{"id":376,"date":"2014-04-28T18:04:00","date_gmt":"2014-04-28T18:04:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kant-online.ru\/en\/?p=376"},"modified":"2014-04-28T18:06:33","modified_gmt":"2014-04-28T18:06:33","slug":"monique-castillo-die-selbstkritik-als-allerletztes-schicksal-der-europaischen-aufklarung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kant-online.ru\/en\/monique-castillo-die-selbstkritik-als-allerletztes-schicksal-der-europaischen-aufklarung\/","title":{"rendered":"Monique Castillo. Die Selbstkritik als allerletztes Schicksal der europ\u00e4ischen Aufkl\u00e4rung?"},"content":{"rendered":"<p align=\"center\"><strong>Einf\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Um eine Kritik der Vernunft, die zu der Aufkl\u00e4rung geh\u00f6rt, von einer Kritik der Vernunft, die sich gegen die Aufkl\u00e4rung wendet, zu unterscheiden, muss man drei verschiedenen Bedeutungen vom Wort \u201eAufkl\u00e4rung\u201c ber\u00fccksichtigen:<\/p>\n<ul>\n<li>eine engere philosophische Bedeutung, welche die Aufkl\u00e4rung als Zerst\u00f6rung der Vorurteile und der Traditionen begreift.<\/li>\n<li>eine weitere philosophische Bedeutung, f\u00fcr die die Kritik der Vernunft die Vitalit\u00e4t der Vernunft ausmacht.<\/li>\n<li>eine historisch-kulturelle Bedeutung, welche die Aufkl\u00e4rung mit dem Schicksal der europ\u00e4ischen, dann westlichen, Kultur identifiziert.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Unser Vortrag wird zwei Paradigmen der Kritik der Aufkl\u00e4rung entgegensetzen, um zur Frage der zeitgen\u00f6ssischen Verst\u00e4ndlichkeit der Aufkl\u00e4rung zu f\u00fchren. Das erste Paradigma ist kantisch, da der Kantismus selbst eine Kritik der Aufkl\u00e4rung erzeugt hat, deren Wirkung darin bestanden hat, die echte Bestimmung der Vernunft erkennen zu lassen, die praktisch ist. Das zweite Paradigma, das sich selbst antimodern erkl\u00e4rt und in Europa infolge des zweiten Weltkrieges geboren wurde, den Totalitarismus mit dem Scheitern der westlichen Aufkl\u00e4rung verbindet. Daraus entsteht die folgende Frage: kann eine derma\u00dfen radikale Kritik zu einer Regeneration der Aufkl\u00e4rung f\u00fchren, oder f\u00fchrt sie nur zu ihrem Ruin? Wir werden, um darauf zu antworten, drei zeitgen\u00f6ssische Lekt\u00fcren des Schicksals der Aufkl\u00e4rung erw\u00e4hnen, das der Aufkl\u00e4rung nach der Kritik der Aufkl\u00e4rung geschah:<\/p>\n<ul>\n<li>die Selbstkritik als allerletztes Schicksal der europ\u00e4ischen Aufkl\u00e4rung<\/li>\n<li>der kommunikative Wiederaufbau der praktischen Vernunft<\/li>\n<li>die neue ethische Entfaltung der Vernunft als \u201eerweiterte Denkungsart\u201c<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"center\"><b>&#8211; I \u2013<\/b><\/p>\n<p align=\"center\"><b>Zwei Paradigmen der Kritik der Aufkl\u00e4rung<\/b><\/p>\n<p><b>\u00a0<\/b><\/p>\n<p>A)\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <b><i>Das kantische Paradigma<\/i><\/b>:<\/p>\n<p>Die <i>Kritik der Urteilsfraft <\/i>\u00a0(\u00a7 40) stellt sich die Aufkl\u00e4rung dar, die mit der Befreiung vom Aberglauben identifiziert wurde, als ein blo\u03b2 negatives Moment in der Denkungsart<a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/Gleb\/AppData\/Local\/Microsoft\/Windows\/INetCache\/Content.Outlook\/X8MCC7NN\/Aufkl%C3%A4rungKaliningradCastillo.doc#_ftn1\"><sup><sup>[1]<\/sup><\/sup><\/a>. Kant bezeichnet damit eine einfach skeptische Praxis der rein vernichtenden Kritik der Vorurteile, da die skeptische Kritik ist, was zerst\u00f6rt, ohne wieder aufzubauen. Allein, w\u00e4hrend die skeptische, oberfl\u00e4chliche Aufkl\u00e4rung sich nur einen externen Feind wie Religion, Tradition oder soziale Macht angreift, bringt Kant seinerseits das Bed\u00fcrfnis der Kritik auf sein echtes Tiefenniveau : indem er die Aufkl\u00e4rung als \u201eder Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unm\u00fcndigkeit\u201c<a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/Gleb\/AppData\/Local\/Microsoft\/Windows\/INetCache\/Content.Outlook\/X8MCC7NN\/Aufkl%C3%A4rungKaliningradCastillo.doc#_ftn2\"><sup><sup>[2]<\/sup><\/sup><\/a> definiert, macht er mit der Selbstkritik (handelt es sich um ein Individuum oder ein Volk) das Prinzip einer Revolution der Denkungsart, die f\u00e4hig ist, gegen den inneren Feind zu k\u00e4mpfen, d.h. die Bereitwilligkeit und das spontane Einverst\u00e4ndnis von jedem f\u00fcr seine eigene Sklaverei. Keine Freiheit ohne Verantwortung, welche f\u00fcr jeden mit dem Mut beginnt, in sich selbst die Neigung zu beschuldigen, seine eigene Vernunft im Dienst der Macht von anderen zu stellen.