{"id":234,"date":"2014-01-10T19:35:30","date_gmt":"2014-01-10T19:35:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kant-online.ru\/en\/?p=234"},"modified":"2021-05-23T21:21:22","modified_gmt":"2021-05-23T21:21:22","slug":"hiroo-nakamura-kant-in-japan","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kant-online.ru\/en\/hiroo-nakamura-kant-in-japan\/","title":{"rendered":"Hiroo Nakamura. Kant in Japan"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_186\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.kant-online.ru\/en\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Hiroo-Nakamura-Foto-von-Suzhu-Pan-middle.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-186\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-186 \" alt=\"Prof. Hiroo Nakamura (Nagano, Japan)\" src=\"http:\/\/www.kant-online.ru\/en\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Hiroo-Nakamura-Foto-von-Suzhu-Pan-middle-300x225.jpg\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kant-online.ru\/en\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Hiroo-Nakamura-Foto-von-Suzhu-Pan-middle-300x225.jpg 300w, https:\/\/kant-online.ru\/en\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Hiroo-Nakamura-Foto-von-Suzhu-Pan-middle-65x50.jpg 65w, https:\/\/kant-online.ru\/en\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Hiroo-Nakamura-Foto-von-Suzhu-Pan-middle.jpg 500w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-186\" class=\"wp-caption-text\">Prof. Hiroo Nakamura (Nagano, Japan)<\/p><\/div>\n<p>1. Japan in Kants Werken<\/p>\n<p>Kant kannte Japan durch die B\u00fccher, die damals auf den Schriften von Engelbert K\u00e4mpfer (Arzt und Forschungsreisender, 1651-1716) beruhend verfasst waren. Dieses kleine Inselreich im Fernen Osten behandelte Kant in seinen Vorlesungen \u00fcber die physische Geographie. Historiker geben als Quellen an: <i>History of Japan<\/i> (trans. by J. G. Scheuchzer, London 1727), <i>Geschichte und Beschreibungen von Japan<\/i> (Chr. Wilh. Dohm, 2 Bde. Lemgo 1777-1779), zweite Auflage: <i>Abgek\u00fcrzte Geschichte und Beschreibung des japanischen Reiches<\/i> (Frankfurt und Leipzig 1783), Pierre C. LeJeune: <i>Kritische und philosophische Bemerkungen \u00fcber Japan und die Japaner<\/i> (Breslau 1783). Kants ausf\u00fchrliche Beschreibungen von Japan befinden sich in der von Helmuth von Glasenapp (Indologe, 1891-1963) herausgegebenen <i>Physischen Geographie<\/i> (<i>Kant und die Religionen des Ostens<\/i>, Beihefte zum Jahrbuch der Albertus-Universit\u00e4t K\u00f6nigsberg\/Pr. Kitzingen-Main, 1954, S. 107-118). Sonst wei\u00df man nicht, wie sich Japan im Spiegel Kants reflektierte. Wie w\u00fcrde Kant heute dieses Land sehen, das trotz der harten Erfahrung des Zweiten Weltkriegs jetzt in der Tat danach strebt, Kants Grundgedanken der Moral und der Politik zu realisieren?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>2. Kant in Japan fr\u00fcher und heute<\/p>\n<p>Erst im 19. Jahrhundert lernten Japaner Kant und seine Philosophie kennen. Mit und nach der Meiji-Restauration (1868) begannen sie, aktiv die europ\u00e4ische Kultur sowie ihr Gesellschaftssystem zu studieren, um sie sich schnell zu eigen zu machen. Kant war in Japan immer einer der wichtigsten Philosophen, ja sein Name war sozusagen ein Synonym f\u00fcr \u201ePhilosoph\u201c. Die richtige Kantforschung in Japan begann etwa 1887. