{"id":394,"date":"2014-05-16T16:07:34","date_gmt":"2014-05-16T16:07:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kant-online.ru\/en\/?p=394"},"modified":"2014-05-16T16:16:22","modified_gmt":"2014-05-16T16:16:22","slug":"andrej-silber-interview-mit-dr-werner-stark","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kant-online.ru\/en\/andrej-silber-interview-mit-dr-werner-stark\/","title":{"rendered":"Interview mit Dr. Werner Stark"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_396\" style=\"width: 227px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.kant-online.ru\/en\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/wst_12b-217x300.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-396\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-396\" alt=\"Dr. Werner Stark\" src=\"http:\/\/www.kant-online.ru\/en\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/wst_12b-217x300.jpg\" width=\"217\" height=\"300\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-396\" class=\"wp-caption-text\">Dr. Werner Stark<\/p><\/div>\n<p><b>Interview mit Dr. Werner Stark, Honorarprofessor der Philipps-Universit\u00e4t Marburg.\u00a0<\/b><b>Aufgenommen von Andrej Silber, Mitarbeiter des Kant-Instituts, w\u00e4hrend des Forschungsaufenthalts in Marburg in Rahmen des deutsch-russischen Programms \u201eImmanuel Kant\u201c.<\/b><\/p>\n<p><b>\u2014 Wie war Ihr Weg zur Kant-Forschung? Was sind Ihre sonstige gr\u00f6\u00dfte Interessen in und au\u00dfer der Philosophie?<\/b><\/p>\n<p>\u2014 Ausl\u00f6ser war eine Frage meines wichtigsten akademischen Lehrers, Prof. Dr. Reinhard Brandt (Philipps-Universit\u00e4t, Marburg): Wissen Sie, was Sie nach Ihrem Examen machen wollen? Mein NEIN hatte eine kleine Studie \u00fcber den damals erschienenen Band XXIX,1.1 (1980) der Kant-Ausgabe der fr\u00fcheren Preu\u00dfischen Akademie der Wissenschaften zur Folge. Die Arbeit lenkte mein Interesse auf die studentischen Nachschriften Kantischer Vorlesungen und ich begann mit einer eigenst\u00e4ndigen Recherche, die rasch um grunds\u00e4tzliche Fragen zur \u00dcberlieferung des handschriftlichen Nachlasses des K\u00f6nigsberger Philosophen erweitert wurde. Mehr philosophisch gesehen war und bin ich an der von Kant konzipierten Moralphilosophie und der damit zusamemnh\u00e4ngenden Rechts- und Staatstheorie interessiert. Hier hat &#8211; wie ich meine &#8211; Kant uns allen heute noch etwas zu sagen.<\/p>\n<p>\u2014\u00a0<b>Es gibt die Meinung, man habe schon Kants Philosophie genug und sogar \u00fcberfl\u00fc\u00dfig erforscht und interpretiert \u2013 was m\u00f6gen Sie dar\u00fcber sagen? Kommt ein heutiger Kant-Forscher mit, alle n\u00f6tigen neuerschienen Texte rechtzeitig zu lesen?<\/b><\/p>\n<p>\u2014 Die Frage kann ich nicht recht beantworten, weil mir ein Ma\u00df f\u00fcr ein \u203aZuviel\u2039 oder<\/p>\n<p>\u203aZuwenig\u2039 fehlt. Freilich bin ich unabh\u00e4ngig davon \u00fcberzeugt, da\u00df die Qualit\u00e4t (wozu ich die inhaltliche Komplexit\u00e4t, Gedankensch\u00e4rfe und reflektierte Reichweite z\u00e4hle) der Werke, hinreichend Grund gibt, sich intensiv mit den von Kant entwickelten philosophischen Positionen zu besch\u00e4ftigen. Auch wenn es kein sachliches Argument ist, so meine ich doch, da\u00df das weltweite und vielsprachige Interesse (ablesbar an der stetig steigenden Menge an Sekund\u00e4rliteratur und \u00dcbersetzungen) zumindest zeigt, da\u00df ich mit dieser Meinung nicht allein bin. Die Menge ist ganz erheblich, wie der \u203aBibliographische Informationsdienst\u2039 der an der Universit\u00e4t Mainz angesiedelten Kant-Forschungsstelle belegen kann.<\/p>\n<p><b>\u2014 Kants Briefwechsel und Vorlesungen, Opus postumum \u2013 warum ist das wertvoll und was (gro\u00dfes und wichtiges) steht noch in der Analyse, Einsch\u00e4tzung und Ver\u00f6ffentlichung dieser Texten bevor?<\/b><\/p>\n<p>\u2014 F\u00fcr eine wissenschaftliche, d. h. methodisch gesicherte, Erforschung und inhaltliche Auseinandersetzung mit den von Kant publizierten Schriften bzw. den darin formulierten Positionen und Argumentationen ist die Einbeziehung der genannten Quellen (Briefwechsel, Handschriftlicher Nachla\u00df, Vorlesungen) unverzichtbar. Vielfach sieht man gewisserma\u00dfen erst, was Kant genau wollte, worauf eine Argumentation genau zielt, wenn man den historischen und gedanklichen Kontext kennt, in dem eine bestimmte Schrift entstanden ist. Hier sind manchmal auch nur gering und nebens\u00e4chlich erscheinende Informationen von gro\u00dfem Wert. Es ist nicht verkehrt, wenn man zum Vergleich auf die Kriminalistik, also die Arbeit der Kriminalpolizei, sieht. Die dort gesammelten Indizien\u00a0 haben ein erhebliches Gewicht; \u00c4hnliches gilt f\u00fcr wohl f\u00fcr jede aufrichtige, der Historie verpflichtete Forschung.