{"id":262,"date":"2014-01-31T12:52:52","date_gmt":"2014-01-31T12:52:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kant-online.ru\/en\/?p=262"},"modified":"2021-05-23T21:20:39","modified_gmt":"2021-05-23T21:20:39","slug":"karol-bal-kant-in-polen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kant-online.ru\/en\/karol-bal-kant-in-polen\/","title":{"rendered":"Karol Bal. Kant in Polen"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Das Titelproblem kann in einigen Aspekten entfaltet werden:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1) nach dem des Wissens \u00fcber die Kantische Philosophie in Polen. Es handelt sich hier um den Bildungsaspekt, d.h. um den Unterricht im System der Universit\u00e4tsbildung; um den Einflu\u00df der kritischen Philosophie auf die wissenschaftlichen Forschungen; um den Zugang zu \u00dcbersetzun\u00adgen von Werken des K\u00f6nigsberger Denkers,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">2) nach dem der Rezeption der Philosophie Kants, d.h. der Ankn\u00fcpfung an das sch\u00f6pferische Erbe des Verfassers der Kritik der reinen Vernunft durch polnische Philosophen. Das ist der Aspekt der Einwirkung der Kantischen Idee auf die Gestalt der polnischen Philosophie des 18., 19. und 20. Jh.,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">3) nach dem der Auswertung des Kantianismus, insbesondere der Kantischen Ethik als Aush\u00e4ngeschild zur Verk\u00fcndigung unabh\u00e4ngiger An\u00adsichten gegen\u00fcber der herrschenden Ideologie in den 60er und 80er Jahren unseres Jahrhunderts.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hinsichtlich des zu knappen Platzes ist es zwangsl\u00e4ufig unm\u00f6glich, auch oberfl\u00e4chlich alle erw\u00e4hnten Gebiete der Anwesenheit Kants in Polen abzuhandeln. Daher wird auf eine offenkundig selektive Weise von allem blo\u00df ein wenig die Rede sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Enge Beziehungen der polnischen Philosophie zu der deutschen, begr\u00fcn\u00addet in der nahen Nachbarschaft beider Nationen, wurden durch \u00e4lteste Chroniken verzeichnet. Besonders eng waren sie vor der Gegenreformation im 16. Jh., zur Zeit der Verbreitung des Protestantismus in Polen. Wieder lebendig wurden sie in der Aufkl\u00e4rungsepoche. Gro\u00dfer Popularit\u00e4t erfreuten sich bei uns Christian Wolff und seine Sch\u00fcler. Es w\u00e4re ihm beinahe der Lehrstuhl an der Krakauer Universit\u00e4t anvertraut worden. Die Spezifik der Entwicklung der Aufkl\u00e4rung in Polen beruhte darauf, da\u00df die Rezeption von Hauptideen der deutschen Aufkl\u00e4rung parallel zur Aneignung der Ideen von Kant verlief. Dar\u00fcber aber sp\u00e4ter.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der bekannte polnische Philosophiehistoriker W\u0142adys\u0142aw Tatarkiewicz hat darauf gewiesen, da\u00df \u201eKant sein Leben auf den f\u00fcr lange an die Republik Polen gebundenen Gebieten verbrachte. Von zweien seiner drei Sch\u00fclern, die die Erinnerungen \u00fcber ihn abgefa\u00dft haben, hei\u00dft der eine Borowski und der andere Wasia\u0144ski. Die K\u00f6nigsberger Polen waren im 18. Jh. zweifellos gr\u00f6\u00dftenteils verdeutscht, sie haben jedoch teilweise sowohl ihre Traditionen als auch die Sprache aufrechterhalten&#8221;. [7, 15]\u00a0 Und weiter: In einer seiner Vorlesungen erw\u00e4hnte Kant Friedrich G. Klopstock, dessen Sprache er f\u00fcr kein gutes Deutsch hielt: \u201eDas ist halb polnisch&#8221;. Tatarkiewicz suggeriert, \u201ewenn Kant so behauptet hatte, mu\u00dfte er wenig\u00adstens ein wenig Polnisch kennen&#8221; [7, 16] (Vgl. [7, 14]).