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts erfuhren japanische Studenten und Gasth\u00f6rer viele Einfl\u00fcsse durch die Neukantianer sowohl der Marburger als auch der S\u00fcdwestdeutschen Schule. Recht schnell meisterten Japaner mit Kant das \u201ePhilosophieren Lernen\u201c. Seit etwa den drei\u00dfiger Jahren erschienen originelle (aber leider auf Japanisch geschriebene) philosophische Schriften, die mit Kant den japanischen Geist wie die Grundgedanken des japanischen Buddhismus behandelten. Auch unter dem Einfluss internationaler Geistesstr\u00f6mungen, wie idealistische, materialistische, hegelianische, marxistische, ph\u00e4nomenologische oder existentialistische Philosophie blieb Kant doch immer \u00a0der Polarstern. Die harte Erfahrung des Zweiten Weltkriegs regte die Forscher dazu an, Moral und Frieden mehr zu behandeln und mit Kant tiefer dar\u00fcber nachzudenken. Seit 1995 wandte man sich auch der <i>Kritik der Urteilskraft <\/i>zu, d. h. \u00a0Fragen nach der moralischen Teleologie, n\u00e4mlich einerseits der Frage \u00a0nach dem Anspruch auf allgemeine G\u00fcltigkeit f\u00fcr jedes Subjekt (das Besondere), andererseits nach dem letzten Zweck des Menschen oder dem Wert des Lebens, damit der Mensch es erm\u00f6glichen soll und kann, sich selbst zu kultivieren, um Theorie und Praxis, Ideal und Wirklichkeit, Sollen und K\u00f6nnen zu verbinden.<\/p>\n<p>Die Publikationslage der japanischen \u00dcbersetzungen der Werke Kants kann beweisen, wie sehr sich Japaner bis heute mit Kant anfreundeten. Im 20. Jahrhundert hat man in Japan schon zweimal unter Aufbietung aller japanischen Spezialisten Kants s\u00e4mtliche Werke in 18 B\u00e4nden \u00fcbersetzt und ver\u00f6ffentlicht (Tokyo: Iwanami 1926-1939 und Tokyo: Risosha 1965-1988). Zu Beginn des 21. Jahrhunderts wurde eine neue \u00dcbersetzung angefertigt (in 22 B\u00e4nden plus ein Nebenband, Tokyo: Iwanami). Die \u00dcbersetzungen der einzelnen Werke sowie die Studien \u00fcber Kant sind unz\u00e4hlbar. Was z. B. den Nachdruck der \u00dcbersetzung der <i>Kritik der reinen Vernunft<\/i> angeht (Iwanami-Taschenb\u00fccher), so wurde sie 1961\/1962 in drei Teilen ver\u00f6ffentlicht und der erste Teil bis 2013 schon 65 Mal nachgedruckt. Das Taschenbuch der <i>Kritik der praktischen Vernunft <\/i>wurde 1979 ver\u00f6ffentlicht und bis 2012 schon 37 Mal nachgedruckt. Die <i>Kritik der Urteilskraft<\/i> wurde 1964 in zwei Teilen ver\u00f6ffentlicht und der erste Teil bis 2010 schon 33 Mal und der andere bis 2011 schon 27 Mal nachgedruckt. Das Taschenbuch <i>Zum ewigen Frieden<\/i> wurde 1985 ver\u00f6ffentlicht und bis 2013 schon 44 Mal nachgedruckt. Schon an diesen Zahlen kann man wohl sehen, wie gern Kant in Japan gelesen und studiert wird, und wie wichtig f\u00fcr Japaner Kants Forderung des \u201ePhilosophieren Lernens\u201c ist. 1997 wurde ein solides japanisches <i>Kant-Lexikon <\/i>[<i>Kanto Jiten<\/i>] (Tokyo: Koubundou) ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p>Die Japanische Kant-Gesellschaft, die 1976 gegr\u00fcndet wurde und zur Zeit \u00fcber 300 Mitglieder hat, gibt seit 2000 j\u00e4hrlich die <i>Japanischen Kant-Studien <\/i>[<i>Nihon Kantkenkyu<\/i>] (Chiba: Risosha) heraus. Diese Gesellschaft besitzt \u00a0zwar eine japanische Homepage, aber leider noch keine deutsche oder englische Seite, w\u00e4hrend \u201eThe Philosophical Association of Japan\u201c in ihrer Homepage schon eine englische Seite hat. Aber es gibt eine andere bemerkenswerte Forschungsgruppe, welche Kant-Forschungsgruppe