{"id":296,"date":"2014-02-19T13:05:03","date_gmt":"2014-02-19T13:05:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kant-online.ru\/en\/?p=296"},"modified":"2014-02-19T13:10:56","modified_gmt":"2014-02-19T13:10:56","slug":"violetta-l-waibel-transzendental-ideal-empirisch-real-kant-uber-raum-und-zeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kant-online.ru\/en\/violetta-l-waibel-transzendental-ideal-empirisch-real-kant-uber-raum-und-zeit\/","title":{"rendered":"Violetta L. Waibel. Transzendental ideal, empirisch real. Kant \u00fcber Raum und Zeit"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_297\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.kant-online.ru\/en\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/prof.dr_.-v.-waibel.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-297\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-297\" alt=\" Universit\u00e4tsprofessorin Dr. habil. Violetta L. Waibel M.A.\" src=\"http:\/\/www.kant-online.ru\/en\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/prof.dr_.-v.-waibel-300x200.jpg\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/kant-online.ru\/en\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/prof.dr_.-v.-waibel-300x200.jpg 300w, https:\/\/kant-online.ru\/en\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/prof.dr_.-v.-waibel.jpg 372w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-297\" class=\"wp-caption-text\"><br \/>Universit\u00e4tsprofessorin Dr. habil. Violetta L. Waibel M.A.<\/p><\/div>\n<p><b>Zusammenfassung:<\/b> <i>Mit dem janusk\u00f6pfigen Gebilde der transzendentalen Idealit\u00e4t von Raum und Zeit als Begriffen, die durch die Vernunft erwogen werden und der empirischen Realit\u00e4t der Raum-Zeit-Bestimmungen als Anschauungsformen im \u00e4u\u00dferen und inneren Sinn antwortet Kant auf die empiristischen\u00a0 Einw\u00e4nde Lamberts, die dieser im Hinblick auf die These der Idealit\u00e4t von Raum und Zeit in der Dissertation zu bedenken gegeben hat, ohne die 1770 gewonnen Einsichten systematisch ver\u00e4ndern zu m\u00fcssen. Die Erweiterung macht explizit, was sachlich bereits angelegt ist. Die von Kant zugestandene Zweigesichtigkeit stellt den Ausgang zu einer Ph\u00e4nomenologie des Raum- und Zeitbewu\u00dftseins bereit, die Kant selbst nicht ausgef\u00fchrt hat, wenngleich eine solcher Ansatz das Verst\u00e4ndnis und eine Kritik der den Raum-Zeit-Bestimmungen korrespondierenden Objektbestimmungen erheblich erleichtern k\u00f6nnte. Auf dieser Basis w\u00e4re zu diskutieren, ob Kants Theorie im Ansatz noch heute g\u00fcltig ist.<\/i><\/p>\n<p>Raum und Zeit stellen in Kants <i>Kritik der reinen Vernunft<\/i> ein merkw\u00fcrdig janusk\u00fcpfiges Gebilde dar. Sofern Raum und Zeit durch die Vernunft erwogen werden, um von ihnen einen Begriff zu gewinnen, mutet uns Kant zu, sie als <i>tranzendental ideal<\/i> bestimmt zu betrachten. Sehen wir in ihnen die Bedingung jeder nur m\u00f6glichen sinnlichen Erfahrung, werden sie also als reine Formen der Anschauung begriffen, so sind sie Kant zufolge <i>empirisch real<\/i> bestimmt. In Kants Worten:<\/p>\n<p>\u00abUnsere Er\u00f6rterungen lehren demnach die <i>Realit\u00e4t<\/i> (d.i. die objektive G\u00fcltigkeit) des Raumes in Ansehung alles dessen, was \u00e4u\u00dferlich als Gegenstand uns vorkommen kann, aber zugleich die <i>Idealit\u00e4t<\/i> des Raumes in Ansehung der Dinge, wenn sie durch die Vernunft an sich selbst erwogen werden, d.i. ohne R\u00fccksicht auf die Beschaffenheit unserer Sinnlichkeit zu nehmen. Wir behaupten also die <i>empirische Realit\u00e4t<\/i> des Raumes (in Ansehung aller m\u00f6glichen \u00e4u\u00dferen Erfahrung), ob zwar <i>zugleich<\/i> die <i>transzendentale Idealit\u00e4t<\/i> desselben, d.i. da\u00df er nichts sei, sobald wir die Bedingung der M\u00f6glichkeit aller Erfahrung weglassen, und ihn als etwas, was den Dingen an sich selbst zum Grunde liegt, annehmen.