Gott \/\/ Akten des X. Internationalen Kant-Kongresses (Sao Paulo 2005). Berlin, 2008. Bd. 2.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"text-align: center;\" align=\"left\"><b><i>Die erste Ver\u00f6ffentlichung des Aufsatzes:<\/i><\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wodarzik, Ulrich F.. Dreiwertige Vernunft als Kants Testament\/\/ 10. Internationale Kant Konferenz. Klassische Vernunft und die Herausforderungen der modernen Zivilisation: Materialien der internationalen Konferenz: in 2 Bd. Hrsg. W.N. Brjuschinkin. \u2013 Kaliningrad: Verlag der Immanuel Kant Universit\u00e4t Kaliningrad, 2010. Band. 2, S. 268 \u2013 287.<\/p>\n<div style=\"text-align: justify;\">\n<hr align=\"left\" size=\"1\" width=\"33%\" \/>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%90%D0%BB%D0%B5%D0%BA%D1%81%D0%B5%D0%B9\/Desktop\/Ergo\/Wodarzik.docx#_ftnref1\">[1]<\/a> \u201eTranszendentalphilosophie ist das philosophische Erkenntnissystem welches a priori alle Gegenst\u00e4nde der reinen Vernunft in einem System notwendig verbunden darstellt. Diese Gegenst\u00e4nde sind Gott, die Welt und der dem Pflichtbegriff unterworfene Mensch in der Welt\u201c [AA, XXI, S. 81]. Alle Zitate aus der Akademieausgabe sind in moderner Grammatik geschrieben. Zitate im Text und in Fu\u00dfnoten aus der Akademie-Ausgabe sind durch (Band, Seite), d.h. [AA, XXI, S. 81] angegeben.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%90%D0%BB%D0%B5%D0%BA%D1%81%D0%B5%D0%B9\/Desktop\/Ergo\/Wodarzik.docx#_ftnref2\">[2]<\/a> Diese drei Lehrst\u00fccke folgen aus den drei Vernunftschl\u00fcssen der einen Vernunft; in meiner gew\u00e4hlten Reihenfolge sind das: 1. Hypothetischer Schluss (Naturgr\u00fcnde), 2. Kategorischer Schluss (moralisches Subjekt) und 3. Disjunktiver Schluss (Idee Gottes).<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%90%D0%BB%D0%B5%D0%BA%D1%81%D0%B5%D0%B9\/Desktop\/Ergo\/Wodarzik.docx#_ftnref3\">[3]<\/a> Hervorhebung von Kant. Ferner: \u201eEs gibt nur drei Ideen der reinen Philosophie\u201c [AA, XXI, S. 90].<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%90%D0%BB%D0%B5%D0%BA%D1%81%D0%B5%D0%B9\/Desktop\/Ergo\/Wodarzik.docx#_ftnref4\">[4]<\/a> \u201eDa\u00df die Dreiheit das Gesetz des Geistes sei, ist \u00e4cht Platonisch; die ganze Republik hat eine triadische Construktion. Hegel bezog die Triplizit\u00e4t vorz\u00fcglich auf den Unterschied des Subjects vom Object in der Identit\u00e4t des Subjects\u201c [15, S. 158].<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%90%D0%BB%D0%B5%D0%BA%D1%81%D0%B5%D0%B9\/Desktop\/Ergo\/Wodarzik.docx#_ftnref5\">[5]<\/a> Hervorhebung von Kant. Der urteilende (denkende) Mensch ist hier das vermittelnde Moment zwischen der einen Welt und dem einen Gott. Kant spricht von der spekulativen Vernunft als einen \u201eGliederbau\u201c [AA, III, S. 22]. In der <i>Kritik der Urteilskraft<\/i> argumentiert Kant mit der Dreiheit Verstand, Urteilskraft und Vernunft, wobei die Urteilskraft \u201eein Mittelglied zwischen dem Verstande und der Vernunft\u201c sein soll. Kant f\u00fchlt sich gen\u00f6tigt dies zu rechtfertigen, vgl. die Fu\u00dfnote unter: <i>IX. Von der Verkn\u00fcpfung der Gesetzgebungen des Verstandes und der Vernunft durch die Urteilskraft <\/i>[AA, V, S.\u00a0195].