<\/p>\n<p>\u2014\u00a0<b>Ist es notwendig oder n\u00fctzlich, diesen Nachlass aus dem Deutschen in andere Sprachen zu \u00fcbersetzen? Ist das von modernen Kantforschern in der Sekund\u00e4rliteratur noch nicht genug beschrieben und erkl\u00e4rt?<\/b><\/p>\n<p>\u2014 Auch hier m\u00f6chte ich ausweichen, denn dar\u00fcber k\u00f6nnen und sollen nur diejenigen entscheiden, die eine solche, keineswegs leichte Arbeit auf sich nehmen und annehmen, daf\u00fcr ein Interesse unter Lesern oder Geldgebern zu finden. N\u00fctzlich sind &#8211; gerade f\u00fcr den internationalen Austausch &#8211; Konferenzen wie die seit Jahren auch in Kaliningrad stattfindende Kongresse, denn so wird nicht nur Gelegenheit zum pers\u00f6nlichen Gespr\u00e4ch gegeben, sondern auch eine Form des \u00f6ffentlichen Dialogs kultiviert.<\/p>\n<p>\u2014\u00a0<b>Die \u201eAkademie-Ausgabe\u201d insgesamt \u2013 ist noch nicht vollendet, aber inwiefern, um etwas pr\u00e4ziser zu sagen?<\/b><\/p>\n<p>\u2014 Die Kant-Ausgabe der fr\u00fcheren Preu\u00dfischen Akademie der Wissenschaften hat eine lange und wechselvolle Geschichte. Was 1896 als Pionierleistung begonnen wurde, war rund 60 Jahre sp\u00e4ter zu einer nur notd\u00fcrftig geflickten Ruine geworden. Der urspr\u00fcnglich geplante Bau ist nie fertig geworden und seit 2010 bem\u00fcht sich die Berlin-Brandenburgi- sche Akademie der Wissenschaften um eine Revision vor allem der Abteilung I mit den \u203aWerken\u2039 oder Druckschriften und die Fertigstellung der Abteilung IV, d. h. insbesondere um den Abschlu\u00df des Bandes XXVI mit den Vorlesungen \u00fcber Physische Geographie. Diese werden &#8211; wie ich meine &#8211; noch manches neue Licht auf die innere Entwicklung des Philosophen werfen.<\/p>\n<p><b>\u2014 Wie sch\u00e4tzen Sie die Perspektiven dieser Arbeit ein? Gibt es Interesse daf\u00fcr bei jungen Mitarbeitern? Wichtige Hilfe von den ausl\u00e4ndischen Kollegen?<\/b><\/p>\n<p>\u2014 Ein Interesse ist vielfach vorhanden bzw. entsteht, wenn sich junge Leute ernsthaft den Kantischen Texten zuwenden k\u00f6nnen. Doch fehlt es &#8211; wenn ich recht sehe &#8211; mitunter an einer hinreichenden staatlichen oder privaten Unterst\u00fctzung, um dies auch praktisch tun\u00a0 zu k\u00f6nnen. Der Kontakt und Austausch mit ausl\u00e4ndischen Kollegen ist wichtig, sogar &#8211; wie Sie an einigen meiner Publikationen sehen k\u00f6nnen &#8211; bei Forschungen nach Handschriften von Kant selber oder von seinen Studenten.<\/p>\n<p><b>\u2014 Was sind gr\u00f6\u00dfte Verschwinden und gr\u00f6\u00dfte Funden in Materialen der Kant-Forschung im XX. Jahrhundert? Besteht es die Hoffnung, das Verlorene wieder zu finden?<\/b><\/p>\n<p>\u2014 Als Kant im Februar 1804 in K\u00f6nigsberg starb, war ein erheblicher Teil seiner Handschriften nicht in seinem Haus. 1799\/1800 hat er einige Materialien an zwei j\u00fcngere Kollegen (Friedrich Theodor Rink \/ Gottlob Benjamin J\u00e4sche) zum Zweck der Publikation \u00fcbergeben. Diese Absicht ist nur in Teilen realisiert worden. Bis heute wissen wir dar\u00fcber leider sehr wenig Genaues. Fest steht jedoch, da\u00df auch Kant\u2019s Verleger der letzten Jahre (Friedrich Nicolovius) in etwa zu derselben Zeit Papiere von Kant erhalten haben mu\u00df. Diese sind rund 30 Jahre weitgehend unbeachtet in K\u00f6nigsberg verblieben. Mit dem Ende des Verlages von Nicolovius beginnt eine komplizierte Geschichte, die bis heute andauert. Die vielleicht wichtigste Rolle spielt darin der K\u00f6nigsberger Bibliothekar Rudolf Reicke,\u00a0 der in der zweiten H\u00e4lfte des 19ten Jahrhunderts eine gro\u00dfe Sammlung von Kantischen Handschriften und studentischen Vorlesungsnachschriften zustande gebracht hat. Diese Sammlung ging 1907 in den Besitz der damaligen Staats- und Universit\u00e4tsbibliothek in K\u00f6nigsberg \u00fcber. Zusammen mit weiteren Teilen des Nachlasses, der auf verschiedenen Wegen in diese Bibliothek gelangt waren, sind diese Nachla\u00dfst\u00fccke seit 1945 verschollen. &#8211; Ich hoffe noch immer, da\u00df wenigstens Teile davon wiedergefunden werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Interview mit Dr. Werner Stark, Honorarprofessor der Philipps-Universit\u00e4t Marburg.\u00a0Aufgenommen von Andrej Silber, Mitarbeiter des Kant-Instituts, w\u00e4hrend des Forschungsaufenthalts in Marburg in Rahmen des deutsch-russischen Programms \u201eImmanuel Kant\u201c. \u2014 Wie war Ihr Weg zur Kant-Forschung? 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