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0 Die hier angef\u00fchrten Beispiele sind ohne gr\u00f6\u00dfere meritorische Bedeutung f\u00fcr polnische \u201eKantianismen&#8221;, obwohl Kants geographisches, politisches und kulturelles Wissen in Bezug auf das ganze Europa der damaligen Zeit so umfassend war, da\u00df es ihm erlaubte, sich in den verwickelten Problemen der polnischen Geschichte des 18. Jh. und deren Wirklichkeit auszukennen. Es besteht kein Zweifel, da\u00df das zur Zeit der dritten Teilung Polens (u.a. durch Preu\u00dfen) konzipierte Werk <i>Zum ewigen Frieden<\/i>, welches den Expansionismus und das gewalt\u00adsame Treten der Menschenrechte anderer Nationen entschieden verurteilte, konnte Polen als Beispiel einer solchen Nation und eines solchen Staates zeigen, welcher infolge eines Eroberungsdrangs seine Unabh\u00e4ngigkeit verloren hat. In diesem Zusammenhang ist es markant, sich in der radikalen Antiteilungspublizistik der Jahre 1794 und 1795 auf Kants Ansehen zu berufen. [1, 128]<a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%93%D0%BB%D0%B5%D0%B1\/Downloads\/Kant%20in%20Polen.docx#_ftn1\">[1]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist heute schwer festzulegen, wer in Polen Kants Namen zum ersten Mal erw\u00e4hnt hat. Die Historiker sind der Meinung, da\u00df das Wissen \u00fcber Kant bereits in den 80er Jahren des 18. Jh. nach Polen gelangt ist. 1790 spricht man schon \u00fcber \u201eden unsterblichen Philosophen des Nordens&#8221;.[5, 124]<a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%93%D0%BB%D0%B5%D0%B1\/Downloads\/Kant%20in%20Polen.docx#_ftn2\">[2]<\/a>\u00a0Gerade die Dekade der 90er Jahre wird in der polnischen Philosophie zur Periode des wachsenden Interesses f\u00fcr den Kantianismus. Es werden auch die ersten \u00dcbersetzungen von Werken Kants herausgegeben. Erw\u00e4hnens\u00adwert ist die Tatsache, da\u00df <i>Zum ewigen Frieden<\/i> sein erster in Polen ver\u00f6f\u00adfentlichter Text war. 1797 erscheinen auch zwei aufeinanderfolgende \u00dcber\u00adtragungen dieses Werkes: die eine von J\u00f3zef W\u0142adys\u0142aw Bychowiec (1778-1845), einem H\u00f6rer von Kants Vorlesungen, die andere von Szymon Bielski (1745-1825). Zwei Jahre sp\u00e4ter \u00fcbersetzt Bychowiec auch <i>Idee zu einer allgemeinen Geschichte in weltb\u00fcrgerlicher Absicht<\/i>. Diesem Text folgen weitere \u00dcbersetzungen.<a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%93%D0%BB%D0%B5%D0%B1\/Downloads\/Kant%20in%20Polen.docx#_ftn3\">[3]<\/a>\u00a0Es erscheinen auch die ersten Kant gewidmeten Arbeiten [5, 126-127]<a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%93%D0%BB%D0%B5%D0%B1\/Downloads\/Kant%20in%20Polen.docx#_ftn4\">[4]<\/a>, ebenso werden Vortr\u00e4ge gehalten, welche sowohl die Kantische Kritik der Erfahrung glorifizieren als auch den Apriorismus der philosophischen Methode und Kants Gesichtspunkt betreffs der Grenzen der Vernunft<a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%93%D0%BB%D0%B5%D0%B1\/Downloads\/Kant%20in%20Polen.docx#_ftn5\">[5]<\/a>\u00a0r\u00fchmen. Die Rezeption des Kantianismus um die Wende des 18. und 19. Jh. konzentriert sich bedeutend auf die fortgef\u00fchrten ideologi\u00adschen Auseinandersetzungen. Die polnische Aufkl\u00e4rungsoption besa\u00df einen deutlich antimetaphysischen Charakter und kn\u00fcpfte vor allem an den englischen Deismus, den schottischen