<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%90%D0%BB%D0%B5%D0%BA%D1%81%D0%B5%D0%B9\/Desktop\/Ergo\/Wodarzik.docx#_ftnref6\">[6]<\/a> Das ist keine kantische Bezeichnung, Ich setze diesen religi\u00f6s konnotativen Vernunftbegriff in unabh\u00e4ngiger Weise neben den beiden schon von Aristoteles verwendeten Vernunftbegriffen, d.\u00a0h. der theoretischen und der praktischen Vernunft.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%90%D0%BB%D0%B5%D0%BA%D1%81%D0%B5%D0%B9\/Desktop\/Ergo\/Wodarzik.docx#_ftnref7\">[7]<\/a> Sie bedeutet eine revolution\u00e4re Z\u00e4sur in der Geschichte der abendl\u00e4ndischen Philosophie.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%90%D0%BB%D0%B5%D0%BA%D1%81%D0%B5%D0%B9\/Desktop\/Ergo\/Wodarzik.docx#_ftnref8\">[8]<\/a> Bei <i>Anzenbacher<\/i> [1] beherrscht dieser platonische Gedanke mit Recht sein hervorragendes Buch. Ferner dazu wesentlich [3].<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%90%D0%BB%D0%B5%D0%BA%D1%81%D0%B5%D0%B9\/Desktop\/Ergo\/Wodarzik.docx#_ftnref9\">[9]<\/a> <i>Plotin<\/i> nennt den Urgrund f\u00fcr Alles <i>das Eine selbst (auto to hen). <\/i>Das <i>Eine<\/i> ist der Grund seiner selbst (<i>causa sui<\/i>). Bei <i>Plotin<\/i> l\u00e4sst sich die Tendenz erkennen, dass das <i>Eine<\/i> in seiner Bewegung als Intelligenz sich zu einem dreifachen Prozess beschreiben l\u00e4sst, in dem das Sein, das Leben und das Denken aufeinander folgende Phasen darstellen. Vgl. <i>Plotin<\/i>, Enneaden VI 7, 13, 28\u201442, zitiert nach: [7, S. 8]. Die Intelligenz oder der Geist hat eine innewohnende Vielfalt in Form der Dreiheit. Das Sein wird durch das Leben mit dem Denken verschr\u00e4nkt und umgekehrt; in vollst\u00e4ndiger Harmonie verschmilzt die Dreifaltigkeit zur absoluten Einheit, d. h. in das <i>Eine<\/i>. F\u00fcr <i>Plotin<\/i> gr\u00fcndet auch der Geist (<i>nous<\/i>) wie das Sein (<i>ousia<\/i>) in dem absoluten <i>Einen<\/i>, das selbst jenseits des Geistes und jenseits des Seins steht.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%90%D0%BB%D0%B5%D0%BA%D1%81%D0%B5%D0%B9\/Desktop\/Ergo\/Wodarzik.docx#_ftnref10\">[10]<\/a> Der Zusammenhang zwischen dem Denken Kants und der neoplatonischen Tradition ist eine eigene Arbeit. Hier sollte nur darauf hingewiesen werden, weil die Triadik als entfaltete Struktur des <i>Einen<\/i>, des <i>Absoluten<\/i> oder der <i>einen Vernunft<\/i>, nach meiner Auffassung, in der Transzendentalphilosophie eine relativ bedeutsame und bisher \u00fcbersehende Rolle spielt. Vgl. dazu [3].<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%90%D0%BB%D0%B5%D0%BA%D1%81%D0%B5%D0%B9\/Desktop\/Ergo\/Wodarzik.docx#_ftnref11\">[11]<\/a> \u201eIch verstehe unter Architektonik die Kunst der Systeme\u201c [AA, III, S. 538].<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%90%D0%BB%D0%B5%D0%BA%D1%81%D0%B5%D0%B9\/Desktop\/Ergo\/Wodarzik.docx#_ftnref12\">[12]<\/a> Der Begriff Noumenon (Geistwesen) stammt aus dem Platonismus und Neoplatonismus. Auch lapidar <i>Ding an sich<\/i> von Kant genannt. Dieser Begriff hat Anlass zu vielen \u00fcberfl\u00fcssigen Missverst\u00e4ndnissen gef\u00fchrt und Unmengen von gedruckten Seiten verursacht oder provoziert. Man sollte sich an den ber\u00fchmten Fichteausspruch erinnern: Was f\u00fcr eine Philosophie man w\u00e4hle, h\u00e4ngt davon ab, was f\u00fcr ein Mensch man ist.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%90%D0%BB%D0%B5%D0%BA%D1%81%D0%B5%D0%B9\/Desktop\/Ergo\/Wodarzik.docx#_ftnref13\">[13]<\/a> Der Pflichtbegriff, von Kant in die Philosophie eingef\u00fchrt, ist ein noumenaler Begriff. Das dialektische Begriffspaar Pflicht und Freiheit widersprechen sich und bedingen sich in Kants Ethik.