\u00bb [2, A 27-28\/B 43-44]<\/p>\n<p>Die entsprechende Parallelstelle zur Zeit lautet:<\/p>\n<p>\u00abUnsere Behauptungen lehren demnach <i>empirische Realit\u00e4t<\/i> der Zeit, d.i. objektive G\u00fcltigkeit in Ansehung aller Gegenst\u00e4nde, die jemals unseren Sinnen gegeben werden m\u00f6gen. Und da unsere Anschauung jederzeit sinnlich ist, so kann uns in der Erfahrung niemals ein Gegenstand gegeben werden, der nicht unter die Bedingung der Zeit geh\u00f6rte. Dagegen bestreiten wir der Zeit allen Anspruch auf absolute Realit\u00e4t, da sie n\u00e4mlich, auch ohne auf die Form unserer sinnlichen Anschauung R\u00fccksicht zu nehmen, schlechthin den Dingen als Bedingung oder Eigenschaft anhinge. Solche Eigenschaften, die den Dingen an sich zukommen, k\u00f6nnen uns durch die Sinne auch niemals gegeben werden. Hierin besteht also die <i>transzendentale Idealit\u00e4t<\/i> der Zeit, nach welcher sie, wenn man von den subjektiven Bedingungen der sinnlichen Anschauung abstrahiert, gar nichts ist, und den Gegenst\u00e4nden an sich selbst (ohne ihr Verh\u00e4ltnis auf unsere Anschauung) weder subsistierend noch inh\u00e4rierend beigez\u00e4hlt werden kann.\u00bb [2, A 35-36\/B 52]<\/p>\n<p>Ist ein derartiger janusk\u00f6pfiger Perspektivismus, von dem hinsichtlich Kants Bestimmungen von Raum und Zeit gesprochen werden kann, tats\u00e4chlich unumg\u00e4nglich, oder fordert Okhams ber\u00fchmtes Rasiermesser nicht vielmehr, die Prinzipien Raum und Zeit als Bedingungen der M\u00f6glichkeit von Erfahrung eindeutig zu bestimmen?<\/p>\n<p>Die Transzendentale Idealit\u00e4t von Raum und Zeit ist bekanntlich Resultat von Kants metaphysischen Er\u00f6rterungen ihrer Existenzform. Kants Argumentation f\u00fcr die Idealit\u00e4t beruht auf der Abweisung der M\u00f6glichkeit, Raum und Zeit als empirsch gegeben zu interpretieren. W\u00e4ren sie empirisch gegeben, so k\u00f6nnten sie weder schlechthin notwendig f\u00fcr jede sinnliche Erfahrung gelten, denn alles empirisch Gegebene schlie\u00dft strikte Notwendigkeit von sich aus, noch w\u00e4ren sie Bedingungen <i>aller<\/i> m\u00f6glichen sinnlichen Erfahrung, die vor den empirischen Erscheinungen vorhergehen, also a priori bestimmt sind, sondern sie w\u00e4ren mit den Erscheinungen zugleich in eine Reihe zu stellen. Implizit ist damit bereits die These ausgesprochen, da\u00df es unter den empirischen Erscheinungen nach Ma\u00dfgabe der menschlichen Erkenntnis keine erste geben kann. Die Vorstellung eines absoluten Raumes und einer absoluten Zeit, die Realit\u00e4ten darstellen, die unabh\u00e4ngig von allen Erscheinungen existieren, ist f\u00fcr Kant eine unhaltbare Vorstellung. Ebenso unhaltbar ist ihm aber auch die Annahme, Raum und Zeit seien Eigenschaften, die den Erscheinungen neben anderen Eigenschaften zuzuschreiben seien.<\/p>\n<p>Kant weist den Leser zu dem Gedankenexperiment an, alle Dinge aus dem Raum und aus der Zeit hinwegzudenken. Sein Resultat lautet: Wir k\u00f6nnen uns alle Dinge aus dem Raum und aus der Zeit hinwegdenken, es gelingt uns aber nicht, damit zugleich auch die Vorstellung vom Raum zu eliminieren. Der Versuch, ein Jenseits von Raum und Zeit zu denken, ist prinzipiell zum Scheitern verurteilt. Dieses Jenseits stellt nur das \u00dcberspringen einer imagin\u00e4ren Grenze von Raum und Zeit dar, um es uns unhintergehbar wiederum als R\u00e4umlich und Zeitlich vorzustellen. \u00c4hnlich f\u00e4llt das Gedankenexperiment aus, wenn wir die Eigenschaften von Gegenst\u00e4nden sukzessive hinwegdenken, um uns vorzustellen, was die Eigenschaft der R\u00e4umlichkeit und Zeitlichkeit der Dinge sei. Nach Abzug aller Eigenschaften von den Dingen bleibt von ihnen nichts \u00fcbrig, auch nicht die Eigenschaft, einen Raum einzunehmen und in der Zeit gegeben zu sein. Die Eigenschaften der Dinge sind f\u00fcr Kant das Materiale der Erscheinungen, dasjenige, das uns durch Wahrnehmung zug\u00e4nglich ist, w\u00e4hrend Raum und Zeit die blo\u00dfe reine Form zur wahrnehmenden Anschauung bereitstellt.