<\/p>\n<p>Sicherlich hat die konservative, anti-moderne Kritik ebenfalls den Negativismus der Aufkl\u00e4rung in Frage gestellt, aber allein mit dem Ziel, die dogmatischen Praktiken des Glaubens und der Tradition aufrechtzuerhalten: in diesem Fall, den Negativismus der Vernunft zu leugnen hei\u03b2t die Macht der Emanzipation und der Beleuchtung der Aufkl\u00e4rung zu leugnen. Das kantische Vorgehen ist offensichtlich ganz anders, denn, w\u00e4hrend sie die aufl\u00f6sende Macht des Verstands kritisiert, bringt sie die Vernunft zu ihrer echten Bestimmung zur\u00fcck, die praktisch ist. Kant hat vollkommen wahrgenommen das Risiko einer Abweichung der Aufkl\u00e4rung in einen z\u00fcgellosen Szientismus, der jeden ethischen R\u00fccksicht auf Leben und Natur zerst\u00f6rt\u00a0: da der Verstand darauf abzielt, seine Macht durchzusetzen, ist es also notwendig, dass die kritische Philosophie eine Kritik der negativen Aufkl\u00e4rung ausf\u00fchrt, damit die Vernunft den Ehrgeiz einer Gesamtmacht des Verstands beschr\u00e4nkt: das Wissen muss begrenzt werden und die Priorit\u00e4t des praktischen vern\u00fcnftigen Interesses anerkannt werden. Solch ist das kantische Paradigma\u00a0: jede Selbstkritik der Vernunft hat notwendigerweise eine deontologische Quelle und kann nur darauf abzielen, den Glauben an Vernunft wiederaufzubauen; jede Niederrei\u03b2ung setzt einen Wiederaufbau voraus, jeder Verdacht setzt einen Glauben voraus.: \u00ab\u00a0Ich musste also das Wissen aufheben, um zum Glauben Platz zu bekommen<a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/Gleb\/AppData\/Local\/Microsoft\/Windows\/INetCache\/Content.Outlook\/X8MCC7NN\/Aufkl%C3%A4rungKaliningradCastillo.doc#_ftn3\"><sup><sup>[3]<\/sup><\/sup><\/a>\u00a0\u00bb, was vor allem ein Glauben an die Praktische Vernunft ist. Deswegen muss die Modernit\u00e4t als eine Suche und nicht als ein Besitz definiert werden: \u201e\u00a0Wenn denn nun gefragt wird: Leben wir jetzt in einem aufgekl\u00e4rten <i>Zeitalter<\/i>? so ist die Antwort: Nein, aber wohl in einem <i>Zeitalter der Aufkl\u00e4rung<\/i>\u201c<a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/Gleb\/AppData\/Local\/Microsoft\/Windows\/INetCache\/Content.Outlook\/X8MCC7NN\/Aufkl%C3%A4rungKaliningradCastillo.doc#_ftn4\"><sup><sup>[4]<\/sup><\/sup><\/a>. Ist das nicht in gewisser Weise eine Fortsetzung der Berufung, die Kant den Erben der Aufkl\u00e4rung zuwies: eine gemeinsame Dynamik, die durch ihre eigenen Werte immer weiter \u00fcber sich hinausgetragen wird? F\u00fcr Hegel auch, die Vernunft geht \u00fcber die einfach negative Aufkl\u00e4rung hinaus, um das Leben der Kultur wie die Entwicklung und Selbstverstehen des Geistes einzufassen : \u201eNicht das Leben, das sich vor dem Tode scheut, sondern das ihn ertr\u00e4gt und in ihm sich erh\u00e4lt, ist das Leben des Geistes<a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/Gleb\/AppData\/Local\/Microsoft\/Windows\/INetCache\/Content.Outlook\/X8MCC7NN\/Aufkl%C3%A4rungKaliningradCastillo.doc#_ftn5\"><sup><sup>[5]<\/sup><\/sup><\/a>\u201c. Kant selbst interpretiert moralisch die religi\u00f6se Symbolik und entdeckt in ihr eine geistige Dimension. Die christliche Idee der Kommunion, zum Beispiel, ist auch eine Form der erweiterten Denkungsart\u00a0; sie \u00ab\u00a0enth\u00e4lt etwas Gro\u00dfes, die enge, eigenlebige und unvertragsame Denkungsart der Menschen, vornehmlich in Religion Sachen, zur Idee einer weltb\u00fcrgerlichen moralischen Gemeinschaft\u2026 eine Gemeinde zu der darunter vorgestellten sittlichen Gesinnung der br\u00fcderlichen Liebe zu beleben<a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/Gleb\/AppData\/Local\/Microsoft\/Windows\/INetCache\/Content.Outlook\/X8MCC7NN\/Aufkl%C3%A4rungKaliningradCastillo.doc#_ftn6\"><sup><sup>[6]<\/sup><\/sup><\/a>\u00a0\u00bb.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b><i>B)\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <\/i><\/b><b><i>Das antimoderne Paradigmes<\/i><\/b><\/p>\n<p>Eine ganz andere kritische Tonalit\u00e4t l\u00e4sst sich im XX. Jahrhundert nach den Katastrophen h\u00f6ren, die durch die zwei Weltkriege verursacht wurden. Vor allem wei\u00df man, dass die Industrialisierung einen unbarmherzigen Wettbewerb unter den Nationen, sowie Massenproduktion,\u00a0 Kriege und Verbrechen zur Folge hatte. Die Intellektuellen befassten sich damit, die alten herrschaftlichen oder imperialistischen Tr\u00e4ume zu demontieren, sie haben den Prozess des Eurozentrismus angesto\u00dfen, sie haben die Existenz einer europ\u00e4ischen Identit\u00e4t in Frage gestellt: Europa h\u00e4tte so nur eine einzige Identit\u00e4t, n\u00e4mlich die, keine Identit\u00e4t zu haben.<\/p>\n<p>Die westliche Modernit\u00e4t wird als utilitaristisch, individualistisch, technisch, westzentrisch, verheerend, angeprangert. Die Aufkl\u00e4rung wird selbst angeklagt, in Keim die totalit\u00e4ren Abweichungen des 20. Jahrhunderts getragen zu haben. \u201eDie Vernunft ist totalit\u00e4r\u201c dachte Adorno: sie verh\u00e4lt sich hinsichtlich der Sachen als ein Diktator hinsichtlich der Menschen: er kennt sie, so weit er sie manipulieren kann.\u201c<a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/Gleb\/AppData\/Local\/Microsoft\/Windows\/INetCache\/Content.Outlook\/X8MCC7NN\/Aufkl%C3%A4rungKaliningradCastillo.doc#_ftn7\"><sup><sup>[7]<\/sup><\/sup><\/a> Dieser Text hat im Jahre 1947 erschienen. Er wird lange Zeit einen schrecklichen Verdacht auf der Vernunft ruhen lassen\u00a0: mit dem aus der Aufkl\u00e4rung entstandenen Rationalit\u00e4tsideal wurde die totalit\u00e4re Rationalisierung des Massenmords verbindet.