common sence, an den franz\u00f6sischen Rationalismus und Sensualismus \u00e1 la Condillac an. Ihre dominierende Position im polnischen Geistesleben (und im politischen Leben) erzielten die Denker der Aufkl\u00e4rungsepoche nach langen und m\u00fchsamen K\u00e4mpfen mit der im Schulwesen anherrschenden Scholastik. Daraus erkl\u00e4rt sich eine au\u00dfergew\u00f6hnlich hohe \u00dcberempfindlichkeit f\u00fcr jeden Versuch des Kokettierens, beziehungsweise jede Art von Sympathie gegen\u00fcber der Metaphy\u00adsik. Gerade auf diese Art und Weise wurde Kant interpretiert, denn seine polnischen Anh\u00e4nger, wie J\u00f3zef K. Szaniawski, F. Jaro\u0144ski, F. Wigura, Micha\u0142 Czacki, Tadeusz Dzieduszycki, J. E. Jankowski und andere hoben den Erkenntnis- und Moralwert der Metaphysik hervor, welche sie der Oberfl\u00e4chlichkeit des Aufkl\u00e4rungsempirismus entgegenstellten [5, 128]<a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%93%D0%BB%D0%B5%D0%B1\/Downloads\/Kant%20in%20Polen.docx#_ftn6\">[6]<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Rezeption des Kantianismus in Polen verlief nicht nur in der Opposition und parallel zur Bildung der Aufkl\u00e4rungsphilosophie. Es tratt in diesem Proze\u00df ein zus\u00e4tzlicher Faktor auf, n\u00e4mlich eine gleichzeitige Ankn\u00fcpfung an Anschauungen anderer Vertreter des deutschen Idealismus, haupts\u00e4chlich an Schelling. Das gleichzeitige Auftreten und das polemi\u00adsche Kreuzen von Str\u00f6mungen der Aufkl\u00e4rung und Scholastik, von Kant und der Epoche nach Kant, Vorromantik und Romantik verlieh der polnischen Philosophie zur Wende des 18. und 19. Jh. einen eklektischen Charakter, der eine volle und konsequente Rezeption fundamentaler Ideen des Kan\u00adtianismus unm\u00f6glich machte. Im Endeffekt zeichnete sich das Bild der Leistungen des K\u00f6nigsberger Denkers in einer deformierten Gestalt ab.<a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%93%D0%BB%D0%B5%D0%B1\/Downloads\/Kant%20in%20Polen.docx#_ftn7\">[7]<\/a>\u00a0In den Meinungsauseinandersetzungen ging es n\u00e4mlich nicht um Kant selbst. Kant, dessen Rezeption entweder positiv oder negativ war, bildete \u2014 im Grunde genommen \u2014 nur einen Bezugspunkt f\u00fcr die Darstellung der eigenen Anschauungen der einzelnen Philosophen, die sich an dieser Auseinandersetzungen beteiligten. [9, 140] Wenn man sich auf die Geschichte des Kantianismus in Polen beruft, kann man den Namen eines der interessan\u00adtesten Denker dieser Zeit, d.i. Maria Hoene-Wro\u0144ski, nicht unbeachtet lassen (der notabene vor Schelling und Hegel das System der absoluten Philosophie entwickelte). Dieser Philosoph deb\u00fctierte mit einer in Marseil\u00adle 1803 herausgegebenen Arbeit \u00fcber Kant. In Frankreich war es die erste zug\u00e4ngliche und systematisch dargestellte Beschreibung und Interpretation Kantischer Lehre. Die Philosophiehistoriker bestimmten Hoene-Wro\u0144skis Werk einstimmig als eine der originellsten Arbeiten \u00fcber Kant, die damals in Europa geschrieben wurden. [9] Das Interesse f\u00fcr den Kantianismus, obwohl nicht zu intensiv, zieht sich durch das ganze 19. Jh. hin. Erst in den 80er Jahren sind intensivere Kontakte mit Kants Schaffen zu bemerken. Einerseits tragen Einfl\u00fcsse des Neukritizismus, andererseits des Neukantianismus dazu bei. Die Vertreter sowohl der einen als auch der anderen Str\u00f6mung<a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%93%D0%BB%D0%B5%D0%B1\/Downloads\/Kant%20in%20Polen.docx#_ftn8\">[8]<\/a>\u00a0traten