zu Tokyo hei\u00dft. Sie organisierte 1987 ihre erste Versammlung und l\u00e4sst seit 1989 j\u00e4hrlich ihr Organ<i> Aktuelle Kant-Forschungen <\/i>erscheinen [<i>Gendai Kantkenkyu<\/i>] (Bd. 1-2 Tokyo: Risosha, Bd. 3 Kyoto: Koyo-Shobo). Diese Gruppe hat \u00a0ihre Homepage mit einer deutschen Seite ausgestattet, in der die deutschsprachigen Forscher im Ausland aktuelle Tendenzen der japanischen Kantforscher beobachten k\u00f6nnen (http:\/\/phs.i.hosei.ac.jp\/kant_ken\/deutsch.html). \u00dcbrigens hatten Japaner seit langem das Hindernis der Fremdsprachen zu \u00fcberwinden. Ohne eigene Gedanken in Fremdsprachen zu \u00e4u\u00dfern, bleiben Japaner in der Gedankenwelt eher isoliert. Aber die durch rasche Fortschritte globalisierte Welt hindert Japan heute daran, noch l\u00e4nger sozusagen zu den Galapagosinseln der Geisteswelt zu geh\u00f6ren. In diesem Sinne kann man sagen, dass die oben genannte deutsche Seite der Kant-Forschungsgruppe zu Tokyo epochal ist. Man muss hinzuf\u00fcgen, dass die japanischen Forscher seit dem Ende der sechziger oder siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts langsam mehr Vortr\u00e4ge auf internationalen Konferenzen halten und in ausl\u00e4ndischen Zeitschriften ver\u00f6ffentlichen. Das ist eine erfreuliche Tendenz nicht nur f\u00fcr Japan selbst, sondern auch f\u00fcr andere Forscher im Ausland. Denn der Grundgedanke des japanischen Geistes muss wohl ein Schatzk\u00e4stchen sein, in dem sie eine fremde Weisheit entdecken k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>3. Kant in Japan morgen<\/p>\n<p>Was ist nun die aktuelle Aufgabe der Kantforscher in Japan? Ohne \u201eden Wald vor lauter B\u00e4umen nicht zu sehen\u201c, handelt es sich um zwei Fragen: diejenige nach der Behandlung der Katastrophe von Fukushima 2011 und diejenige nach der politischen Bewegung der Verfassungs\u00e4nderung in Japan seit 2007 und speziell 2012. Japans Zukunft h\u00e4ngt eigentlich einzig und allein davon ab, ob Industriekreise und Techniker sowie Politiker Kants Sittenlehre, genauer den kategorischen Imperativ des moralischen Gesetzes in jedem Herzen, im Ernst befolgen wollen oder k\u00f6nnen. Die japanischen Kantforscher sind also daf\u00fcr wirklich verantwortlich, um einflussreichen Menschen in Japan ihre moral-teleologische Bestimmung, welche diejenige des ganzen Menschen selbst sein soll, bewusst zu machen und ihr Denken nach dem allgemeinen moralischen Gesetz zu orientieren. Hier sind zwei neue Arbeiten, in denen sich \u201eKant in Japan morgen\u201c am deutlichsten zu spiegeln scheint: Das Eine ist mein Buch <i>F\u00fcr den Frieden<\/i> (Nordhausen: Traugott Bautz 2012) und das Andere mein Vortrag, \u201eTechnik und Zukunft der Menschheit \u2013 Die Bedeutung der Aufkl\u00e4rung des 21. Jahrhunderts\u201c, der bei den XI International Kant Readings: \u00ab<i>Kantian Project of Enlightenment Today<\/i>\u00bb (Immanuel Kant Baltic Federal University, Kaliningrad, April 2014) gehalten wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; 1. Japan in Kants Werken Kant kannte Japan durch die B\u00fccher, die damals auf den Schriften von Engelbert K\u00e4mpfer (Arzt und Forschungsreisender, 1651-1716) beruhend verfasst waren. Dieses kleine Inselreich im Fernen Osten behandelte Kant in seinen Vorlesungen \u00fcber die physische Geographie. Historiker geben als Quellen an: History of Japan (trans. by J. G. 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