<\/p>\n<p>Gegeben, Kants Erweis der Idealit\u00e4t von Raum und Zeit sei gelungen und unabweisbar, so mutet es um so seltsamer an, da\u00df dem Raum und der Zeit nun doch empirische Realit\u00e4t zugesprochen wird, sei es auch, da\u00df diese Realit\u00e4t nicht als absolute Realit\u00e4t angenommen werden d\u00fcrfe. Eine genaue Lekt\u00fcre von Kants \u00abErl\u00e4uterung\u00bb zur Zeit erlaubt eine philosophiehistorische Antwort auf die Frage nach dem merkw\u00fcrdigen Zwitterwesen der beiden Anschauungsformen von Raum und Zeit. Daran l\u00e4\u00dft sich eine systematische Interpretation und Beurteilung der transzendentalen Idealit\u00e4t bei gleichzeitiger emprischer Realit\u00e4t anschlie\u00dfen.<\/p>\n<p><b>1<\/b><\/p>\n<p>Den mit \u00abErl\u00e4uterung\u00bb \u00fcberschriebenen Teil der Transzendentalen \u00c4sthetik, beginnt Kant mit folgender \u00dcberlegung.<\/p>\n<p>\u00abWider diese Theorie, welche der Zeit empirische Realit\u00e4t zugesteht, aber die absolute und transzendentale bestreitet, habe ich von einsehenden M\u00e4nnern einen Einwurf so einstimmig vernommen, da\u00df ich daraus abnehme, er m\u00fcsse sich nat\u00fcrlicherweise bei jedem Leser, dem diese Betrachtungen ungewohnt sind, vorfinden. Er lautet also: Ver\u00e4nderungen sind wirklich (dies beweist der Wechsel unserer eigenen Vorstellungen, wenn man gleich alle \u00e4u\u00dferen Erscheinungen, samt deren Ver\u00e4nderungen, leugnen wollte). Nun sind Ver\u00e4nderungen nur in der Zeit m\u00f6glich, folglich ist die Zeit etwas Wirkliches. Die Beantwortung hat keine Schwierigkeit. Ich gebe das ganze Argument zu. Die Zeit ist allerdings etwas Wirkliches, n\u00e4mlich die wirkliche Form der inneren Anschauung. Sie hat also subjektive Realit\u00e4t in Ansehung der inneren Erfahrung, d.i. ich habe wirklich die Vorstellung von der Zeit und meinen Bestimmungen in ihr. Sie ist also wirklich nicht als Objekt, sondern als die Vorstellungsart meiner selbst als Objekts anzusehen.\u00bb [2, A 36-37\/ B 53\/54]<a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%93%D0%BB%D0%B5%D0%B1\/Downloads\/Waibel.%20Kant%20%C3%BCber%20Raum%20und%20Zeit.docx#_ftn1\">[1]<\/a><\/p>\n<p>Es ist bekannt, da\u00df sich Kant hier auf den Briefwechsel mit Johann Heinrich Lambert bezieht. Lambert hat 1765 brieflich das philosophische Gespr\u00e4ch mit Kant gesucht. Am 2. September 1770 schickt Kant seine <i>Dissertation<\/i> an den Berliner Gelehrten mit der Bitte, besonders die Abschnitte II., III. und V. zu beachten, w\u00e4hrend er I. und IV. als unerheblich \u00fcbergehen k\u00f6nne. Die Betrachtung der Gliederung der <i>Dissertation<\/i>, <i>Von der Form der Sinnen- und Verstandeswelt und ihren Gr\u00fcnden<\/i> (1770) (<i>De mundi sensibilis atque intelligibilis forma et principiis<\/i>), zeigt, da\u00df Kant Lambert offenkundig um Pr\u00fcfung der neuen Einsichten \u00fcber die Unterschiede von Sinnlichkeit und Verstand (II.), der Form der Sinnlichkeit (III.), sowie der daraus erwachsenden neuen Einsicht in die Methode zum Verh\u00e4ltnis von Sinnlichkeit und Intellektualit\u00e4t (V.) bittet.