in die Reihen der Warschauer-Lemberger Schule ein, jener hervorragendsten philosophischen Formation Polens vor dem II. Weltkrieg, die bis auf den heutigen Tag auf das intellektuelle Leben der geistigen Kreise markant einwirkt. Gerade im Rahmen dieser Schule, beziehungsweise der mit ihr verbundenen Kreise, wurden mehrere Werke Kants \u00fcbersetzt. Interesse f\u00fcr seine Philosophie zeigten auch polnische Ph\u00e4nomenologen, deren hervorragendster Vertreter, Roman Ingarden, die <i>Kritik der reinen Vernunft<\/i> aufs Neue \u00fcbersetzte. Die Sch\u00fcler dieses Krakauer Ph\u00e4nomenologen befa\u00dften sich mit anderen \u201eKritiken\u201c Kants.<a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%93%D0%BB%D0%B5%D0%B1\/Downloads\/Kant%20in%20Polen.docx#_ftn9\">[9]<\/a>\u00a0Die Ankn\u00fcpfung an Kant beschr\u00e4nkte sich im 19. Jh. auf die Exponie\u00adrung der epistemologischen F\u00e4den. Ganz selten wurde nach den \u00e4stheti\u00adschen Ideen gegriffen, eher schon nach der Ethik der \u201epraktischen Ver\u00adnunft&#8221;. Im letzten Fall taten es vor allem Anh\u00e4nger des Neukantischen \u201eethischen Sozialismus&#8221;. Bis 1939 wuchs daher das Interesse f\u00fcr die Kantische Rechts- und Morallehre (Les\u0142aw Petra\u017cycki, Czes\u0142aw Znamierowski, Tadeusz Cze\u017cowski). Zu diesem Kreis kann man auch Tadeusz Kotarbi\u0144ski, den Gr\u00fcnder der\u00a0 sog. unabh\u00e4ngigen Ethik z\u00e4hlen. Selbst die Idee die \u201eunabh\u00e4ngige&#8221; Ethik zu stiften, war zweifellos Kantischer Provenienz. Vor dem Krieg war jene \u201eUnabh\u00e4ngigkeit&#8221; als Losrei\u00dfen von den weltanschaulichen Einfl\u00fcssen des Katholizismus gemeint, nach 1945 als Opposition gegen das Diktat des politischen Marxismus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Verh\u00e4ltnis der marxistischen Philosophie zum Kantianismus war mehrdeutig. Vor dem Krieg war der philosophische Marxismus \u00fcberhaupt keine bedeutende Str\u00f6mung. In den Jahren 1945-1956 war die kuriose Stalinsche Interpretation Kants verbreitet, welche Kant f\u00fcr einen Ideologen der Reaktion und eine gef\u00e4hrliche ideologische Quelle des Revisionismus hielt. Bei uns war man eher bem\u00fcht, Kants Existenz zu verschweigen, als,\u00a0 die sinnlosen Theorien der sowjetischen Ideologen zu vervielf\u00e4ltigen. Zu\u00a0 stark und zu stabil war in Polen das Wissen \u00fcber Kant, das Verst\u00e4ndnis und die Affirmation der gro\u00dfen Leistungen des Autors von drei \u201eKritiken&#8221;. Diese Tatsache machte sich zur Zeit der Liberalisierung des ideologischen Lebens nach 1956 sofort bemerkbar. Die neu er\u00f6ffnete Bibliothek der Klassiker der Philosophie wie auch die Verlagsreihe \u201eMy\u015bli i Ludzie&#8221; haben Kants Werke neu herausgegeben bzw. zu neuen \u00dcbersetzungen inspiriert. Ber\u00fchmt wird der Normativismus der unabh\u00e4ngigen Ethik. Die liberalen Marxisten (wie z.B. Marek Fritzhand) versuchten, die \u201eIdeen des\u00a0 jungen Marx&#8221; mit den ethischen F\u00e4den des Kantianismus zu verflechten. Von Kant werden Inspirationen zur Entwicklung der Konzeption der normativen Ethik als Gegengewicht f\u00fcr die flache, soziologisierte klassen-moralische Theorie entnommen. Das Interesse f\u00fcr Kant reaktiviert teilwei\u00adse die einst starke Tradition der Studien \u00fcber die Geschichte des deutschen Idealismus (Fichte, Schelling, Hegel). Diese Wendung zu Kant hatte aber auch eine andere Ursache. Es handelte sich vor