<\/p>\n<p>Die neue Kritische Theorie erkl\u00e4rt durch eine dialektische Umkehrung der Vernunft das, was sie als das verh\u00e4ngnisvolle Schicksal der Modernit\u00e4t der Aufkl\u00e4rung anschaut\u00a0: die Rationalisierung der Mittel hat die Vern\u00fcnftigkeit der Zwecke \u00fcbertroffen. In kantischen Worten: es ist nicht die Vernunft, sondern der Verstand, der es \u00fcberwogen hat. In adornischen Worten\u00a0: das Freiheitsprojekt hat sich in Beherrschungsprojekt verwandelt; man beginnt, sich von der Natur zu befreien, indem man die Natur beherrscht, dann aber die ganze Gesellschaft wird wiederum zu einem Manipulationsinstrument der Menschen. Dementsprechend ist der Sieg des Humanismus nicht humanistisch, sondern nur b\u00fcrgerlich: er stellt die Staatsmacht im Dienst eines Vorgangs einer unbeschr\u00e4nkten Warenschaffung.<\/p>\n<p>Ohne den besonderen Inhalt dieser radikalen Kritik zu beurteilen, kann man nicht die Koh\u00e4renz desselben auf formeller Ebene sch\u00e4tzen? Es ist klar, dass man das Paradigma wechselt: man geht von einer philosophischen Kritik zu einer soziologischen Kritik der Aufkl\u00e4rung \u00fcber, und so geht man von der Selbstkritik der Vernunft zur Selbstkritik der Gesellschaft \u00fcber, die die Vernunft f\u00f6rdert. Trotzdem bleibt die philosophische Frage: ist es m\u00f6glich, dass eine Selbstkritik der Vernunft sich in eine Selbstzerst\u00f6rung der Vernunft verwandelt? F\u00fchrt eine radikale Kritik der instrumentalen Vernunft eine Gesamtzerst\u00f6rung der Aufkl\u00e4rung oder eine andere Praxis der Aufkl\u00e4rung herbei? Mit anderen Worten: was kann Aufkl\u00e4rung nach einer solchen Entwertung der Aufkl\u00e4rung werden?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"center\"><b>&#8211; II &#8211;<\/b><b><\/b><\/p>\n<p align=\"center\"><b>Dekonstruktion und Rekonstruktion der praktischen Vernunft <\/b><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es ist m\u00f6glich, zwei sehr verschiedene fortsetzende Figuren zu identifizieren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>A. <b><i>Die Selbstkritik als allerletztes Schicksal der europ\u00e4ischen Aufkl\u00e4rung<\/i><\/b>.<\/p>\n<p>Die Erste folgt dem Urteil der kritischen Theorie als <i>negativer Dialektik<\/i>: diese muss \u201eSelbstreflexion der Dialektik\u201c sein, das hei\u00dft \u201e eine Negation der Negation, welche nicht in Position \u00fcbergeht\u2026 Es liegt in der Bestimmung negativer Dialektik, dass sie sich nicht bei sich beruhigt\u201c<a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/Gleb\/AppData\/Local\/Microsoft\/Windows\/INetCache\/Content.Outlook\/X8MCC7NN\/Aufkl%C3%A4rungKaliningradCastillo.doc#_ftn8\"><sup><sup>[8]<\/sup><\/sup><\/a>. Mit anderen Worten: eine permanente Selbstkritik muss als das allerletzte Schicksal der europ\u00e4ischen Aufkl\u00e4rung ge\u00fcbt werden. Postmodernit\u00e4t wird gleichbedeutend mit Antimodernit\u00e4t. Dies ist der Weg, dem in Frankreich Denker wie Derrida oder Lyotard zum Beispiel eingeschlagen haben. In ihren Augen illustriert die Geschichte der Vernunft von der Aufkl\u00e4rung aus bis zum Marxismus dieselbe Hoffnung auf Totalisierung, und das rationalistische Ideal der Aufkl\u00e4rung w\u00e4re schlie\u00dflich in der Erfahrung des Totalitarismus gescheitert<a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/Gleb\/AppData\/Local\/Microsoft\/Windows\/INetCache\/Content.Outlook\/X8MCC7NN\/Aufkl%C3%A4rungKaliningradCastillo.doc#_ftn9\"><sup><sup>[9]<\/sup><\/sup><\/a>. Lyotard setzt die adornische Kritik der identit\u00e4ren Rationalit\u00e4t fort, und erwartet von der Postmodernit\u00e4t einen therapeutischen Skeptizismus, der eine Selbstzensur des Schriftstellers erfordert. Dieser muss auf den intellektuellen Lustprinzip verzichten (welcher der Traum oder das Imagin\u00e4re von der Ganzheit, d.h. der Vers\u00f6hnung des Menschen und der Welt ist), um einen neuen philosophischen Realit\u00e4tsprinzip anzunehmen: die Unvers\u00f6hnung als kritischer Stand zu akzeptieren und nur von einer erhabenen, aber unvorstellbaren Freiheit, von einer nicht darstellbaren Einheit zu sagen.<\/p>\n<p>F\u00fcr Denker wie Adorno oder Heidegger wird die ganze westliche Rationalit\u00e4t in Frage gestellt und soll sie vor dem Gericht der Geschichte erscheinen. F\u00fcr Adorno hat eben die soziale und politische Vollbringung der Modernit\u00e4t ihr eigenes Scheitern bedeutet. Derselbe hat die wohlbekannte und am meisten dramatisierte Formulierung dieser Krisis geliefert: die Modernit\u00e4t w\u00e4re in Auschwitz zum Abschluss gekommen. Die Wahrheit des Massenindividualismus w\u00e4re diejenige der Konzentrationslagern: die Individuen w\u00e4ren, wie jeden beherrschten Gegenstand wesentlich manipulierbar und versetzbar geworden. F\u00fcr Heidegger enth\u00fcllt die Metaphysik der Subjektivit\u00e4t ihr wahres Gesicht, dasjenige der Neuzeit, das hei\u00dft, eine reine Logik der Herrschaft und des Willens zur Macht: das kantische Phenomenalismus h\u00e4tte sich im nietzscheanischen Individualismus und Perspektivismus historisch erf\u00fcllt: es g\u00e4be keine Welt mehr, sondern nur Interpretationen der Welt. Die Realit\u00e4t wird auf eine Perspektive reduziert, sie ist nichts anderes als das Ergebnis einer subjektiven Vorstellung.