<\/p>\n<p>Da Kant sich mit der Sendung der <i>Dissertation<\/i> zugleich daf\u00fcr entschuldigt, Lamberts letzen Brief von 1766 so lange nicht beantwortet zu haben, weil er \u00fcber dessen Brief in ein langes angestrengtes Nachdenken verfallen sei, so mu\u00df vermutet werden, da\u00df Kant einen ersten entscheidenden, aber nicht n\u00e4her bezeichneten Ansto\u00df zu seiner neuen Theorie von Raum und Zeit von Lambert erhalten hat. Die in der Forschung diskutierten Hypothesen k\u00f6nnen hier beiseite gesetzt werden<\/p>\n<p>In der zitierten Passage der <i>Kritik der reinen Vernunft<\/i> reagiert Kant nun wiederum auf eine \u00dcberlegung Lambert, die dieser im Anschlu\u00df an die Lekt\u00fcre der <i>Dissertation<\/i> ge\u00e4u\u00dfert hat. Kant hat bekanntlich bereits in der <i>Dissertation<\/i> zugunsten der Idealit\u00e4t von Raum und Zeit und deren Bestimmung als blo\u00dfen Anschauungsformen jeder m\u00f6glichen sinnlichen Erkenntnis in einer Weise argumentiert, die systematisch im wesentlichen derjenigen gleicht, die er auch in der transzendentalen \u00c4sthetik der <i>Kritik der reinen Vernunft<\/i> vorgelegt hat.<\/p>\n<p>Lambert akzeptiert Kant Thesen, nach denen Raum und Zeit weder (absolute) Substanzen (Newton-Kritik), noch blo\u00dfe Verh\u00e4ltnisse (Leibniz-Kritik) darstellen. Dennoch leuchtet es ihm nicht ein, Raum und Zeit jegliche Realit\u00e4t in der Erfahrung abzusprechen. Da\u00df aber Raum und Zeit lediglich als subjektive Erkenntnisformen aufgefa\u00dft werden d\u00fcrfen, bereitet Lambert ein erhebliches Verst\u00e4ndnisproblem. Daher bittet er Kant nach der Lekt\u00fcre der <i>Dissertation<\/i> die Idealit\u00e4tsthese nochmals genau zu pr\u00fcfen. Lamberts Einwand lautet:<\/p>\n<p>\u00abAlle Ver\u00e4nderungen sind an die Zeit gebunden und lassen sich ohne Zeit nicht gedenken. <i>Sind die Ver\u00e4nderungen real, so ist die Zeit real<\/i>, was sie auch immer sein mag. <i>Ist die Zeit nicht real, so ist auch keine Ver\u00e4nderung real.<\/i> Es d\u00e4ucht mich aber doch, da\u00df auch selbst ein Idealiste wenigstens in seinen Vorstellungen Ver\u00e4nderungen, wie Anfangen und Aufh\u00f6ren derselben, zugeben mu\u00df, das wirklich vorgeht und existiert. Und damit kann die Zeit nicht als etwas <i>nicht reales<\/i> angesehen werden.\u00bb<a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%93%D0%BB%D0%B5%D0%B1\/Downloads\/Waibel.%20Kant%20%C3%BCber%20Raum%20und%20Zeit.docx#_ftn2\">[2]<\/a>\u00a0Genau auf diese \u00dcberlegungen reagiert Kant in der <i>Kritik der reinen Vernunft<\/i> in der bereits zitierten Passage der \u00abErl\u00e4uterung\u00bb.<\/p>\n<p>Hat Kant also m\u00f6glicherweise doch einen Wandel seiner Ansichten \u00fcber Raum und Zeit von der <i>Dissertation<\/i> zur ersten <i>Kritik<\/i> vollzogen, wenn er, wie hier, Bestimmungen der Zeit als wirklich bezeichnet und ihnen subjektive Realit\u00e4t zuschreibt, eine Charakterisierung, die man in der Dissertation vergeblich sucht? Diese Frage ist entschieden mit nein zu beantworten. Systematisch hat Kant an seiner Erkl\u00e4rung von Raum und Zeit nichts ge\u00e4ndert. Lamberts Einwand hat jedoch dazu gef\u00fchrt, da\u00df Kant die Sprechweise in der <i>Dissertation<\/i>, derzufolge die Idealit\u00e4t von Raum und Zeit als subjektive Bedingungen der Anschauung anzusehen sind, verwandelt in die Formel der transzendentalen Idealit\u00e4t bei gleichzeitiger empirischer Realit\u00e4t. Theoretisch w\u00e4re eine solche Ausdrucksweise bereits in der <i>Dissertation <\/i>denkbar. Die Doppelung der Sprechweise gr\u00fcndet sich darauf, da\u00df die metaphysische Er\u00f6rterung eine Metareflexion der kritischen Vernunft darstellt, in denen \u00fcber Raum und Zeit, also deren Begriff, verhandelt wird, ohne da\u00df diese Begriffe zugleich als aktual vollzogene Anschauungen