allem um neue M\u00f6glich\u00adkeiten, politische Ansichten auszudr\u00fccken, die anders als die offiziellen waren und die zum Umgehen der Zensurverbote zwangen. Einen au\u00dferge\u00adw\u00f6hnlichen Rang besa\u00df in diesem Kontext die 1974 organisierte Tagung zum 250. Geburtstag des Philosophen, die ca. 200 polnische Philosophen versammelte. Die Tagungsmaterialien wurden 1976 ver\u00f6ffentlicht. In der Einleitung zu dieser Publikation, die den markanten Titel <i>Dziedzictwo Kanta <\/i>trug, schrieb Jan Garewicz: \u201eDer \u00bbhistorische\u00ab Kant und der \u00bblebende\u00ab Kant; Kant als Denker in einer bestimmten historischen Epoche,\u00a0 der nach einer Antwort auf deren spezifische Fragen suchte und sie in ihrer Sprache gab, und Kant, der \u00fcberzeitliche Probleme aufgriff und der die\u00a0 ganze sp\u00e4tere Philosophie inspirierte \u2014 dies ist das Hauptproblem, um das sich die Debatten drehten&#8221;. [3, 7] Der Autor dieser Worte konnte damals nicht schreiben: der \u201elebende&#8221; Kant, das ist der Kant, mit dessen Hilfe man sich, wenn man sich seiner Sprache und Reflexion bedienen will, \u00fcber Demokratie, Menschenrechte, Unabh\u00e4ngigkeit des Menschen, Menschenw\u00fcrde, b\u00fcrgerliche Verantwortung und politische Freiheit \u00e4u\u00dfern kann. In Polen der 70er und 80er Jahre erf\u00fcllte Kant die Aufgabe eines eigenartigen Mediums. Er war der Vermittler, durch den die polnischen Intellektuellen u. a. ihre Anschauungen formulierten und eine unabh\u00e4ngige Haltung gegen\u00fcber der Staatsideologie einnehmen konnten. Kant scheint\u00a0 noch heute ein \u201elebender&#8221; Hinweis auf diese Gebiete zu sein, um die noch heute gestreitet wird. Es geh\u00f6ren dazu die in der letzten Zeit besonders von den katholischen Philosophen aufgeworfenen Fragen nach dem moralischen Unheil, nach Relation zwischen Glauben und Vernunft, nach Ort und Rolle der Kirche in der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft im System der politischen Dominanz und der politischen Demokratie.<a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%93%D0%BB%D0%B5%D0%B1\/Downloads\/Kant%20in%20Polen.docx#_ftn10\">[10]<\/a>\u00a0Kants Arbi\u00adtrage reduziert sich jedoch nicht auf die oben erw\u00e4hnten Probleme. Die gesellschaftliche Transformation, welche gro\u00dfe Ver\u00e4nderungen nicht nur im materiellen Bereich verursachte, bringt Wert- und Ideenverwirrungen in Gang. Die Umwertung von Werten und die diesen Proze\u00df begleitenden Selbstbewu\u00dfstseinsdilemmata f\u00fchren zweifellos zur Suche nach Aus\u00adwegen aus der Krisensituation. Der Wunsch, auf dem Grund von Werten, best\u00e4ndigen Werten zu stehen, erzeugt die Versuchung nach den geistig best\u00e4tigten Mustern zu greifen. Und hier taucht wiederum Kants Gestalt und das Werk des \u201eunsterblichen Philosophen des Nordens&#8221; auf. Wie anders als durch die Tatsache der Lebendigkeit seiner Axiologie ist der \u201eMarkterfolg&#8221; der Werke dieses Philosophen zu erkl\u00e4ren! Wie anders als durch die Autorit\u00e4t des K\u00f6nigsberger Denkers kann die Tatsache erkl\u00e4rt werden, da\u00df die Publizisten und Politiker in der Verwendung von den aus dem Kontext herausgerissenen und hinsichtlich des urspr\u00fcnglichen Inhalts ge\u00e4nderten Kantischer Metaphern miteinander wetteifern, um ihre politi\u00adschen Auftritte damit zu zieren! Den gr\u00f6\u00dften Aufstieg machte in den letzten Jahren in Polen die Formulierung \u00fcber den gestirnten Himmel und \u00fcber das Moralgesetz.