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%90%D0%BB%D0%B5%D0%BA%D1%81%D0%B5%D0%B9\/Desktop\/Ergo\/Wodarzik.docx#_ftnref14\">[14]<\/a> Der Begriff des Noumenon im positiven Sinne des Verstandes gemeint bleibt metaphysisch problematisch. Noumenon, also das Ding an sich als ein Gedankending, im negativen Verstande gemeint, bedeutet, dass es den Grund der Phaenomena bildet. \u201eUnsere Erkenntnis ist Erkenntnis vom Seiendem, das unabh\u00e4ngig von uns schon ist\u201c [6, S. 84].<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%90%D0%BB%D0%B5%D0%BA%D1%81%D0%B5%D0%B9\/Desktop\/Ergo\/Wodarzik.docx#_ftnref15\">[15]<\/a> Man denke sich dazu eine zweidimensionale Graphik in Form eines gleichseitigen Dreiecks mit den Knoten P, HP und HN. Unter Substanz verstehe ich f\u00fcr sich Seiendes, d.\u00a0h. unabh\u00e4ngig von anderen.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%90%D0%BB%D0%B5%D0%BA%D1%81%D0%B5%D0%B9\/Desktop\/Ergo\/Wodarzik.docx#_ftnref16\">[16]<\/a> Die Begriffe Knoten und Kanten sind in der Graphentheorie gebr\u00e4uchlich.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%90%D0%BB%D0%B5%D0%BA%D1%81%D0%B5%D0%B9\/Desktop\/Ergo\/Wodarzik.docx#_ftnref17\">[17]<\/a> Urteilen lese ich auch als Ur-teilen (H\u00f6lderlin) Siehe dazu die Urteilung des Ich in Ich<sub>1<\/sub> und Ich<sub>2<\/sub>, die im Prinzip Kant vollzogen hat, Abschnitt II. B.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%90%D0%BB%D0%B5%D0%BA%D1%81%D0%B5%D0%B9\/Desktop\/Ergo\/Wodarzik.docx#_ftnref18\">[18]<\/a> Dazu gibt es bei Kant nur einen bescheidenen Hinweis, den ich aber sehr ernst nehme. Kant spricht analogisch in der <i>Kritik der Urteilekraft <\/i>von der \u201eg\u00f6ttlichen Kausalit\u00e4t\u201c [AA, V, S. 465].<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%90%D0%BB%D0%B5%D0%BA%D1%81%D0%B5%D0%B9\/Desktop\/Ergo\/Wodarzik.docx#_ftnref19\">[19]<\/a> Vgl. [AA, III, S. 366]. \u201eW\u00e4ren Erscheinung, d.\u00a0h. die Vorstellungen Dinge an sich, w\u00e4re die Freiheit nicht zu retten\u201c [AA, III, S. 365]. Wenn also die Gegenst\u00e4nde nur Erscheinungen sind, also nur von uns nach empirischen Gesetzen (HP) vorgestellte Dinge, \u201eso m\u00fcssen sie selbst noch Gr\u00fcnde haben, die nicht Erscheinungen sind\u201c [AA, III, S. 365]. Die Gr\u00fcnde liegen in unserer Vernunft und diese kann kausal wirken.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%90%D0%BB%D0%B5%D0%BA%D1%81%D0%B5%D0%B9\/Desktop\/Ergo\/Wodarzik.docx#_ftnref20\">[20]<\/a> KdN sei Wirkursache, KdF Formursache und KdG Zielursache; diese Begriffe entnehme ich aus <i>Aristoteles<\/i>, \u201eNun gehen aber die drei oft in eins zusammen\u201c (<i>coincidunt in unum<\/i>). Im Sinne des Zusammenfalls aller Gegens\u00e4tze, <i>coincidentia oppositorum.<\/i> Vgl. [2, S. 85].<i><\/i><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%90%D0%BB%D0%B5%D0%BA%D1%81%D0%B5%D0%B9\/Desktop\/Ergo\/Wodarzik.docx#_ftnref21\">[21]<\/a> In diesem Reich herrscht die \u00e4sthetische wie auch die teleologische Urteilskraft.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%90%D0%BB%D0%B5%D0%BA%D1%81%D0%B5%D0%B9\/Desktop\/Ergo\/Wodarzik.docx#_ftnref22\">[22]<\/a> Siehe dazu die intensiven Bem\u00fchungen von <i>Heintel<\/i> diese Aporie in den Griff zu bekommen [11, S. 360\u2014367].