pr\u00e4sent sind. Kant betont zwar, der Raum und die Zeit lassen sich durch kein Gedankenexperiment hinwegdenken. Aber er w\u00fcrde sich wohl kaum zu der These verpflichten wollen, da\u00df Raum und Zeit stets und notwendig im Fokus der Aufmerksamkeit des Bewu\u00dftseins stehen. Die aktualen Vorstellungen von R\u00e4umlichkeit und Zeitlichkeit, und sei es die des leeren Raumes und der leeren Zeit, vollziehen sich im inneren und \u00e4u\u00dferen Sinn, eine Lehre, die Kant nicht erst in der <i>Kritik der reinen Vernunft<\/i>, sondern bereits in der <i>Dissertation<\/i> vertritt.<\/p>\n<p>In \u00a7 12 der <i>Dissertation<\/i> bezeichnet Kant die Anschauungen von Raum und Zeit noch als <i>einzelne<\/i> Begriffe, um sie von <i>allgemeinen, logischen<\/i> Begriffen zu unterscheiden. Er schreibt: \u00abDie reine (menschliche) Anschauung aber ist kein allgemeiner oder logischer Begriff, <i>unter dem<\/i>, sondern ein einzelner, <i>in dem<\/i> man alles beliebige Sensible denkt, und enth\u00e4lt deshalb die Begriffe des Raumes und der Zeit; da diese in Ansehung der <i>Beschaffenheit<\/i> \u00fcber das Sensible nichts bestimmen, sind sie Gegenst\u00e4nde der Wissenschaft nur in Ansehung der <i>Gr\u00f6\u00dfe<\/i>. Daher betrachtet die <i>reine Mathematik<\/i> den <i>Raum<\/i> in der <i>Geometrie<\/i>, die <i>Zeit<\/i> in der reinen <i>Mechanik<\/i>.\u00bb [1, Bd. 12. 43-45]<a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%93%D0%BB%D0%B5%D0%B1\/Downloads\/Waibel.%20Kant%20%C3%BCber%20Raum%20und%20Zeit.docx#_ftn3\">[3]<\/a><\/p>\n<p>In der <i>Kritik<\/i> unterscheidet Kant diskursive, allgemeine Begriffe die <i>unter<\/i> sich bestimmte Vorstellungen enthalten von der reinen Anschauung, die bestimmte Vorstellungen <i>in<\/i> sich enthalte. In dem Zusammenhang spricht er daher von der \u00aburspr\u00fcngliche[n] Vorstellung vom Raume\u00bb, die Anschauung a priori und nicht Begriff sei, sowie von der \u00aburspr\u00fcngliche[n] Vorstellung Zeit\u00bb [2, B40; A 32\/B48], die beide als <i>urspr\u00fcngliche Vorstellungen<\/i> als unbegrenzt und daher als unendlich angeschaut werden. Von diesen urspr\u00fcnglichen Vorstellungen ist nun zu sagen, da\u00df sie offenkundig latent pr\u00e4sent sind, wenn die Vernunft ihre, oder andere Begriffe metaphysisch er\u00f6rtert, aber aktual erst dann ins Bewu\u00dftsein treten, wenn sie als diese angeschaut und ihre Unendlichkeit und Einzigkeit vorgestellt wird. Teilvorstellungen von Raum und Zeit werden dann in diesen als Auseinander oder Nacheinander situiert und zueinander ins Verh\u00e4ltnis gesetzt.<\/p>\n<p>Kants These von der transzendentalen Idealit\u00e4t bei gleichzeitiger empirischer Realit\u00e4t r\u00fcckt somit\u00a0 bei genauerer Betrachtung die Frage nach der inneren Relation des Begriffes und der Anschauung von Raum und Zeit in den Blick. Seine Lehre der Zweist\u00e4mmigkeit von Begriff und Anschauung greift somit offenkundig auf die Prinzipien m\u00f6glicher Erkennntnisse selbst aus, wie sich am Beispiel von Raum und Zeit zeigt. \u00c4hnliches l\u00e4\u00dft sich auch am Beispiel der transzendentalen Apperzeption zeigen, wenn man ihre Bestimmungen in der transzendentalen Deduktion der Kategorien und in den Paralogismen genau untersucht und aufeinander bezieht. Ob und wie dieses Zwitterwesen selbst noch einmal vermittelt werden kann, oder wie Begriff und Anschauung n\u00e4herhin aufeinander bezogen sind, hat Kant nicht mehr n\u00e4her reflektiert.<\/p>\n<p><b>2<\/b><\/p>\n<p>Offenkundig sind in Kants <i>Kritik<\/i> grunds\u00e4tzlich vier Repr\u00e4sentationsformen von Raum und Zeit zu unterscheiden, wenngleich sie von ihm selbst nicht als diese aufgereiht werden und er schon gar nicht den Anspruch erhebt eine Ph\u00e4omenologie des Raum- und Zeitbewu\u00dftseins auszuarbeiten.