<\/p>\n<p>Man k\u00f6nnte \u201eparadoxe Aufkl\u00e4rung \u201c diese \u00dcbung der Vernunft nennen, die darauf abzielt, aus Furcht vor einer totalit\u00e4ren Wirkung die Verwirklichung der Vernunft zu verhindern. Es ist die Praxis einer \u201epermanenten Dekonstruktion\u201c, die darauf abzielt, die Vernunft aufzukl\u00e4ren, \u00fcber was sie von sich selbst verkennt, und ihr erkennen zu lassen, dass, sie mit unbewusst der Technik (heideggerianische Fassung) und dem Kapitalismus (marxistische Fassung) unterworfen wird. Die zweite H\u00e4lfte des XX. europ\u00e4ischen Jahrhunderts ist durch diese dekonstruktive Praxis der Kritik gepr\u00e4gt worden, die der negativen und skeptischen Aufkl\u00e4rung \u00e4hnelt. Heute findet man davon eine Fortsetzung in der Art, wie die Europ\u00e4er einen selbstkritischen Pluralismus aus\u00fcben. Man hat dem Stil von J. Derrida nachgesagt, dass seine \u201egefolterte Sprache\u201c sich eine absolute Entbl\u00f6\u00dfung zu erreichen bem\u00fcht, wodurch der Schriftsteller f\u00fcr jeden \u201eschuldigen Begehr nach Ganzheit\u201c \u00a0im Voraus b\u00fc\u00dft. Das Hellsehen wird\u00a0 paradoxerweise zu einer hermetischen Aus\u00fcbung, wodurch ein Individuum, das Angst hat, wie ein universales Subjekt zu denken, nur das Unverm\u00f6gen ihrer Kultur ausdr\u00fccken kann, sich Zwecke zu stecken, die ideologisch nicht auszun\u00fctzen sind. Heute, bei Denkern wie Ulrich Beck oder Axel Honneth zum Beispiel ist der Pluralismus eine Art, der negativen Dialektik eine Fortsetzung zu geben. Der europ\u00e4ische Pluralismus ist selbstkritisch, wenn er sich zu akzeptieren entscheidet, dass die Kritik der Aufkl\u00e4rung, des europ\u00e4ischen Humanismus und Universalismus heute zur Forderung des Rechts zu den kulturellen Differenzen jener geh\u00f6rt, die nicht westlich geboren wurden. Ein solcher Pluralismus muss als eine europ\u00e4ische Selbstkritik Europas gelten und sich als die vorbeugende Ablehnung jeder hegemonialen Versuchung \u00f6ffentlich erweisen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>B. <b><i>Eine andere Dialektik aber kommt ebenfalls in Spiel<\/i><\/b>: jene, welche die Ma\u00dfnahme der Katastrophe ergreift, die eine Selbstvernichtung der Vernunft (eine \u201eEuthanasie der Vernunft\u201c), in einer gef\u00e4hrlichen wieder gewordenen Welt sein kann. \u201eEs w\u00e4re eben so viel, als ob jemand durch Vernunft beweisen wollte, dass es keine Vernunft gebe\u201c schreibt\u00a0 Kant. Habermas gibt diesem kantischen Argument einen Sinn wieder, wenn er denkt, dass \u201eDie totale Selbstkritik der Vernunft verwickelt sich in einem performativen Widerspruch: sie kann die Vernunft \u00fcberzeugen, zum Thema ihres autorit\u00e4ren Charakters zentriert, nur indem sie R\u00fcckgriff auf dieselben Mittel dieser Vernunft hat\u201c<a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/Gleb\/AppData\/Local\/Microsoft\/Windows\/INetCache\/Content.Outlook\/X8MCC7NN\/Aufkl%C3%A4rungKaliningradCastillo.doc#_ftn10\"><sup><sup>[10]<\/sup><\/sup><\/a>.\u00a0Wie kann man zwar die Frage beantworten, welches h\u00f6chste Interesse die Kritik der Vernunft leitet?<\/p>\n<p>Denn eins von beiden:<\/p>\n<p>&#8211; oder ist dieses Interesse theoretisch, und die Kritik der Vernunft ist dann eine externe Kritik, welche die Vernunft nach den Kenntnissen beurteilt, die von den Geisteswissenschaften geleistet wurden, aber dies schlie\u03b2lich den Sieg des Positivismus gew\u00e4hrleistet, und die Macht desselben zu beherrschen ausdehnt.<\/p>\n<p>&#8211; oder wird die Suche nach Selbsterkenntnis von Vernunft durch ein praktisches Interesse geleitet, welches nur ein Interesse zur Emanzipation sein kann.<\/p>\n<p>Ein Interesse zur Emanzipation, dessen Sinn und Eins\u00e4tze heute ge\u00e4ndert werden: es handelt sich nicht mehr so sehr darum, die Individuen durch die Verbreitung des Wissens vom Aberglaube zu befreien, wie es im 18. Jahrhundert war; es handelt sich darum bevorzugt und dringend, das praktische Bed\u00fcrfnis der Vernunft von seiner reinen und einfachen Reduzierung auf eine Ideologie zu befreien, welche die theoretische und historistische Kritik der Aufkl\u00e4rung im 20. Jahrhundert als selbstverst\u00e4ndlich zuletzt aufgedr\u00e4ngt hatte.. Was man auch \u00fcber den blo\u03b2 verfahrensartigen Charakter der Diskursethik und ihre Grenzen auf ethischer Ebene denkt, dank ihr aber wird der praktischen Vernunft eine Erbschaft gegeben, die den Herausforderungen entsprechend ist, die durch die Globalisierung gebracht wurden: kommunikative Intersubjektivit\u00e4t<i> <\/i>ist gerade bei Apel und Habermas als ein rationaler wesentlich praktischer Bedarf f\u00fcr die Einrichtung eines weltweiten \u00f6ffentlichen Raums nach Normen definiert worden, die angenommen und geteilt werden k\u00f6nnen; ein solches Bed\u00fcrfnis \u00fcberschreitet sicherlich das Gebiet der instrumentalen Rationalit\u00e4t, die es gar nicht erzeugen kann.