<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%90%D0%BB%D0%B5%D0%BA%D1%81%D0%B5%D0%B9\/Desktop\/Ergo\/Wodarzik.docx#_ftnref23\">[23]<\/a> Ich nenne sie, die exogene Subjektivit\u00e4t Ich<sub>2<\/sub> (HP) und die endogene Subjektivit\u00e4t Ich<sub>1 <\/sub>(HN).<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%90%D0%BB%D0%B5%D0%BA%D1%81%D0%B5%D0%B9\/Desktop\/Ergo\/Wodarzik.docx#_ftnref24\">[24]<\/a> Wie sie das zustande bringt, scheint ein Mysterium der Vernunft zu sein. Wir begreifen eben nur ihre Unbegreiflichkeit.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%90%D0%BB%D0%B5%D0%BA%D1%81%D0%B5%D0%B9\/Desktop\/Ergo\/Wodarzik.docx#_ftnref25\">[25]<\/a> Hegels Urtrias ist Logik, Natur und Geist, vgl. seine <i>Enzyklop\u00e4die<\/i> (=Kreislehre).<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%90%D0%BB%D0%B5%D0%BA%D1%81%D0%B5%D0%B9\/Desktop\/Ergo\/Wodarzik.docx#_ftnref26\">[26]<\/a> Brief von Schiller an Goethe, 17. August 1795.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%90%D0%BB%D0%B5%D0%BA%D1%81%D0%B5%D0%B9\/Desktop\/Ergo\/Wodarzik.docx#_ftnref27\">[27]<\/a> Aristoteles wie auch Thomas v. Aquin dachten den Zusammenhang von Teleologie und Theologie.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%90%D0%BB%D0%B5%D0%BA%D1%81%D0%B5%D0%B9\/Desktop\/Ergo\/Wodarzik.docx#_ftnref28\">[28]<\/a> Bei Kant gr\u00fcndet sich die Religion auf die Moral und nicht umgekehrt. Die Ethiktheologie oder Vernunftreligion Kants zeigt deutlich, wie der Mensch mit seiner Willensfreiheit im Zentrum zwischen seinen Ideen Natur und Gott steht. Es gibt hier keinen Widerspruch zwischen einer g\u00f6ttlichen Vorsehung und der Willensfreiheit. Die Offenbarung Gottes in der Welt ist das moralische Verhalten des Menschen, Konvergieren Sinnlichkeit und Sittlichkeit f\u00fchrt das zum Reich Gottes auf Erden.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%90%D0%BB%D0%B5%D0%BA%D1%81%D0%B5%D0%B9\/Desktop\/Ergo\/Wodarzik.docx#_ftnref29\">[29]<\/a> Das Grundmotiv des Deutschen Idealismus von Kant bis Hegel ist die Zur\u00fcckweisung der Anma\u00dfung der Sinnlichkeit! Der denkende Denker ist immer m\u00e4chtiger als das Sein!<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%90%D0%BB%D0%B5%D0%BA%D1%81%D0%B5%D0%B9\/Desktop\/Ergo\/Wodarzik.docx#_ftnref30\">[30]<\/a> Diese unterst\u00fctzt \u2014 ohne es wirklich zu wissen \u2014 massiv die Anma\u00dfung der Sinnlichkeit. Der Mensch steht dieser Auffassung gem\u00e4\u00df blo\u00df der Welt gegen\u00fcber und die Rede von der gottgegebenen Menschheit ist ausgeblendet. Zweiwertige Vernunft oder zweiwertiges Denken beherrscht das vergangene und das zeitgen\u00f6ssische Denken in Wissenschaft, Wirtschaft und Politik.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%90%D0%BB%D0%B5%D0%BA%D1%81%D0%B5%D0%B9\/Desktop\/Ergo\/Wodarzik.docx#_ftnref31\">[31]<\/a> Zweiwertiges Denken fundiert alle Wissenschaften und ist deshalb unglaublich erfolgreich. Man sehe sich bewusst unsere technisch ver\u00e4nderte Welt der letzten 100 Jahre an. Aber es entwickelt sich bereits eine \u201etechnische Endzeitstimmung\u201c in der globalisierten Welt als Haus der Menschheit.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%90%D0%BB%D0%B5%D0%BA%D1%81%D0%B5%D0%B9\/Desktop\/Ergo\/Wodarzik.docx#_ftnref32\">[32]<\/a> Isomorph dazu ist die Trias Welt \u2014 Mensch \u2014 Menschheit (=Ding \u2014 Denken \u2014 Idee).