<\/p>\n<p>1. (a) Das Denken, Beurteilen, Er\u00f6rtern der <i>Begriffe von Raum und Zeit<\/i> ist ein begriffslogisches Vorstellen derselben, in dem ihre urspr\u00fcnglichen Vorstellungen nicht notwendig aktual, aber gleichwohl lateral pr\u00e4sent sein m\u00fcssen. Die Vernunft erschlie\u00dft die Idealit\u00e4t von Raum und Zeit aufgrund von Gedankenexperimenten, die auf die urspr\u00fcnglcihen Vorstellugnen bezogen werden. (b) Aber das Gedachtsein der Begriffe durch die kritische Vernunft ist selbst eine Handlung des Subjekts, die eine Sukzession von Gedanken darstellt, die als diese Sukzession durch den inneren Sinn wahrnehmbar ist und die Gedankenordnung allererst erm\u00f6glicht. Die Handlung des blo\u00dfen Denkens ist ganz unabh\u00e4ngig vom Inhalt der Gedanken der Vernunft empirisch real in der Zeit dem Sinne, wie Kant dies Lambert zugestanden hat. die Gedankenabfolge stellt n\u00e4mlich eine Sukzession subjektiver Ver\u00e4nderungen dar.<\/p>\n<p>2. (a) Die urspr\u00fcnglichen Vorstellungen der Anschauungsformen von Raum und Zeit, sind, so Kant, nichts anderes als die Form des \u00e4u\u00dferen und des inneren Sinns. (Vgl. [2, A26\/B42; A33\/B49]). Sofern die Einigkeit und Unendlichkeit des leeren Raums und der leeren Zeit urspr\u00fcnglich vorgestellt wird, scheinen beide Anschauungsformen aus der latenten Pr\u00e4senz im \u00e4u\u00dferen und inneren Sinn in den Fokus des aktualen Bewu\u00dftseins einzutreten. (b) Das aber wirft die Frage auf, die sich Kant nicht gestellt hat, ob der leere Raum hierbei allein durch den \u00e4u\u00dferen Sinn repr\u00e4sentiert ist, oder, wie im Fall der von der Vernunft er\u00f6rterten Begriffe, auch im inneren Sinn als eine Vorstellung in bestimmter Zeit repr\u00e4sentiert ist. Da\u00df dies genau der Fall ist, mu\u00df notwendig angenommen werden, wenn allgemien gilt, da\u00df jede Bewu\u00dftseins- und Denkhandlung zugleich eine Bestimmung des inneren Sinns ist.<\/p>\n<p>3. (a) Im inneren und \u00e4u\u00dferen Sinn werden bestimmte Raum und Zeitvorstellungen repr\u00e4sentiert, die die reproduktive oder produktive Einbildungskraft des Subjekts erzeugt, ohne da\u00df diese aktual gegebenen und wahrnehmbaren Raum-Zeit-Verh\u00e4ltnissen entsprechen. Dies ist dann der Fall, wenn ein Subjekt an bestimmtem Ort und zu bestimmter Zeit Raum-Zeit-Verh\u00e4ltnisse vorstellt, die nicht mit der erlebten Raum-Zeit \u00fcbereinstimmt. (b) Auch diese Bestimmungen sind einmal ihrem Gehalt nach im inneren und \u00e4u\u00dferen Sinn repr\u00e4sentiert und und bestimmen zugleich als Bewu\u00dftseinshandlung den inneren Sinn.<\/p>\n<p>4. (a) Im inneren und \u00e4u\u00dferen Sinn werden bestimmte Raum und Zeitvorstellungen repr\u00e4sentiert, die die aktual gegebenen und wahrnehmbaren Raum-Zeit-Verh\u00e4ltnissen repr\u00e4sentieren. (b) Die Zeit des Bewu\u00dftseins f\u00e4llt in diesem Fall mit den Raum-Zeit-Koordinaten der Wahrnehmung zusammen.<\/p>\n<p>Diese Grundstruktur der Raum-Zeit-Erscheinungen erlaubt eine erste \u00dcbersicht \u00fcber die komplexen Raum-Zeit- und Form-Inhalt-Verh\u00e4ltnisse als Bedingung der M\u00f6glichkeit von Erkenntnissen, die im Kontext des \u00abSystems der Grunds\u00e4tze des reinen Verstandes\u00bb n\u00e4herhin und unter Fortf\u00fchrung seiner Frage nach der objektiven G\u00fcltigkeit der Erkenntnisse behandelt. Eine Ph\u00e4nomenologie des Raum-Zeit-Bewu\u00dftseins liegt nicht im systematischen Interesse von Kants kritischem Unternehmen, erleichtert jedoch den Zugang zu seiner Erkenntnistheorie und ist in ihr implizit angelegt, wie die Antwort auf Lambert und ihre Ausdeutung zeigt.