<\/p>\n<p>Die Kommunikationsethik will \u00fcber das Stadium eines\u00a0 utilitaristischen und pragmatischen Konsenses hinausreichen zugunsten einer Rekonstruktion der praktischen Vernunft. Es geht darum, universell Normen aufzustellen, die in der Lage sind, das gemeinsame Leben\u00a0 mit der Zustimmung der Partner zu regeln. Auf diesem Niveau gibt die Argumentationspraxis die ethischen Prinzipien des Austausches. Argumentieren hei\u00dft, die Intersubjektivit\u00e4t als Ursprung des Sinnes von jeglichem individuellen Wort anzunehmen. Die Kommunikationsethik geht nicht vom denkenden Subjekt aus, sondern vom argumentierenden Subjekt. Der Gedankengang ist der folgende: Will ein Individuum von der Richtigkeit einer Idee \u00fcberzeugen, will es von allen verstanden werden. Daf\u00fcr akzeptiert es, Normen zu respektieren, die Normen n\u00e4mlich, die das Verstehen seiner Rede durch andere m\u00f6glich machen. Es erlegt sich Zw\u00e4nge auf, die gleichzeitig \u00fcber seine Person und die Gemeinschaft, der es angeh\u00f6rt, hinausgehen, um eine ideale Kommunikationsgemeinschaft zu erreichen.<\/p>\n<p>Die \u00f6ffentlichen Debatten in den Medien, an den Universit\u00e4ten und in den Parlamenten schaffen einen demokratischen Diskussionsraum, in dem jeder lernt, in das f\u00fcr ihn \u00fcberzeugendste Argument einzuwilligen. Nicht Kraft noch Verf\u00fchrung<b>\u00a0 <\/b>sind\u00a0 aufgerufen, zu obsiegen, sondern Selbsterziehung der Meinung dank einer Dialog, die die Geister lehrt, auf sich selbst einzuwirken und aus sich selbst heraus vernunftm\u00e4\u00dfig zu denken.<\/p>\n<p>Diese Praxis hat jedoch ihre Grenzen, denn sie beschr\u00e4nkt sich darauf, juristisch abstrakte und formale Normen gegenseitigen Respekts zu formulieren, die aber nicht die Gr\u00fcnde f\u00fcr das Leben, die ultimativen Motive, die jeder seinem Leben zumisst, ber\u00fchren. Sie regeln die Beziehungen zwischen den Menschen und den Staaten, ohne sich zu irgendeiner\u00a0 Mystik oder Metaphysik zu bekennen oder Leidenschaft zu erregen, aber sie verstehen es, \u00fcberzeugend<b> <\/b>darzutun, dass man neue Steuern oder neue Vertr\u00e4ge zu akzeptieren hat, oder aber gegenseitiger Hilfe leisten soll, um zu verhindern, dass die Ungleichheit unertr\u00e4glich wird. Nur<b> <\/b>unter dieser Bedingung ist die Hinnahme von Zw\u00e4ngen m\u00f6glich, jedoch im Tausch mit dem, was Habermas \u201eabstrakte Solidarit\u00e4t\u201c nennt, das hei\u00dft eine einfach juristische Solidarit\u00e4t, eine Solidarit\u00e4t zwischen Personen, die einander fremd sind und voneinander getrennt bleiben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"center\"><b>III<\/b><\/p>\n<p align=\"center\"><b>Die neue ethische Entfaltung der Vernunft als \u201eerweiterte Denkungsart\u201c<\/b><\/p>\n<p><b><i>\u00a0<\/i><\/b><\/p>\n<p><b><i>\u00a0Die \u201eerweiterte Denkungsart\u201c<\/i><\/b><\/p>\n<p>Sicherlich verstand Kant selbst die Nachfolge der Aufkl\u00e4rung als\u00a0 kommunikativ: \u201e\u00ab\u00a0Allein wie viel und mit welcher Richtigkeit w\u00fcrden wir wohl denken, wenn wir nicht gleichsam in Gemeinschaft mit andern, denen wir unsere und die uns ihrer Gedanken mittheilen, d\u00e4chten\u201c<a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/Gleb\/AppData\/Local\/Microsoft\/Windows\/INetCache\/Content.Outlook\/X8MCC7NN\/Aufkl%C3%A4rungKaliningradCastillo.doc#_ftn11\"><sup><sup>[11]<\/sup><\/sup><\/a>. Diese Meinung wurde wieder aufgenommen in der dritten Kritik mit dem Ausdruck \u201eerweiterte Denkungsart\u201c<a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/Gleb\/AppData\/Local\/Microsoft\/Windows\/INetCache\/Content.Outlook\/X8MCC7NN\/Aufkl%C3%A4rungKaliningradCastillo.doc#_ftn12\"><sup><sup>[12]<\/sup><\/sup><\/a>, das hei\u00dft: \u201can der Stelle jedes andern denken\u201c. Nun aber scheint es m\u00f6glich diesem Ausdruck einen \u00e4sthetischen, ethischen und selbst religi\u00f6sen Sinn, als einer dritten Art, die Aufkl\u00e4rung heutzutage vom neuen zu denken. Dann hat sich heute noch ge\u00e4ndert unserer Beziehung zur Aufkl\u00e4rung, und gibt es einen anderen Weg f\u00fcr die Aus\u00fcbung der erweiterten Denkungsart, den Weg des Verst\u00e4ndnisses, durch das was Kant \u00ab\u00a0symbolische Hypotypose\u00a0\u00bb nennt.<\/p>\n<p>Heute, ein neues Bild der westlichen Modernit\u00e4t zeichnet sich zwar ab: das Bild einer intellektuell relativierten Kultur unter anderen, die sowohl \u00e4u\u00dferlich (durch Gewalt) als auch innerlich (durch die nihilistische Fassung seines eigenen Relativismus) ontologisch bedroht wird. So dass eine neue Art, Freiheit und Wissenschaft zu verbinden, notwendig geworden ist, um die Zukunft zu denken; und diese f\u00fchrt zur\u00fcck, die urspr\u00fcngliche Berufung der Aufkl\u00e4rung ohne Vorurteil vom neuen zu \u00fcberpr\u00fcfen, die von einem (mit husserlischen Worten) \u201eunendlichen Aufgabenhorizont als Einheit einer unendlichen Aufgabe\u201c<a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/Gleb\/AppData\/Local\/Microsoft\/Windows\/INetCache\/Content.Outlook\/X8MCC7NN\/Aufkl%C3%A4rungKaliningradCastillo.doc#_ftn13\"><sup><sup>[13]<\/sup><\/sup><\/a>.