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die These \u00fcber den Kantianismus als ein best\u00e4ndiger Teil der polni\u00adschen Kultur wird durch die Kontinuit\u00e4t der Ankn\u00fcpfung an das Erbe des gro\u00dfen Denkers legitimiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"center\">Bibliography:<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\">\n<li><i>Bal K<\/i>. Immanuela Kanta przes\u0142anie dla wsp\u00f3\u0142czesno\u015bci \u2014 o wiecznym pokoju. \/\/Ein philosophischer Entwurf. \u00dcbers. von F. Przybylak. Hg. von K. Bal. Wroc\u0142aw, 1992.<\/li>\n<li><i>Bobko A.<\/i> \u201eRadykalne z\u0142o\u201d ludzkiej natury a idea \u201ewiecznego pokoju\u201d. \/\/ Znak. Nr. 454. 1993.<\/li>\n<li>Dziedzictwo Kanta. Materia\u0142y z sesji Kantowskiej. Hg. von J. Garewicz. Warszawa, 1976.<\/li>\n<li><i>Harasek S.<\/i> Kant w Polsce przed rokiem 1830. Krak\u00f3w, 1916.<\/li>\n<li><i>Hinz H<\/i>. Kilka uwag o wczesnej filozofii Kanta w Polsce. \/\/Dziedzictwo Kanta. Materia\u0142y z sesji Kantowskiej. Hg. von J. Garewicz. Warszawa, 1976<i>.<\/i><\/li>\n<li><i>Hoene-Wro\u0144ski J. M<\/i>. Philosophie critique decouverte par Kant fondee sur le dernier principe du savoir, \u00e4 Marseille en XI.<\/li>\n<li><i>Tatarkiewicz W<\/i>. Zum 250. Geburtstag Kants. \/\/Dziedzictwo Kanta. Materia\u0142y z sesji Kantowskiej. Hg. von J. Garewicz. Warszawa, 1976.<\/li>\n<li><i>Viller Charles de.<\/i> Philosophie de Kant on principes fondamentaux de la philosophie transcendentale. Paris, 1980.<\/li>\n<li><i>Walicki A.<\/i> Polska recepcja my\u015bli Kanta w okresie mi\u0119dzypowstaniowym. \/\/Dziedzictwo Kanta. Materia\u0142y z sesji Kantowskiej. Hg. von J. Garewicz. Warszawa, 1976.<\/li>\n<\/ol>\n<div style=\"text-align: justify;\"><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>Die erste Ver\u00f6ffentlichung des Aufsatzes<\/i><i>:<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bal, Karol. Kant in Polen\/\/ Kant zwischen West und Ost. Zum Gedenken an Kants 200. Todestag und 280. Geburtstag. Hrsg. Von Prof. Dr. Wladimir Bryuschinkin. Bd.1. Kaliningrad, 2005. S. 98-104.<\/p>\n<div style=\"text-align: justify;\"><\/div>\n<hr align=\"left\" size=\"1\" width=\"33%\" \/>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%93%D0%BB%D0%B5%D0%B1\/Downloads\/Kant%20in%20Polen.docx#_ftnref1\">[1]<\/a> In dem Brief vom 9. Juli 1790 an den K\u00f6nig Stanislaus August beschreibt der Warschauer Arzt August Ferdinand Wolff (1768-1846) sein Studium an der Universit\u00e4t in Deutschland: C&#8217;est \u00e1 l&#8217;ecole de cel immortel philosophe du Nord. Kant, que j&#8217;ai tache de me former dans la science precieuse de bien penser.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%93%D0%BB%D0%B5%D0%B1\/Downloads\/Kant%20in%20Polen.docx#_ftnref2\">[2]<\/a> Der anonyme Text u.d.T. Wyobra\u017cenie o filozofii przes\u0142awnego Kanta. Vgl. [7].<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%93%D0%BB%D0%B5%D0%B1\/Downloads\/Kant%20in%20Polen.docx#_ftnref3\">[3]<\/a> Der \u00dcbersetzung von Bychowiec Zum ewigen Frieden lag eine franz\u00f6sische Fassung Kants Abhandlung zugrunde. Erst 1992 erschien F. Przybylaks \u00dcbersetzung aus der Origi\u00adnalsprache. Vgl. Anm. 3. Gegen Ende des 18. Jh. wurde auch ein Abschnitt der Anthropo\u00adlogie in pragmatischer\u00a0 Hinsicht \u00fcbertragen.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%93%D0%BB%D0%B5%D0%B1\/Downloads\/Kant%20in%20Polen.docx#_ftnref4\">[4]<\/a> Vgl. auch H. Hinz, Kilka uwag o wczesnej recepcji Kanta w Polsce.