<\/p>\n<p><b>3<\/b><\/p>\n<p>Wenn Kant zurecht behauptet, da\u00df dem Subjekt allein die raum-zeitlichen Bestimmungen aller m\u00f6glichen und wirklichen Gegenstandsvorstellungen zufallen, so isr schlie\u00dflich zu fragen, was diesen Bestimmungen in den wahrnehmbaren Gegenst\u00e4nden korrespondiert, um gegenstandsbezogene Raum-Zeit-Vorstellungen im Subjekt zu erm\u00f6glichen. In der Begegnung auf Lamberts empiristischen Einwand bezeichnete Kant alle Wahrnehmungszust\u00e4nde im Bewu\u00dftsein als empirisch real. Diese Wahrnehmungszust\u00e4nde bestehen 1. aus ihrer formalen, raum-zeitlichen Ordnung im Nacheinander, Zugleich, Nebeneinander, Auseinander und 2. aus der Materialit\u00e4t des sinnlich Gegebenen. Das auf der Synthesis der Kategorien beruhende material Gegebene sind Bestimmungen wie Beharrlichkeit der Materie, ihre Ortsver\u00e4nderung, ihre Ver\u00e4nderlichkeit (Verg\u00e4nglichkeit, Entstehen) in der Zeit, die Widerst\u00e4ndigkeit, die Gravitation, um nur diese wenigen Bestimmungen zu nennen.<\/p>\n<p>Die Raum- und Zeitbestimmungen sind an sich blo\u00df subjektiv (transzendental ideal), als Resultat eines B\u00fcndels von objektbedingten Wahrnehmungszust\u00e4nden im Subjekt sind sie empirisch real, und er\u00f6ffnen in Verbindung mit den kategorialen Synthesisleistungen zugleich die M\u00f6glichkeit, objektive Eigenschaften der Materie und der Kr\u00e4fte der Erscheinungen zu bestimmen. Dank dieser drei Komponenten und unter Mitwirkung der reinen, synthetisierenden Verstandesfunktionen k\u00f6nnen die physikalischen Ereignisse in der Welt subjektiv in Raum und Zeit geordnet und objektiv deren Materie und ihre inneren und \u00e4u\u00dferen Kr\u00e4fte qualitativ, quantitativ, relational bestimmt und gemessen werden.<\/p>\n<p>Die Argumente, die Kant zugunsten der Idealit\u00e4t und Apriorizit\u00e4t der reinen Anschauungsformen von Raum und Zeit aufbietet, und diejenigen, mit denen er dem Empiristen entgegenkommt, indem er ihre Realit\u00e4t im aktualen Vollzug des Wahrnehmens, Beobachtens und Erkennens einr\u00e4umt, scheinen von ungebrochener Aktualit\u00e4t zu sein. Da\u00df sich Kant freilich in manchem auf falsche Aussagen festgelegt hat, was das der subjektiven Raum-Zeit-Anschauung korrespondierende materiale Objektgef\u00fcge darstellt, ist eine andere Sache. Die Unvereinbarkeit mancher Kantischen Aussagen mit denen der modernen Physik ber\u00fchrt vermutlich nicht die Grundbestimmungen der transzendentalen Idealit\u00e4t und empirische Realit\u00e4t desjenigen Raum-Zeit-Kontinuums, das den tats\u00e4chlichen Anschauungs- und Wahrnehmungshorizont des Menschen darstellt, sondern die Ebene der korrespondierenden Materialbestimmungen der Gegenstandswelt. Dies g\u00e4lte es nun, aufgrund dieser \u00dcberlegungen zu pr\u00fcfen.<\/p>\n<p align=\"center\"><b>Bibliographie<\/b><\/p>\n<ol>\n<li><i>Kant I.<\/i> Werkausgabe. Frankfurt: Wilhelm Weischedel, 1968.<i> \u00a0<\/i><\/li>\n<\/ol>\n<ol start=\"2\">\n<li><i>Kant I.<\/i> Kritik der reinen Vernunft. Hamburg: Raymund Schmidt, 1971.<\/li>\n<\/ol>\n<p><b><i>Die erste Ver\u00f6ffentlichung des Aufsatzes<\/i><\/b><i>:<\/i><\/p>\n<p>Waibel, Violetta L. Transzendental ideal, empirisch real. Kant \u00fcber Raum und Zeit\/\/ Kant zwischen West und Ost. Zum Gedenken an Kants 200. Todestag und 280. Geburtstag. Hrsg. Von Prof. Dr. Wladimir Bryuschinkin. Bd.1. Kaliningrad, 2005. S. 210 &#8211; 219.<\/p>\n<div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr align=\"left\" size=\"1\" width=\"33%\" \/>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%93%D0%BB%D0%B5%D0%B1\/Downloads\/Waibel.