<\/p>\n<p>Europa lebt mit der Schande, imperialistisch, totalit\u00e4r und kolonialistisch gewesen zu sein. Deswegen neigt es dazu, aus der Verachtung seiner selbst ein Zeichen von Toleranz und Weltoffenheit\u00a0 zu machen, gerade so, als sei seine Selbstverneinung das ultimative Zeugnis des Universalismus seiner Werte: Ein antieurop\u00e4ischer Moralismus ist zum inneren Feind der europ\u00e4ischen Kultur geworden. Aber diese Verleugnung ist so kontraproduktiv geworden, dass sie Europa in Gefahr bringt:\u00a0 Entkultivierung,\u00a0 Relativismus, Antihumanismus zerst\u00f6ren es unmerklich von innen her in einem Grade, dass die Rhetorik der &#8220;political correctness&#8221; machtlos geworden ist im Hinblick auf die Abwendung von Gefahren durch kurzlebige Illusionen von Einm\u00fctigkeit. Also, die kantische Aufkl\u00e4rung heute von neuen zu denken, das hei\u00dft, den Glauben der Europ\u00e4er an ihre eigene Zivilisation wieder zu herstellen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wir brauchen eine kollektive Intelligenz unseres sporadisch verteilten Wissens. Eine neue Art \u00f6ffentlicher Kultur muss zutage treten, denn weniger die extreme Spezialisierung der Akteure als ihr gegenseitiges Verst\u00e4ndnis ist k\u00fcnftig die Zugangsberechtigung zur selben gemeinsamen Realit\u00e4t. Ein kultureller Kosmopolitismus ist denkbar, weil seine Vitalit\u00e4t nicht gleichbedeutend ist mit Hegemonie, sondern mit Ausstrahlung, da er nicht aus einer Summe von Eroberungen besteht, sondern aus einer Form von Energie. Die Macht der Inspiration zu vermehren, ist eine Form von \u201eBr\u00fcderlichkeit\u201c, die in keiner Weise von den neuen Kommunikationsmitteln zunichte gemacht wird.<\/p>\n<p>Die kantische \u00c4sthetik erm\u00f6glicht es, insofern sie die Kommunikation zwischen Menschen als das echte Wesen aller menschlichen Kultur, da \u00ab Humanit\u00e4t einerseits \u00a0das allgemeine Theilnehmungsgef\u00fchl, andererseits das Verm\u00f6gen sich innigt und allgemein mittheilen zu k\u00f6nnen bedeutet.<a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/Gleb\/AppData\/Local\/Microsoft\/Windows\/INetCache\/Content.Outlook\/X8MCC7NN\/Aufkl%C3%A4rungKaliningradCastillo.doc#_ftn14\"><sup><sup>[14]<\/sup><\/sup><\/a>\u00a0\u00bb So, an esthetical conception of universalism is not a technical one. It doesn\u2019t consist in identifying universalism to a mere homogenization of social habits, to a destruction of values by reducing them to a single commercial sub-culture, to the same conditioning and the same levelling. That confusion reduces culture to an exclusively instrumental relation to objects, whereas culture has a vocation for inspiring an esthetical-ethical relation to the world and to the others. While a technical conception of communication sees the other (other man, other culture) as a conditioned thought, the ethical-esthetical conception sees the others as the condition for the very possibility to think.<\/p>\n<p>We must acknowledge that a culture is not an enclosed reality, a closed and finished language, similar to a dead language that would endlessly reproduce its own past only. On the contrary, a culture has a vocation for growing richer in what she gives, in what she makes it possible, to be understood and traduced in other <i>symbolic languages<\/i>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b><i>Die \u201eGenerosit\u00e4t\u201c der Aufkl\u00e4rung<\/i><\/b><b><\/b><\/p>\n<p>Diese neue ethische Entfaltung der universalistischen Berufung der Aufkl\u00e4rung in der K\u00fcrze zu beschreiben wird man eine Eingebung von Emmanuel L\u00e9vinas benutzen, die aus seinem Buch <i>Humanismus des anderen Menschen<\/i> entnommen wurde, weil sie sich auf die \u00e4sthetische, ethische und sogar anthropologische \u201eGenerosit\u00e4t\u201c der Aufkl\u00e4rung beruft. Die Kritik der Aufkl\u00e4rung, sagt er im wesentlichen, hat zur Zerst\u00f6rung des Platonismus gef\u00fchrt; diese Zerst\u00f6rung aber beweist durch sich selbst die ethische Vitalit\u00e4t des westlichen Universalismus. (Zitat) \u201eEs war notwendig, dass die Philosophie der zeitgen\u00f6ssischen Ethnologie folgte. So wird der Platonismus besiegt! Er wird aber gerade im Namen der Gro\u00dfz\u00fcgigkeit des westlichen Denkens besiegt, welches, indem es den <i>abstrakten<\/i> Menschen in allen Menschen einsieht, den absoluten Wert der Person verk\u00fcndet hat (\u2026) Der Platonismus wird durch dieselben Mittel besiegt, wie diejenigen, die das aus Plato entstammte universale Denken geliefert hat\u201c<a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/Gleb\/AppData\/Local\/Microsoft\/Windows\/INetCache\/Content.Outlook\/X8MCC7NN\/Aufkl%C3%A4rungKaliningradCastillo.doc#_ftn15\"><sup><sup>[15]<\/sup><\/sup><\/a>. Dieser Text ist zu Sinnreich, um oberfl\u00e4chlischerweise erkl\u00e4rt zu werden. Man wird ihn also der Interpretation \u00fcberlassen, indem man die Arten angeben wird, es zu interpretieren, welche auch die Arten sind, f\u00fcr die Zukunft das Erbe der Aufkl\u00e4rung zu \u00fcbernehmen.<\/p>\n<p>Der \u201ebesiegte Platonismus\u201c erw\u00e4hnt den Erfolg der Prognosen von Nietzsche auf der\u00a0\u00a0 westlichen Zivilisation sowie der heideggerianischen Lekt\u00fcre von Nietzsche. Man kann zwar die Entstehung der Aufkl\u00e4rung in einer einfach historistischen Hinsicht\u00a0 behandeln, und so kann man die Entstehung der Aufkl\u00e4rung als ein einfaches Zeitalter der Geschichte der Welt isolieren und relativieren, die, wie jede andere Zivilisation, zum Opfer der Werten werden kann, die sie selbst geschaffen hat. Somit, wenn die westliche Ethnologie selbst behauptet, dass alle Kulturen vom gleichen sind, bringt sie nur eine Umkehrung der Aufkl\u00e4rung zum Abschluss, die Aufkl\u00e4rung selbst programmieren kann.