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%93%D0%BB%D0%B5%D0%B1\/Downloads\/Kant%20in%20Polen.docx#_ftnref5\">[5]<\/a> Die Vorlesung des bekannten polnischen Gelehrten J. \u015aniadecki in der Litauischen Hauptschule.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%93%D0%BB%D0%B5%D0%B1\/Downloads\/Kant%20in%20Polen.docx#_ftnref6\">[6]<\/a> Das Verzeichnis der Kant gewidmeten Werke wie der Charakter der Verbreitungst\u00e4\u00adtigkeit J. K. Szaniawskis wurde von S. Harasek in seiner Quellenarbeit Kant w Polsce przed rokiem 1830 dargestellt.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%93%D0%BB%D0%B5%D0%B1\/Downloads\/Kant%20in%20Polen.docx#_ftnref7\">[7]<\/a> Ko\u0142\u0142\u0105taj H., einer der hervorragendsten polnischen Denker der Wende des 18. und 19. Jh., studierte Kants Philosophie in Anlehnung an das Werk des Franzosen Charles de Villers [8]<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%93%D0%BB%D0%B5%D0%B1\/Downloads\/Kant%20in%20Polen.docx#_ftnref8\">[8]<\/a> Marian Massonius, M\u015bcis\u0142aw Wartenberg.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%93%D0%BB%D0%B5%D0%B1\/Downloads\/Kant%20in%20Polen.docx#_ftnref9\">[9]<\/a> Jerzy Ga\u0142ecki hat Kritik der praktischen Vernunft und Kritik der Urteilskraft \u00fcbertragen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/%D0%93%D0%BB%D0%B5%D0%B1\/Downloads\/Kant%20in%20Polen.docx#_ftnref10\">[10]<\/a> Vgl. [2, 65-73]. In der \u00dcbersetzung des Autors erschien 1993 in der Bibliothek der Religionsphilosophie Die Religion innerhalb der Grenzen der blo\u00dfen Vernunft Kants.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Titelproblem kann in einigen Aspekten entfaltet werden: 1) nach dem des Wissens \u00fcber die Kantische Philosophie in Polen. Es handelt sich hier um den Bildungsaspekt, d.h. um den Unterricht im System der Universit\u00e4tsbildung; um den Einflu\u00df der kritischen Philosophie auf die wissenschaftlichen Forschungen; um den Zugang zu \u00dcbersetzun\u00adgen von Werken des K\u00f6nigsberger Denkers, 2) [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":280,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[11],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kant-online.ru\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/262"}],"collection":[{"href":"https:\/\/kant-online.ru\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kant-online.ru\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kant-online.ru\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kant-online.ru\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=262"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/kant-online.ru\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/262\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":281,"href":"https:\/\/kant-online.ru\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/262\/revisions\/281"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kant-online.ru\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/280"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kant-online.ru\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=262"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kant-online.ru\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=262"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kant-online.ru\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=262"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}