%20Kant%20%C3%BCber%20Raum%20und%20Zeit.docx#_ftnref1\">[1]<\/a> Aus Kant Brief vom 16.11.1781 an Johann Bernoulli wird deutlich, da\u00df mit der vorliegenden \u00dcberlegung Lambert gemeint ist: \u00abDer vortreffliche Mann [Lambert] hatte mir einen Einwurf wider meine damals ge\u00e4u\u00dferte Begriffe von Raum und Zeit gemacht, den ich in der <i>Kritik der reinen Vernunft<\/i> Seite 36-38 beantwortet habe.\u00bb Kant, <i>Briefwechsel<\/i>.\u00a0 Auswahl und Anmerkungen von Otto Sch\u00f6nd\u00f6rffer. Mit einer Einleitung von Rudolf Malter und Joachim Kopper und einem Nachtrag, Hamburg (Meiner) 1972 (im folgenden: \u00abKant, <i>Briefwechsel<\/i>\u00bb), 202.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 [2]Lambert an Kant, 13.10.1770; in: Kant, <i>Briefwechsel<\/i>, 80; gegen Ende des Briefes wiederholt Lambert die Kritik mit \u00e4hnlichen \u00dcberlegungen (vgl. ebenda 84). \u2014 Lambert setzt sich sehr ausf\u00fchrlich in seiner Briefantwort mit Kants Theorie von Raum und Zeit auseinandersetzt. In Briefen an Marcus Herz vom 21.2.1772 und an Johann Bernoulli, dem sp\u00e4teren Herausgeber von Lamberts Nachla\u00dfschriften und dessen Briefwechsel (16.11.1781) teilt Kant mit, da\u00df er \u00fcber Lamberts Einw\u00e4nde ausf\u00fchlich nachgedacht habe (vgl. Kant an Marcus Herz, 21.2.1772, und an Johann Bernoulli, 16.11.1781; in: Kant, <i>Briefwechsel<\/i>, 105 und 202\/203).<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 [3]\u00abIntuitus autem purus (humanus) non est conceptus universalis s. logicus <i>sub quo<\/i> sed singularis <i>in quo<\/i> sensibilia quaelibet cogitantur ideoque continet conceptus spatii et temporis; qui, cum quoad <i>qualitatem<\/i> nihil de sensibilibus determinent, non sunt obiecta scientia, nisi quoad <i>quantitatem.<\/i> Hinc <i>Mathesis pura<\/i> <i>spatium<\/i> considerat in <i>Geometria<\/i>, <i>tempus<\/i> in <i>Mechanica<\/i> pura.\u00bb (Ebenda, [1, Bd. 12. \u00a042\/44]).<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zusammenfassung: Mit dem janusk\u00f6pfigen Gebilde der transzendentalen Idealit\u00e4t von Raum und Zeit als Begriffen, die durch die Vernunft erwogen werden und der empirischen Realit\u00e4t der Raum-Zeit-Bestimmungen als Anschauungsformen im \u00e4u\u00dferen und inneren Sinn antwortet Kant auf die empiristischen\u00a0 Einw\u00e4nde Lamberts, die dieser im Hinblick auf die These der Idealit\u00e4t von Raum und Zeit in der [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":299,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[2],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kant-online.ru\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/296"}],"collection":[{"href":"https:\/\/kant-online.ru\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kant-online.ru\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kant-online.ru\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kant-online.ru\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=296"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/kant-online.ru\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/296\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":298,"href":"https:\/\/kant-online.ru\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/296\/revisions\/298"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kant-online.ru\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/299"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kant-online.ru\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=296"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kant-online.ru\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=296"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kant-online.ru\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=296"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}