<\/p>\n<p>Trotzdem findet dann keine Reduzierungs- und Selbstvernichtungshandlung statt, sondern eine Schenkungshandlung, eine Gabe. In der ethnologischen \u201eZerst\u00f6rung\u201c von sich selbst f\u00fchrt die Philosophie der Aufkl\u00e4rung ihre eigene kulturelle Kreativit\u00e4t aus, indem sie die Vitalit\u00e4t der Kulturen anerkennt, die ihr fremd oder feindselig sind. So wird offenbar die authentische Berufung des Universalismus der Aufkl\u00e4rung, eine Berufung, die der kulturelle Reduktionismus zerst\u00f6rt, bevor er es begreift: ihre allerletzte Zweckbestimmung ist nicht die Beherrschung, sondern die Ausstrahlung, da die Wirkung einer Philosophie sich nie durch Beherrschung, sondern nur durch Gro\u00dfz\u00fcgigkeit ausf\u00fchrt. Dies war die Gro\u00dfz\u00fcgigkeit der Aufkl\u00e4rung, eine Gro\u00dfz\u00fcgigkeit, die ein eng und dogmatisch kultureller Egalitarismus in Vergessenheit bringt, und von nun an unverst\u00e4ndlich macht. Freiheit, Gleichheit und W\u00fcrde von jedem rational zu Grundrechten machen ist eine \u201eGenerosit\u00e4t\u201c der Aufkl\u00e4rung, die, dank dem Wirken der Abstraktion m\u00f6glich ist: alle Kinder werden abh\u00e4ngig geboren, man wei\u00df es aus Erfahrung, aber die Vernunft sieht sie frei an, genauso wie sie in einem Feind seinesgleichen dem Recht nach erkennt. Die Vernunft, die die Abweichungen der Vernunft selbst verurteilt, ist kein Inhalt, sondern eine reine Energie<a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/Gleb\/AppData\/Local\/Microsoft\/Windows\/INetCache\/Content.Outlook\/X8MCC7NN\/Aufkl%C3%A4rungKaliningradCastillo.doc#_ftn16\"><sup><sup>[16]<\/sup><\/sup><\/a>, die sich nur verwirklicht, indem sie sich unendlichen Aufgaben gibt\u2026, das hei\u00dft unaufh\u00f6rliche neue Anf\u00e4nge.<\/p>\n<p>H\u00f6ren wir zum Schluss eine der Formeln von Pato\u010dka wie sein Testament:<\/p>\n<p>\u201eEuropa hat zwei Wege zur Befreiung des Planeten gebahnt: den \u00e4u\u00dferen Weg der Eroberung und universellen Hegemonie, welcher sein Ruin als historische Entit\u00e4t war, und den inneren Weg der Befreiung des Planeten als Befreiung der Welt, als Weltwerdende der Lebenswelt,\u00a0 der Weg, der nun wiederentdeckt und nach den Katastrophen des Au\u00dfen und den Wirrungen und Fehlleistungen des Inneren bis zu seinem Ende gegangen werden muss<a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/Gleb\/AppData\/Local\/Microsoft\/Windows\/INetCache\/Content.Outlook\/X8MCC7NN\/Aufkl%C3%A4rungKaliningradCastillo.doc#_ftn17\"><sup><sup>[17]<\/sup><\/sup><\/a>\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Dieser Vortrag wurde\u00a0am 21. &#8211; 23. April 2014\u00a0im Rahmen der XI Internationalen Kant-Konferenz \u00a0in Kaliningrad gehalten und im Sammelband der Konferenz veroeffentlicht:<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Castillo, M. Die Selbstkritik als allerletztes Schicksal der europ\u04d3ischen Aufkl\u04d3rung?\/\/ XI\u00a0\u041a\u0430\u043d\u0442\u043e\u0432\u0441\u043a\u0438\u0435 \u0447\u0442\u0435\u043d\u0438\u044f: \u041a\u0430\u043d\u0442\u043e\u0432\u0441\u043a\u0438\u0439 \u043f\u0440\u043e\u0435\u043a\u0442 \u043f\u0440\u043e\u0441\u0432\u0435\u0449\u0435\u043d\u0438\u044f \u0441\u0435\u0433\u043e\u0434\u043d\u044f = XI\u00a0Kant\u00a0Readings: Kant\u2019s\u00a0Enlightenment\u00a0Project\u00a0Today: \u041c\u0430\u0442\u0435\u0440\u0438\u0430\u043b\u044b \u043c\u0435\u0436\u0434\u0443\u043d\u0430\u0440\u043e\u0434\u043d\u043e\u0439 \u043a\u043e\u043d\u0444\u0435\u0440\u0435\u043d\u0446\u0438\u0438, 21 \u2013 23 \u0430\u043f\u0440\u0435\u043b\u044f 2014 \u0433. \u2013 \u041a\u0430\u043b\u0438\u043d\u0438\u043d\u0433\u0440\u0430\u0434: \u0418\u0437\u0434-\u0432\u043e \u0411\u0424\u0423 \u0438\u043c. \u0418. \u041a\u0430\u043d\u0442\u0430, 2014. \u0421. 5 \u2013 18.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div><br clear=\"all\" \/><\/p>\n<hr align=\"left\" size=\"1\" width=\"33%\" \/>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/Gleb\/AppData\/Local\/Microsoft\/Windows\/INetCache\/Content.Outlook\/X8MCC7NN\/Aufkl%C3%A4rungKaliningradCastillo.doc#_ftnref1\">[1]<\/a> Kant, <i>Kritik der Urteilskraft<\/i>, AK, V, 294.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/Gleb\/AppData\/Local\/Microsoft\/Windows\/INetCache\/Content.Outlook\/X8MCC7NN\/Aufkl%C3%A4rungKaliningradCastillo.doc#_ftnref2\">[2]<\/a> Kant, <i>Was ist Aufkl\u00e4rung\u00a0?<\/i> AK, VIII, 35.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/Gleb\/AppData\/Local\/Microsoft\/Windows\/INetCache\/Content.Outlook\/X8MCC7NN\/Aufkl%C3%A4rungKaliningradCastillo.doc#_ftnref3\">[3]<\/a> Kant, <i>Kritik der reinen Vernunft<\/i>, AK, III, S. 19.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/Gleb\/AppData\/Local\/Microsoft\/Windows\/INetCache\/Content.Outlook\/X8MCC7NN\/Aufkl%C3%A4rungKaliningradCastillo.doc#_ftnref4\">[4]<\/a> Kant,<i> Was ist Aufkl\u00e4rung?<\/i>, AK, VIII, 40.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/Gleb\/AppData\/Local\/Microsoft\/Windows\/INetCache\/Content.Outlook\/X8MCC7NN\/Aufkl%C3%A4rungKaliningradCastillo.doc#_ftnref5\">[5]<\/a> Hegel, <i>Ph\u00e4nomenologie des Geistes<\/i>, Vorrede, Ein Ullstein Buch, S. 29.