<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%90%D0%BB%D0%B5%D0%BA%D1%81%D0%B5%D0%B9\/Desktop\/Ergo\/Wodarzik.docx#_ftnref33\">[33]<\/a> Die sinnliche Gewissheit und das religi\u00f6se Denken bilden die beiden Antipoden des Menschen.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%90%D0%BB%D0%B5%D0%BA%D1%81%D0%B5%D0%B9\/Desktop\/Ergo\/Wodarzik.docx#_ftnref34\">[34]<\/a> Die Religion ist der Ort, wo ein Volk sich die Definition dessen gibt, was es f\u00fcr das Wahre h\u00e4lt, sagt Hegel.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%90%D0%BB%D0%B5%D0%BA%D1%81%D0%B5%D0%B9\/Desktop\/Ergo\/Wodarzik.docx#_ftnref35\">[35]<\/a> In der Anerkennung objektiviert sich der Glaube an Gott durch Agape.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%90%D0%BB%D0%B5%D0%BA%D1%81%D0%B5%D0%B9\/Desktop\/Ergo\/Wodarzik.docx#_ftnref36\">[36]<\/a> Die Trias Sein-Leben-Geist bzw. Physik-Ethik-Logik ist von Kant bekanntlich voll und ganz akzeptiert: \u201eDie alte griechische Philosophie teilte sich in drei Wissenschaften ab: Die <i>Physik<\/i>, die <i>Ethik<\/i>, und die <i>Logik<\/i>. Diese Einteilung ist der Natur der Sache vollkommen angemessen, und man hat an ihr nichts zu verbessern [&#8230;]\u201c [AA, IV, S. 387]. Hervorhebung von Kant.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%90%D0%BB%D0%B5%D0%BA%D1%81%D0%B5%D0%B9\/Desktop\/Ergo\/Wodarzik.docx#_ftnref37\">[37]<\/a> Man beachte was Kant \u00fcber die Logik selbst sagte: \u201eDie Logik ist selbst Philosophie\u201c [AA, XVI, S. 6].<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist unm\u00f6glich, da\u00df ein Mensch ohne Religion seines Lebens froh werde. Reflexion 8106 Der Begriff eines Noumenon ist also blo\u00df ein Grenzbegriff, um die Anma\u00dfung der Sinnlichkeit einzuschr\u00e4nken. KrV B 311 I. Exposition und platonische Bez\u00fcge Mit Kants Testament meine ich neben seinen postum ver\u00f6ffentlichen Arbeiten auch Elemente aus den Positionen seiner Nachfolger, die [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":458,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[2],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kant-online.ru\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/457"}],"collection":[{"href":"https:\/\/kant-online.ru\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kant-online.ru\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kant-online.ru\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kant-online.ru\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=457"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/kant-online.ru\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/457\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":460,"href":"https:\/\/kant-online.ru\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/457\/revisions\/460"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kant-online.ru\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/458"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kant-online.ru\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=457"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kant-online.ru\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=457"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kant-online.ru\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=457"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}