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/Gleb\/AppData\/Local\/Microsoft\/Windows\/INetCache\/Content.Outlook\/X8MCC7NN\/Aufkl%C3%A4rungKaliningradCastillo.doc#_ftnref6\">[6]<\/a> \u00a0Kant, <i>Die Religion innerhalb der Grenzen der blossen vernunft,<\/i> AK, VI, S. 199<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/Gleb\/AppData\/Local\/Microsoft\/Windows\/INetCache\/Content.Outlook\/X8MCC7NN\/Aufkl%C3%A4rungKaliningradCastillo.doc#_ftnref7\">[7]<\/a> T. W. Adorno, M. Horkheimer, <i>Dialektik der Aufkl\u00e4rung<\/i><i>.<\/i> <i>Dialectique de la raison<\/i>, Paris, 1974 , 27. <i>\u00a0<\/i><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/Gleb\/AppData\/Local\/Microsoft\/Windows\/INetCache\/Content.Outlook\/X8MCC7NN\/Aufkl%C3%A4rungKaliningradCastillo.doc#_ftnref8\">[8]<\/a> T.W. Adorno, <i>Negative Dialektik<\/i>, Suhrkamp, 1973, \u00a0S. 398.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/Gleb\/AppData\/Local\/Microsoft\/Windows\/INetCache\/Content.Outlook\/X8MCC7NN\/Aufkl%C3%A4rungKaliningradCastillo.doc#_ftnref9\">[9]<\/a> J.F. Lyotard, <i>Moralit\u00e9s postmodernes<\/i>, Paris, 1993, p. 93.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/Gleb\/AppData\/Local\/Microsoft\/Windows\/INetCache\/Content.Outlook\/X8MCC7NN\/Aufkl%C3%A4rungKaliningradCastillo.doc#_ftnref10\">[10]<\/a> J. Habermas, <i>Der philosophische Diskurs der Moderne. <\/i><i>Le discours philosophique de la modernit\u00e9<\/i>, Paris, 1988, 219.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/Gleb\/AppData\/Local\/Microsoft\/Windows\/INetCache\/Content.Outlook\/X8MCC7NN\/Aufkl%C3%A4rungKaliningradCastillo.doc#_ftnref11\">[11]<\/a> Kant, <i>Was hei\u03b2t: sich im Denken Orientieren?<\/i>, AK, VIII, 144.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/Gleb\/AppData\/Local\/Microsoft\/Windows\/INetCache\/Content.Outlook\/X8MCC7NN\/Aufkl%C3%A4rungKaliningradCastillo.doc#_ftnref12\">[12]<\/a> Kant, <i>Kritik der Urteilskraft<\/i>, AK, VIII, 40<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/Gleb\/AppData\/Local\/Microsoft\/Windows\/INetCache\/Content.Outlook\/X8MCC7NN\/Aufkl%C3%A4rungKaliningradCastillo.doc#_ftnref13\">[13]<\/a> Husserl, <i>Die Krisis des europ\u00e4ischen Menschentums und die Philosophie<\/i>.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/Gleb\/AppData\/Local\/Microsoft\/Windows\/INetCache\/Content.Outlook\/X8MCC7NN\/Aufkl%C3%A4rungKaliningradCastillo.doc#_ftnref14\">[14]<\/a> Kant, <i>Tugendlehre<\/i>, \u00a7 34. <i>Kritik der Urteilskraft<\/i>, AK, V, \u00a7 60, S. 355.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/Gleb\/AppData\/Local\/Microsoft\/Windows\/INetCache\/Content.Outlook\/X8MCC7NN\/Aufkl%C3%A4rungKaliningradCastillo.doc#_ftnref15\">[15]<\/a> E. L\u00e9vinas, <i>Humanisme de l\u2019autre homme<\/i>, Paris, 1972, 55.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/Gleb\/AppData\/Local\/Microsoft\/Windows\/INetCache\/Content.Outlook\/X8MCC7NN\/Aufkl%C3%A4rungKaliningradCastillo.doc#_ftnref16\">[16]<\/a> E. Cassirer, <i>Die Philosophie der Aufkl\u00e4rung<\/i>. (traduction fran\u00e7aise, Fayard, Paris, 1970, page 48).<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/Gleb\/AppData\/Local\/Microsoft\/Windows\/INetCache\/Content.Outlook\/X8MCC7NN\/Aufkl%C3%A4rungKaliningradCastillo.doc#_ftnref17\">[17]<\/a> Jan Pato\u010dka, <i>Europa nach Europa<\/i>, <i>L\u2019Europe apr\u00e8s l\u2019Europe\u00a0\u00bb, <\/i>Editions Verdier, Paris, 2007, p. 43.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einf\u00fchrung Um eine Kritik der Vernunft, die zu der Aufkl\u00e4rung geh\u00f6rt, von einer Kritik der Vernunft, die sich gegen die Aufkl\u00e4rung wendet, zu unterscheiden, muss man drei verschiedenen Bedeutungen vom Wort \u201eAufkl\u00e4rung\u201c ber\u00fccksichtigen: eine engere philosophische Bedeutung, welche die Aufkl\u00e4rung als Zerst\u00f6rung der Vorurteile und der Traditionen begreift. eine weitere philosophische Bedeutung, f\u00fcr die die [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":379,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[2],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kant-online.ru\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/376"}],"collection":[{"href":"https:\/\/kant-online.ru\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kant-online.ru\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kant-online.ru\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kant-online.ru\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=376"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/kant-online.ru\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/376\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":380,"href":"https:\/\/kant-online.ru\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/376\/revisions\/380"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kant-online.ru\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/379"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kant-online.ru\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=376"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kant-online.ru\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=376"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kant-online.ru\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=376"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}